Auf den ersten Blick haben die grosse Basler Vorortsgemeinde Riehen und das kleine Zürcher Landstädtchen Elgg wenig gemeinsam. Doch sie tragen ein ähnliches Schicksal. Beide Gemeinden sind Opfer einer beispiellosen Brandstifter-Serie.

In Riehen fängt die Serie im Jahr 2004 an. Es brennt in Gartenhäusern und Geräteschuppen, aber auch in Tiefgaragen, Scheunen oder Kellern. Rund 80 Fälle gibt es bisher. Im Juli 2011 stoppt die Serie plötzlich. Niemand weiss, warum. «Eine solch lange Pause hat es vorher nicht gegeben», bestätigt der Basler Kriminalkommissär Markus Melzl. «Dafür gibt es sicher einen Grund – aber wir kennen ihn nicht.» Denkbar seien unter anderem ein Wohnortswechsel oder eine Veränderung im persönlichen Umfeld des Täters oder der Täterin, wie der forensische Chefarzt Marc Graf sagt.

Riehen: Seit einem halben Jahr ruhig

Während es in Riehen seit einem halben Jahr ruhig ist, gerät nun die 3900-Seelen-Gemeinde Elgg alle paar Tage in die Schlagzeilen. Hier tritt der Feuerteufel erstmals im Februar vor einem Jahr auf. Er zündet ein Holzschnitzellager an. Wenig später versucht er das Lokal des einheimischen Tambourenvereins in Brand zu setzen, am Tag darauf brennt wieder ein Holzschnitzellager. In Riehen ist der Tiefpunkt der Brand des historischen Bäumlihofgutes; in Elgg die Zerstörung der Reithalle, des Wahrzeichens der Elgger Reitsportszene.

Zwei unterschiedliche Gemeinden, zwei ähnliche Brandserien. Zeitlich überlappen sich die Serien um ein paar Monate. Der Elgger Brandstifter beginnt im Februar 2011, der Riehener hört im Juli 2011 auf. Ist es trotzdem die gleiche Person? Dagegen spricht, dass Brandstifter meist im gleichen Dorf wohnen, in dem sie wüten. In beiden Fällen ist der Täter der Polizei stets eine Nasenlänge voraus. In Riehen scheint er manchmal mit den Behörden Katz und Maus zu spielen, legt mehrere Brände innert weniger Stunden. So auch in Elgg. Dann legt er wieder längere Pausen ein. Und niemand weiss, warum.

Die Zürcher Polizei hat wie ihre Basler Kollegen die Einsatzkräfte massiv verstärkt. Ohne Erfolg. «Die Klärung solcher Brände ist immer sehr anspruchsvoll», sagt Werner Benz, der Medienchef der Zürcher Kantonspolizei, im «Landboten». Die Belohnung von 10000 Franken für Hinweise war bisher nicht von Erfolg gekrönt. Laut Statistiken werden zwei Drittel aller Fälle nie aufgeklärt.

Sonderkommission ermittelt

In Basel lässt man sich davon nicht entmutigen. Trotz der halbjährigen Pause ermittelt die Sonderkommission Fuego weiter. Noch immer kämen laufend Hinweise von aufmerksamen Riehenern, hält Melzl fest. Dort sei ein verdächtiges Auto unterwegs gewesen, da habe man ein komisches Gespräch überhört. Das zeigt: Die Bevölkerung ist weiterhin wachsam. Brandstiftung ist ein ernstes Delikt. Früher stand auf Brandstiftung die Todesstrafe. Heute versucht man die Täter zu therapieren; mit unterschiedlichem Erfolg. Manchen Brandstiftern droht die Verwahrung.

Am Anfang ihrer Tat steht immer ein Motiv. Doch wie so vieles bei den Brandstiftern bleibt auch dieses im Dunkeln. Ausser sie werden erwischt.