Wo sich im Kinosaal der Vorhang teilt, kippt auf dem Münsterplatz die Leinwand: Ziemlich spektakulär sieht das aus, wenn die 300 Quadratmeter grosse Fläche aufklappt wie ein gewaltiger Laptop. «Dieser Leinwandaufzug ist zu unserem Kennzeichen geworden», erklärt Daniel Frischknecht. Der in Aesch aufgewachsene Baselbieter führt seit elf Jahren das operative Geschäft Schweiz für Cinerent – der Veranstalterin hinter dem grössten Open-Air-Kino im Raum Basel. Heute Freitag ist es unter dem Namen seines Hauptsponsors wieder als Allianz Cinema am Start.

Das in Zürich domizilierte Unternehmen, das heute vier Grossleinwände inklusive Kinoinfrastruktur an Veranstalter auf der ganzen Welt vermietet und auch Veranstaltungen in Sydney durchführt, hatte einst als Ein-Mann-Unternehmen begonnen.

Eine Leinwand geht um die Welt

1978 gründete der gelernte Kameramann Peter Hürlimann den Filmgeräteverleih Cinerent. «Er versteht sich mehr als Erfinder denn als Eventveranstalter», sagt Frischknecht über den medienscheuen Gründer, der nicht nur Filmkräne entwickelte, sondern auch das Ticketunternehmen Starticket.

Die aufklappbare Leinwand ist ebenfalls Hürlimanns Erfindung: Zwei Jahre lang musste er für eine Bewilligung kämpfen, um 1989 seine Vision vom «Kino am See» durchführen zu können. Grösste Herausforderung dabei war die Auflage, tagsüber den Blick auf den Zürichsee und die Alpen nicht zu versperren. Hürlimann entwickelte eigens eine hydraulische Klappleinwand. «Um sie über Winter nicht einlagern zu müssen, ging Hürlimann dahin, wo es Sommer ist – nach Australien», so Frischknecht. Seither pendelt die Zürcher Grossleinwand jedes Jahr zwischen Sydney und Zürich. Die Basler Leinwand war schon in Dubai und Abu Dhabi.

Mit dem ersten Erfolg kamen die Sponsoren. Unter Philipp Morris sollte das Open-Air-Konzept national ausgeweitet werden. Nach Lugano und Lausanne folgten 1991 Bern und Basel. 13 Jahre war der Tabakhersteller Hauptsponsor, darauf folgte Orange (15 Jahre). Ein Jahr nachdem sich das Telekommunikationsunternehmen in Salt umbenannt hatte, stieg der Sponsor aus, es kam zu Entlassungen.

Frischknecht blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. «Anders als die Kinobranche haben wir keine sinkenden Zahlen, 2018 konnten wir im Gegenteil einen neuen Rekord mit 47'000 Besuchern aufstellen.» Der grösste Teil der Gäste seien Stammkunden, trotzdem gebe es pro Jahr etwa 25 Prozent Neubesucher – Leute also, die noch nie am Open-Air waren. «Das Allianz Cinema ist kein Cüpli-Anlass, wir bieten der Bevölkerung ein Erlebnis: Es gibt nichts Cooleres, als unter dem Sternenhimmel einen tollen Film zu schauen.»

Programm wird immer aktueller

Gezeigt werden vornehmlich «Highlights des vergangenen Jahres», wie Frischknecht sagt. Grundsätzlich versuche man, bei der Filmauswahl auf der «fröhlichen Seite» zu bleiben: «An einem schönen Sommerabend will niemand Trübsal blasen.» Dabei ist die Programmierung anspruchsvoller geworden.

«Noch vor wenigen Jahren gab es die klassischen ‹Fenster›», erklärt Frischknecht: So durfte eine DVD frühestens ein halbes Jahr nach dem Kinostart erscheinen. «Diese Zeiträume sind geschrumpft, was uns dazu zwingt, immer aktueller zu werden.» Dieses Jahr etwa zeige das Open-Air «Lion King» zeitgleich mit dem Kinostart, «das hätte es früher nicht gegeben».

Auch das Filmangebot hat sich verändert. Heute gebe es entweder die Mega-Blockbuster aus dem Hause Disney/Marvel oder aber Arthouse-Nischenfilme. «Was immer schwieriger zu bekommen ist, das sind die Filme dazwischen: anspruchsvolle Produktionen mit mittlerem Budget und einem ansprechenden Cast.» Solche Filme würden heute auf Netflix gezeigt – oder auf Amazon. Letztere Streamingplattform hat auch den neuen Film Woody Allens produziert, liess ihn wegen der MeToo-Kontroverse um den Regisseur aber unveröffentlicht. So wird «A Rainy Day in New York» als Basler Vorpremiere zu sehen sein.

«Anfang Jahr habe ich immer etwas Angst, ob es noch genug Filme für uns gibt», sagt Frischknecht, der das Open-Air als Bub kennen gelernt hatte und während der Handelsmittelschule als Praktikant seinen Einstieg ins Open-Air-Business fand. «Das war kein Plan», schwärmt Frischknecht, «sondern hat sich einfach so ergeben.» Fast wie im Kino.