Conti-Nachfolge

Die grünliberale Philosophin will in Basel an die Macht

Die Kandidatin der Grünliberalen: Martina Bernasconi

Die Kandidatin der Grünliberalen: Martina Bernasconi

In Martina Bernasconis Basel haben die illegalen Besetzer vom Hafenareal Platz. Sie positioniert sich als progressive Alternative zum «konservativen» CVP-Kandidaten Lukas Engelberger. In ihrem Basel haben individuelle Lebensentwürfe Platz.

Der Übermut ist gewichen, die Zuversicht ist geblieben: «Ich glaube nicht, dass ich am 18. Mai gewählt werde», sagt Martina Bernasconi, «aber auch Lukas Engelberger nicht.» Die Grünliberale Bernasconi will also den CVPler Engelberger in den zweiten Wahlgang zwingen. Noch vor anderthalb Monaten, als sie ihre Kandidatur ankündigte, meinte Bernasconi: «Ich bin überzeugt, dass ich am 18. Mai Regierungsrätin werde.» Das will sie natürlich immer noch. Am Mittwoch stellte die 49-Jährige ihre Kampagne vor.

An Lukas Engelberger, laut Bernasconi der «Favorit», richtet sie gleich deutliche Worte: «Er ist Ende 30, sein Familienbild ist aber von Ende der 60er-Jahre.» Auf dem Bruderholz wohnend, drei Kinder, verheiratet. Für Bernasconi ist die CVP eine konservative Partei. Sie selbst sieht sich dagegen als ausgesprochen progressiv und weltoffen. In ihrem Basel haben individuelle Lebensentwürfe Platz, etwa der illegale Wagenplatz auf dem Hafenareal. Genossenschaftliches Wohnen soll gefördert und werden und in den Quartieren brauche es Gesundheitszentren, um die Spitäler zu entlasten.

Keine politischen Schwergewichte

Auffällig: In Bernasconis Unterstützungskomitee finden sich überdurchschnittlich viele Lehrer, Akademiker und Intellektuelle. So sass gestern etwa Autor Martin R. Dean neben der studierten Philosophin und lobte deren Kulturverständnis. Dafür fehlen die Schwergewichte aus der Politik. Basta-Grossrätin Brigitta Gerber ist die einzige aktive Grossrätin, die Bernasconi unterstützt und nicht GLP-Mitglied ist. Fehlt ihr die Unterstützung der etablierten Parteien?

«80 Prozent der Wähler ist parteiunabhängig», entgegnet die Regierungsratskandidatin. Und immerhin: Eine Nationalrätin sitzt im Komitee - wenn auch eine, die in der Region wenig bekannt ist. Die St. Galler GLP-Parlamentarierin Margrit Kessler reiste zweieinhalb Stunden im Zug, um Bernasconi den Rücken zu stärken: «Frauen müssen immer noch mehr leisten, um in solch wichtige Ämter gewählt zu werden.»

Damit liefert sie ein zentrales Verkaufsargument: Im Falle einer Wahl Bernasconis würde sich der Frauenanteil in der Basler Regierung auf einen Schlag verdoppeln. Sie selbst – die vor ihrer GLP-Zeit für die Frauenliste Basel politisierte – sagt: «Es kann nicht sein, dass Frauen betreuen, erziehen und pflegen und Männer führen und bestimmen.» Nun greift sie halt gleich selbst nach der Macht.

Bio-Äpfel für die Wachtablösung

«Weniger als 30 000, aber mehr als 20 000 Franken» betrage das Wahlkampfbudget, sagt Bernasconis Wahlkampfleiter Stefan Kaister. Geplant sei ein «Mammutprogramm». In den nächsten gut vier Wochen werde die GLP-Kandidatin gut 15 Mal mit Standaktionen in der Stadt anzutreffen sein – um sich selbst zu bewerben und Bio-Äpfel zu verteilen.

Bernasconi wäre die erste Grünliberale Politikerin in einer Kantonsregierung überhaupt in der Schweiz. Hat sie darauf überhaupt Anspruch als Vertreterin einer Fünf-Prozent-Partei? Ihr Team findet selbstverständlich: «Ja.» In Basel sei es Zeit für eine Wachablösung in der Mitte. Die CVP sei auf dem absteigenden, die GLP auf dem aufsteigenden Ast, wie die Berner Wahlen vor zweieinhalb Wochen gezeigt hätten.

Einfach wird es aber nicht, Nachfolgerin für den Gesundheitsdirektor Carlo Conti zu werden. Bernasconi kündete an, sich zurückziehen zu wollen, wenn sie am 18. Mai auf dem dritten oder mit grossem Rückstand auf dem zweiten Platz landen würde. Es war ein kurzer Moment des Zweifels in all der Zuversicht.

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