Messebaustelle
Die geprellten Slowenen erhalten den Lohn vor Weihnachten

Die Messe wählt in Sachen Lohndumping die Flucht nach vorn. Messe-Chef Ueli Vischer kündigt an: «Wir werden unbürokratisch Unterstützung leisten.» Die geprellten oder unterbezahlten Arbeiter kriegen ihr Geld notfalls von der Messe und der HRS.

Moritz Kaufmann
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Ulrich Vischer und Martin Kull nehmen Stellung zu den Lohndumping-Vorwürfen.
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Messe-Chef Ueli Vischer (links) kündigt an: «Wir werden unbürokratisch Unterstützung leisten.»
An der Pressekonferenz der Messe geben Ulrich Vischer und Martin Kull Auskunft
Ulrich Vischer und Martin Kull wollen die Arbeiter wenn nötig direkt bezahlen.

Ulrich Vischer und Martin Kull nehmen Stellung zu den Lohndumping-Vorwürfen.

Kenneth Nars

Draussen wurde gehämmert, drinnen wurde erklärt. Am Mittwoch riefen Ueli Vischer, Verwaltungsratspräsident der Messe, und Martin Kull, CEO der Messebau-Generalunternehmerin HRS zum Pressetermin im Messeturm. Die Messe-Baustelle hatte in den vergangenen Wochen für viel Negativschlagzeilen gesorgt: Dumpinglöhne, Arbeitszeitüberschreitungen, Unfälle und ein launiges Interview von Messe-CEO René Kamm, bei dem dieser im Schweizer Fernsehen die Baustelle als «perfekt» bezeichnete (siehe Video).

Am Mittwoch nun versuchte Ueli Vischer, das Ruder herumzureissen und den kommunikativen Super-Gau einzudämmen. Er tat dies konsequent. Im Gegensatz zu seinem CEO gestand Verwaltungsratspräsident Vischer ein, dass es auf der «äusserst ambitiösen Baustelle» Verfehlungen gibt, was «nicht akzeptabel» sei. «Wir werden dafür gerade stehen. Notfalls werden wir unbürokratisch Hilfe leisten», versprach er.

Ein Hauch von Ärger

Zusammen mit der HRS will die Messe also Arbeitern den Lohn zahlen, falls diese nachweislich geprellt oder unterbezahlt wurden. Im Fall einer slowenischen Firma die Konkurs ging und deren Angestellte gar keinen Lohn sahen, soll das noch vor Weihnachten geschehen.

Auch wollen Messe und HRS Unternehmen, die sich nicht an die Verträge halten, zur Verantwortung ziehen. Im Gegensatz zu Kamm, der von einer «Kampagne der Gewerkschaft Unia» spricht, sagt Vischer, dass die Gewerkschaften eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Baustelle spielen.

In den demütigen Auftritt von Ueli Vischer, der HRS-CEO Kull kaum zu Wort kommen liess, mischte sich nur einmal auch einen Hauch von Ärger: «Wir haben darauf geschaut, dass vor allem regionale Unternehmen berücksichtig wurden. Da diese aber nicht rechtzeitig fertig wurden, haben diese dann die Subunternehmen engagiert.» Darüber sei er «enttäuscht», sagt Vischer deutlich.

Unia zählt 14 Fälle

Wie viele Verfehlungen es auf der Messebaustelle tatsächlich gab, konnten weder Vischer noch Kull sagen. Einer sei bestätigt, mehrere noch in Abklärung. Insgesamt dürfte sich die Summe der Entschädigungen auf «wenige 100 000 Franken» belaufen und das bei einem «450 Millionen-Projekt», betonte Vischer.

Die Pressekonferenz angeschaut hat sich Roland Schiesser, der bei der Unia für die Messebaustelle zuständig ist. Er lobte vor allem Vischers Auftritt explizit: «Er ist der einzige, der das Gespür hatte, dass die Verantwortlichen bisher nicht gut aufgetreten sind.» Vischer habe gezeigt, dass er die Position, die er habe, verdient, sagt Schiesser.

Insgesamt zählt die Unia bisher 14 Verfehlungen mit insgesamt «über hundert Betroffenen». Diese Fälle werde man der Messe zeigen. In einem Punkt sich Schiesser von der Unia und Messe-Chef Vischer einig: «Es werden noch weitere Fälle ans Licht kommen.»