Kleinhüningen
Die grösste selbst gebaute Skateboard-Anlage Europas ist gleich um die Ecke

400 Quadratmeter betonierte Brache in Kleinhüningen: Dort befindet sich das Paradies für Skateboarder. Selbst bis nach Amerika hat sich das schon herumgesprochen.

Olivier Joliat
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Hat sich bis nach Amerika herumgesprochen: Der selbst gebaute Skatepark Port Land am Klybeckquai. ZVG/Claude Cetiner

Hat sich bis nach Amerika herumgesprochen: Der selbst gebaute Skatepark Port Land am Klybeckquai. ZVG/Claude Cetiner

Hinter den Geleisen am Klybeckquai, wo einst schwerfällige 40-Tönner rangierten, rollen nun wendige Burschen auf Brettern über 400 Quadratmeter betonierte Brache. Was leicht aussieht, ist aber hart erarbeitet. Wobei weniger das Können auf dem Skateboard gemeint ist. «Sicher 2500 Stunden Fronarbeit stecken hier drin», erklärt Oli Bürgin. Er ist der Tätschmeister hinter Port Land. Keine ungewohnte Rolle für den Enddreissiger, hat er doch während 10 Jahren die Skateboard Europameisterschaften in Basel organisiert und war einer der treibenden Köpfe der legendären Blackcrossbowl, dem Vorgänger von Port Land auf dem NT Areal.

Die Dimension der neuen Skate-Anlage brachte aber selbst den routinierten Rollbrett-Recken ins Schwitzen. «Als feststand, dass wir die Blackcrossbowl nach sechs Jahren abreissen müssen, lief bereits das Ausschreibungsverfahren für die Zwischennutzung am Hafen.»

Bürokratie war keine Hürde

Schnell wurde die eingeschworene Skate Community aktiv. Von Anfang an war klar, dass man alles selber machen wird. Nicht nur, weil ein Projekt in der Grössenordnung von Port Land mindestens eine viertel Millionen Franken kosten würde. Bürgin: «Unsere Generation ist mit der Do-it-yourself-Philosophie aufgewachsen. Vor 20 Jahren gab es nirgendwo Rampen oder sonstige Skate tauglichen Anlagen.».

Man traute den Skatern auch ein Projekt dieser Grössenordnung zu, gehörte Port Land doch zu den ersten acht bewilligten Zwischennutzungsprojekten. Bürokratische Hürden haben bekanntlich dafür gesorgt, dass viele Projekte auf der Strecke blieben. Skater jedoch sind es gewohnt, Hindernisse kreativ zu umkurven. Kaum war die alte Bowl zerlegt, legten sie los. Schliesslich wollten sie diesen Sommer auch wieder rollen, oder auch einfach grillieren und ein Bier trinken. Denn die Blackcrossbowl auf dem NT Areal war längst nicht nur ein Treffpunkt für Brettakrobaten. Rund um das Rund kamen passionierte Passiv-Skater zusammen.

Wie breit die Unterstützung für die Skater ist, zeigte sich bei der Finanzierung von Port Land. 4000 Franken wollten die «Betonfreunde beider Basel» über die Crowdfunding-Plattform wemakeit.ch generieren. Spendewillige konnten sich mit Beiträgen von 5 bis 2000 Franken beteiligen. Die angestrebten 4000 Franken waren innert 24 Stunden erreicht, am Ende spendeten 112 Personen über 10 000 Franken.

Auch bei den Bauarbeiten griffen Leute, die noch nie auf einem Rollbrett standen zu Schaufel oder Betonspritze. Aber auf der Baustelle waren, bis auf ein, zwei erfahrene Arbeiter, eh alles Laien. Doch Port Land, brachte selbst die etablierte Bauindustrie in Verlegenheit. Bürgin: «Wir mussten extra einen Spezialschlauch anfertigen lassen, der die 15 Bar Druck vom Kompressor aushält und den Spritzbeton auch in die hinteren Ecken bringt.»

Fast 170 Tonnen Beton verbaut

Siebzig Kubikmeter, also fast 170 Tonnen Beton, wurden seit letztem Sommer zu Steilwandkurven, Becken, Speedbumps oder Wobbles geformt und auf Knien glatt gestrichen. «Allein durch die Grösse und Höhe der neuen Anlage sind ganz andere Lines und Tricks möglich», schwärmt Bürgin. Wird Basel dank diesem Trainingsgelände einen Nachfolger für ihn hervorbringen, der von 2002 bis 2004 Europameister wurde? Bürgin: «Hier wird es keine Wettkämpfe geben, an talentierten Skatern mangelt es aber nicht. Port Land steht ja nicht nur den Baslern offen. Im Netz hat sich die neue Bowl bis in die Staaten rumgesprochen und es kommen Leute aus ganz Europa.»

Auch wenn die Intimität der kleinen Blackcrossbowl nicht an den Hafen gezügelt werden konnte: Der offene Geist ist derselbe und auch alle Nicht-Skater sind willkommen. Mit den letzten Backsteinen wurde neben dem Leuchtturm-Markenzeichen jedenfalls ein Grill gebaut.