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Die grosse Basler Drucker-Krise: Was das Not-Aus der Medienmacher AG für die Branche heisst

Die Medienmacher AG ist Konkurs gegangen. Jetzt versuchen die letzten Basler Druckereien, deren Kunden aufzufangen und die noch offenen Aufträge der Medienmacher AG zu fertigen.

Viel ist von der grossen Druckerstadt Basel nicht mehr geblieben. Mit dem Konkurs der Medienmacher AG, der Muttenzer Druckerei Petri Holding AG und damit des altehrwürdigen Schwabe-Verlags verschwindet erneut eine Basler Druckerei. Rund 40 Arbeitsplätze gehen verloren. Damit verbleiben in der Region nur noch wenige KMU, die Gutenbergs Jüngerschaft Folge leisten.

Im Kanton Basel-Stadt sind nach dem Massensterben der Grossdruckereien in den 2010er-Jahren drei Betriebe verblieben, die gross genug sind, um einen Teil der noch offenen Aufträge der Medienmacher AG übernehmen zu können. Es sind dies Steudler Press AG, Werner Druck und Medien AG sowie die Druckerei Dietrich im Kleinbasel. Im Baselbiet sind es auch nicht viel mehr: Die Grossdruckerei Gremper AG in Pratteln, die Druckerei Bloch AG in Arlesheim, die Schaub Medien AG in Sissach und die Birkhäuser + GBC AG in Reinach, die mittlerweile allerdings zum Druckkonzern Schelling AG mit Sitz im Mittelland gehört.

Dringende Suche nach Ersatzdruckereien

In deren Zentralen häufen sich seit dem Konkurs der Medienmacher AG die dringenden Telefonate. So sagt Thomas Steudler von Steudler Press AG in Basel: «Wir spüren die plötzlich gestiegene Nachfrage tatsächlich sehr stark. Täglich melden sich teilweise verzweifelte Kunden, die ihre Aufträge fertigstellen wollen.» Vom Aus der Medienmacher sind aber auch Buchbinder betroffen, denen bereits Aufträge in Aussicht gestellt wurden, die ihnen nun wegzubrechen drohen.

«Da die Kapazitäten in der Region beschränkt sind und zusätzlich ein starker Preisdruck herrscht, wandern aber viele Kunden im Bereich des Drucks von Büchern nach Deutschland ab», sagt Steudler. In diesem Bereich wird bereits heute ein grosser Teil der Schweizer Verlagsprodukte in Deutschland hergestellt. «Schweizer Unternehmen können im Preiskampf oft gar nicht mehr mithalten.» Die grösste Nachfrage könne in der Region im Offsetdruck gedeckt werden. Hauptprodukte dessen sind etwa Geschäftsberichte, Programmhefte, Broschüren, Flyer und Couverts.

Die Zeitungen kommen schon lange von auswärts

Die Region Basel hatte sich in den vergangenen zehn Jahren bereits vom Zeitungsdruck verabschiedet: Die «Basler Zeitung» wird seit 2013 nicht mehr in Basel gedruckt. Die bz wiederum entspringt der Druckerei von Verleger Peter Wanner in Aarau – wo auch die meisten der hiesigen Lokalzeitungen gedruckt werden, wie etwa die des Reinhardt Verlags oder die «Gundeldinger Zeitung».

Jetzt ist auch der Buchdruck betroffen. Der Niedergang des rund 700-jährigen Wirtschaftszweigs am Rheinknie hat zum einen mit sinkenden Auflagen und zunehmender Digitalisierung von Informationsträgern zu tun, weswegen sich zusätzlich der Preisdruck in Konkurrenz zum Ausland stark verschärft hat, was in Basel deutlich spürbar ist. Zum anderen bilden Überinvestitionen und Fehlkalkulationen weitere Gründe für den Abstieg des zuletzt einträglichen Druckereigeschäfts, besonders von den 1980er- bis in die 2000er-Jahre.

Während die Petri Holding AG mit dem Konkurs der Medienmacher das Druckgeschäft aufgibt, bleibt die Firma im Verlagsgeschäft noch tätig. Damit folgt sie dem Beispiel des Reinhardt Verlags, der bereits Ende 2013 seine Druckerei schloss.

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