Neujahrsempfang
Die Handelskammer beider Basel sucht «neue Nähe» im neuen Jahr

Die Welt ist von Misstrauen und Ängsten geprägt – Gift für Gesellschaft und Wirtschaft. Doch es gibt auch zuversichtlich stimmende Faktoren.

Stefan Schuppli
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Neujahrsempfang der Handelskammer: Blick in das Foyer der UBS. Unter den rund 750 Anwesenden war auch eine designierte Regierungsrätin zu entdecken: Elisabeth Ackermann, nach der Begrüssung durch den HKBB-Präsidenten Thomas Staehelin.

Neujahrsempfang der Handelskammer: Blick in das Foyer der UBS. Unter den rund 750 Anwesenden war auch eine designierte Regierungsrätin zu entdecken: Elisabeth Ackermann, nach der Begrüssung durch den HKBB-Präsidenten Thomas Staehelin.

Martin Toengi

Franz Saladin, freisinniger Chef der Handelskammer beider Basel (HKBB) räumte in seiner Ansprache am gestrigen Neujahrsempfang mehr oder weniger offen ein, dass ihn die Trump-Wahl in den USA schockiert hat. «Was nach dieser Wahl auf jeden Fall bleibt, ist die Diskussion über eine Politik, die weniger von Fakten als von Gefühlen geleitet wird», sagte er vor rund 750 geladenen Gästen in der Kundenhalle der UBS. Das Zeitalter der postfaktischen Politik sei nun angebrochen, obwohl die Tendenz, nur das zu sehen, was man will, alt sei und in der Sozialpsychologie umfassend beschrieben.

Ein verwandtes Phänomen umschreibe das Schweizer Wort des Jahres: die «Filterblase». Damit werde beschrieben, wie soziale Medien die selektive Informationssuche begünstigen und damit für jeden Einzelnen eine eigene Blase an Informationen im Internet schaffen. So entstehe bei den Nutzern ein durch Algorithmen verzerrtes Weltbild.

«Kompetente Botschafter»

Wir hätten uns entfremdet. Was wir im postfaktischen, von Misstrauen und Ängsten geprägten Zeitalter brauchen, ist eine «neue Nähe». Diese neue Nähe geht von kompetenten Botschaftern aus, denen Bürgerinnen und Bürger vertrauen, weil sie sie kennen. Und vor allem müssen diese Botschafter, seien das Personen oder Institutionen, glaubwürdig sein. Die HKBB als Verband investiere seit Jahren in diese «neue Nähe». «So machen wir uns dank den gut 150 ehrenamtlichen Mitgliedern in Vorstand und Fachkommissionen erstens kompetent. Zweitens suchen wir – auch an Veranstaltungen wie heute die Nähe zu Ihnen, zu Ihnen als Meinungsmacher der Region und als Botschafterinnen wirtschaftsfreundlicher Anliegen.» Und drittens betreibe die HKBB eine «unaufgeregte, sachbezogene Politik», um das Vertrauen zu gewinnen und glaubwürdig zu sein.

Die HKBB organisiere sich in Fachkommissionen, und der Verband wehre sich zum Beispiel gegen Bildungsabbau in der Volkshochschule, der Fachhochschule oder der Universität. «Nicht, weil wir etwas gegen das Sparen auch im Bildungsbereich hätten, aber weil wir überzeugt sind, dass gut ausgebildete Menschen der Schlüssel zum Wohlergehen aller sind.» Der Verband setze sich für einen Containerterminal Basel Nord, einen Rheintunnel für die Autobahn, durchgehende S-Bahnverbindungen im öffentlichen Verkehr und Rechtssicherheit am Euro-Airport ein. «Nicht, weil wir der grenzenlosen Mobilität frönen, sondern weil wir wissen, dass nur gute Verkehrsinfrastrukturen einen Wirtschafts- und Wohnraum prosperieren lassen», sagte Saladin.

Berühmte letzte Worte

Die HKBB werde weiterhin eine unaufgeregte, sachbezogene Politik betreiben, um dem postfaktischen Zeitalter und dessen Filterblasen etwas entgegenzuhalten, die ja scheinbar die überraschende Wahl eines ausgrenzenden und abgrenzenden Donald Trumps erst ermöglichte. «Wir werden Filterblasen platzen lassen und Postfaktisches durch Wahrheit ersetzen – nicht in den USA, aber wenigstens hier in unserer Region.» Für Thomas Staehelin war es am Dienstag der letzte Auftritt an einem Neujahrsempfang der Handelskammer als Präsident. Wenn man das Sorgenbarometer der CS zum Massstab nehme, könne man sogar mit etwas Zuversicht in die Zukunft blicken. «Das Vertrauen in die Akteure in der Schweiz hat zugenommen, die Wirtschaftssituation wird positiver beurteilt. Es macht den Anschein, dass in der Schweiz der Optimismus wieder wächst.» Staehelin hielt in der Folge ein flammendes Plädoyer für Investitionen in die Zukunft, im Bereich der Bildung, des Raumes, der Infrastruktur und der Erreichbarkeit. Die Wirtschaft dürfe nicht an den Rand gedrängt werden.

«Investieren wir nicht zuletzt auch in Grosszügigkeit statt Kleinlichkeit. Investieren wir in Verständnis und Wohlwollen statt Misstrauen und Hass. Lassen Sie uns Brücken bauen und offen sein für Neues», schloss Staehelin, nicht ohne allen ein Prosit zu wünschen.