Fussball
Die grosse Ungeduld des Alex Frei

Alex Frei hat in seiner Laufbahn kaum einen Fehler gemacht. Bis gestern, als der FCB bekannt gab, dass der FCB-Stürmer Sportchef beim FC Luzern wird. Die Analyse von François Schmid-Bechtel, Leiter Ressort Sport, zum unerwarteten Wechsel von Frei.

François Schmid-Bechtel
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Vom Fussballplatz ins Büro: Alex Frei wird Sportchef beim FC Luzern

Vom Fussballplatz ins Büro: Alex Frei wird Sportchef beim FC Luzern

Keystone

Alex Frei hat in seiner Laufbahn kaum einen Fehler gemacht. Zugegeben, den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt aus dem Nationalteam hat er verpasst.

Betreffend Stellenwechsel hat er indes stets richtig entschieden. Basel, Thun, Luzern, Servette, Rennes, Dortmund, Basel, jeder Schritt zur richtigen Zeit. Ein eindrücklicher Steigerungslauf. Eine mustergültige Karriereplanung.

François Schmid-Bechtel, Leiter Ressort Sport

François Schmid-Bechtel, Leiter Ressort Sport

AZ

Nun folgt der erste Fehler. Frei wird Sportchef beim FC Luzern. Statt erst mal die Zeit als Profi zu verarbeiten und die Post-Torjäger-Karriere behutsam zu planen und aufzubauen, stürzt er sich kopfüber in das nächste Haifischbecken.

Frei erinnert mit seinem Schritt an einen anderen, einst grossen Fussballer: Ciriaco Sforza. Dieser hatte stets betont, nach seiner Zeit als Spieler käme für ihn nur ein Trainerjob in der Super League infrage.

Erste Erfahrungen im Amateurbereich

Sforza bestätigte so nicht nur den Eindruck von Überheblichkeit. Sondern offenbarte auch fehlenden Weitblick.

Andere grosse Trainer wie Lucien Favre (1. Liga) und Murat Yakin (2. Liga inter) waren sich nicht zu schade, erste Erfahrungen im unprätentiösen Amateurbereich zu machen, um den Job von der Pike auf zu lernen. Davon profitieren sie bis heute.

Frei sagte immer wieder, er wolle in der kommenden Saison die ersten Schritte im Trainermetier machen.

Geplant war, dass er als Juniorentrainer beim FCB einsteigt und dann die Leiter hoch klettert. Falls ihm der Trainerjob zusagt und ihn die Basler Klubleitung auch als geeignet beurteilt. Auf diesen Lernprozess verzichtet er nun freiwillig.

Es passt zum Ehrgeizling Frei, dass er glaubt, den Rucksack für diese schwierige Aufgabe in Luzern bereits gefüllt zu haben. Und so hängt diesem Wechsel der Geruch von Verbissenheit nach.

Nach dem Motto: Ich, ich bin aussergewöhnlich

Nach dem Motto: Ich, Alex Frei, bin aussergewöhnlich. Sonderbar: Hat Frei nicht schon genügend oft bewiesen, aussergewöhnlich zu sein? Oder ist er gekränkt, weil er unter Trainer Murat Yakin zur Jongliermasse wurde?

Fakt ist: Den Rücktritt als Profifussballer hat er auch damit begründet, mehr Zeit der Familie widmen zu wollen. Als Sportchef wird die zeitliche Belastung aber bedeutend grösser sein.

Frei setzt mit diesem Schritt viel aufs Spiel. In Basel hätte er beste Voraussetzungen vorgefunden, um in der zweiten Reihe zu lernen. Ob als Trainer oder als Sportchef.

Mit seinem Abgang macht er sich indes nicht nur Freunde. Eine Rückkehr in den Heimathafen scheint unter diesen Voraussetzungen als eher schwierig.

Sechs Jahre nach dem Start ins Trainermetier ist Ciriaco Sforza auf dem Markt nicht mehr gefragt.

Frei, der Individualist

Zuletzt war er im Auswahlverfahren um den Trainerposten in Montreal gegen Marco Schällibaum auf der Strecke geblieben. Sforza hat sich verbrannt, weil er ungeduldig war. Alex Frei droht in Luzern das gleiche Schicksal.

Für Frei als Sportchef spricht seine Cleverness, seine Intelligenz, sein Fussballsachverstand und sein internationales Netzwerk. Aber Frei hat weder Führungs- noch Managementerfahrung.

Und Frei ist ein klassischer Skorer. Ein Individualist. Als Sportchef muss er indes strategisch und teamorientiert denken. Er muss den Fokus auf das Ganzheitliche, und nicht auf den Moment vor dem gegnerischen Tor legen.

Unbefriedigend wäre es für alle Parteien, wenn der Wechsel nicht sofort vollzogen würde.

Ein Spieler, der nebenbei mit der Saisonplanung eines Konkurrenten beschäftig ist, bedeutet für Basel eine Hypothek. Luzern hingegen ist blockiert, wenn der Sportchef seine Arbeit nicht sofort aufnehmen kann.