«Für gleiche Arbeit muss es den gleichen Lohn geben», sagt Patrick Dubach, Pressesprecher der Unia Nordwestschweiz. «Der Anspruch auf gleichen Lohn ist unbesehen von Geschlecht und Nationalität im GAV verankert.» Deshalb lehne die Gewerkschaft Lohnkürzungen für Grenzgänger ab. Solche Abzüge wegen sinkender Eurokurse haben in der Region die Firmen Stöcklin in Dornach und Angenstein in Aesch beschlossen. Im Fall Stöcklin ist dazu ein Verfahren vor Gericht hängig.

«Für alle die gleiche Lösung»

«Diskriminierung ist auch nach EU-Recht verboten», betont Jean-Luc Johaneck, Präsident des Grenzgängervereins Comité de Défense des Travailleurs Frontaliers du Haut-Rhin (CDTF). Er argumentiert, dass durch Lohnabzüge die Grenzgänger billiger werden. Komme es zu Entlassungen, müssten zuerst die Schweizer gehen. «Wir wehren uns nicht nur für uns, sondern auch für die Arbeitsplätze der Schweizer.» Er sieht die Probleme der Schweizer Exportindustrie. «Doch Lösungen müssen für alle gleich sein.»

«Die Situation ist nicht für alle gleich», erklärt Martin Helfenstein, Geschäftsführer Angenstein. «Die Kaufkraft der Grenzgänger ist um 20 Prozent gestiegen.» Dies bezweifelt Johaneck: «Die Inflation ist in Frankreich und Deutschland höher, die Löhne wurden aber in der Vergangenheit nur der Schweizer Teuerung angepasst.» Auch Rolf Eichin, Vorstand des Vereins Grenzgänger Info e.V. in Lörrach, erklärt: «Die meisten Grenzgänger haben für ihr Haus die Hypothek in Schweizer Franken aufgenommen. Rund ein Drittel ihrer Ausgaben müssen sie in Franken aufbringen.» Auch er erklärt, dass Grenzgänger schon heute billiger arbeiten.

«Kaukraftgarantie eingebaut»

«Wir kürzen nicht einseitig den Grenzgängern den Lohn, sondern wir haben eine Kaufkraftgarantie in den Arbeitsvertrag eingebaut», betont Helfenstein. Konkret: Fällt der Kurs unter 1,25, erfolgt ein Abzug, sodass der Lohn einer Kaufkraft beim Kurs von 1,25 entspricht. Steigt der Kurs hingegen über 1,55, dann gibts einen entsprechenden Zuschlag. «Dies haben wir mit der fünfköpfigen Betriebskommission, in der zwei Grenzgänger sitzen, eingehend diskutiert und haben auch ihre Vorschläge eingearbeitet.» Zudem habe Angenstein weiter Massnahmen ergriffen: vermehrte Einkäufe in Euro sowie die Verkleinerung des Managements.

Einigkeit herrscht einzig darüber, dass das Problem eigentlich auf politischer Ebene gelöst werden müsste. So schreibt die Unia: «Es besteht ein dringlicher Handlungsbedarf aufseiten des Bundesrates und der Nationalbank.» Dies könnte Helfenstein wohl unterschreiben. Die Unia-Folgerung «Alleingänge einzelner Firmen zulasten der Beschäftigten bringen nichts» teilt er nicht: «Wenn die Politik auf die dramatische Kursentwicklung nicht reagiert, müssen die Unternehmer selbst handeln. Sie tragen schliesslich die Verantwortung.»