Nahezu 30 Jahre verlief die Karriere des Basler Polizisten L. (Name der Redaktion bekannt) reibungslos. Dann begann sich die Abwärtsspirale des Feldweibels 1 zu drehen. Zuerst berichteten die Medien davon, dass er an einem Betriebsausflug seine Kollegin geschändet habe.

Obwohl das Strafverfahren letztlich eingestellt wurde, wurde er intern zum Gefangenentransport versetzt. Hier ereignete sich ein nächster Zwischenfall, der L. schliesslich den Job kostete. Auch darüber berichteten die Medien, auch die bz. Nun zieht L., der seither krankgeschrieben ist, gegen seine Freistellung vor Gericht. Dies geht aus dem Urteil der Personalrekurskommission hervor, die der bz vorliegt.

«Die gseht huere wüescht us»

Dem Schreiben lässt sich entnehmen, was L. genau vorgeworfen wird. Am 9. April 2017 war dieser zu einer Spitalbewachung abkommandiert worden, wo er gemeinsam mit einem Kollegen eine Untersuchungsgefangene überwachen sollte, die an einem Norovirus litt. Dabei fotografierte L. die Kranke heimlich und sagte seinem Kollegen: «Lueg mal, die gseht scho huere wüescht us.»

Als L. von einem Pfleger gefragt wurde, ob er soeben die Untersuchungsgefangene verbotenerweise fotografiert habe, habe er verneint. Er habe auf dem Mobiltelefon nur gejasst und sitze immer so komisch da beim Spielen. Ausserdem kenne er als Polizist die Gesetze in- und auswendig. Neben dieser Lüge leistete sich der Polizist noch andere Entgleisungen.

So zeigte er seinem Kollegen auf seinem Mobiltelefon ein Foto seiner Ehefrau und bemerkte dazu, sie habe den «geilsten Arsch». Dazu zeigte er ein Aktfoto einer Kollegin und sagte, er habe schon mehrere Frauen so fotografiert. Dazu erzählte er, dass er mit seiner Ex-Freundin den besten Sex gehabt habe. Dem Kollegen soll L. nicht das erste Mal intime Fotos gezeigt und anzügliche Sachen gesagt haben.

Besonders verwerflicher Eingriff

Die Polizei macht im Wesentlichen zwei Gründe für die Freistellung geltend. Die Fotos seien ein «schwerwiegender und ethisch verwerflicher Eingriff» in die Persönlichkeits- und Grundrechte der Frau gewesen, die aufgrund ihres Status besonders schützenswert sei. Zudem habe er sich wiederholt gegenüber dem Kollegen «übergreifend» verhalten.

Anders sieht es der Polizist. Er findet, dass die Freistellung unverhältnismässig sei. Er rekurriert nun gegen den Entscheid der Personalrekurskommission, die sich hinter den Arbeitgeber gestellt hatte. Der Fall wird am 24. August vor dem Basler Appellationsgericht verhandelt.