Heiliggeist-Kirche

Die Heiliggeistkraft wird nun auch sichtbar

Der Sternenhimmel strahlt im Sonnenlicht. Archiv Heiliggeist

Der Sternenhimmel strahlt im Sonnenlicht. Archiv Heiliggeist

Nach der Renovation zum 100-jährigen Bestehen feiert die Pfarrei Heiliggeist ihre Wiedereröffnung mit drei neu geschaffenen Frauenfiguren und einer Uraufführung.

Sie ist das Wahrzeichen des Gundelis: die Heiliggeist-Kirche. Vor 100 Jahren erbaut und am 26. Oktober 1912 von Bischof Jakobus Stammler geweiht, stammt der Sakralbau aus einer Zeit, als die Frauen in der römisch-katholischen Kirche noch nichts zu sagen hatten. Stumme Zeugen dieser Zeit sind die vier Frauenfiguren, die seit damals in der Kirche stehen: Maria, Elisabeth von Thüringen (als Referenz an die reformierte Kirchgemeinde St. Elisabethen), Anna und Notburga.

«Atemberaubende» Veränderung

Just auf das 100-Jahr-Jubiläum wurde die Kirche nun von oben bis unten renoviert und entstaubt. Der Unterschied zum Zustand vor der Renovation ist für Carsten Gross, Pastoralraumleiter Heiliggeist, «atemberaubend» und ein «Aushängeschild» für Architektin Ruth Giger. Sichtbar werden die Veränderungen schon deshalb besser, weil eine neue LED-Beleuchtung die Kirche in ein gutes Licht stellt. Der Sternenhimmel glänzt wieder in voller Pracht, die Farben der Wandgemälde kommen vom Staub befreit wieder zur Geltung und der historisch nachempfundene Bodenbelag zeigt nun ein einheitliches Bild.

Neue Bewohnerinnen der Kirche

Weniger einheitlich kommen die Figuren daher, die den Innenraum der Kirche zieren. Drei neue werden in Kürze für Aufmerksamkeit sorgen. Zum Jubiläum kam nämlich der Wunsch auf, der weiblichen Seite der Kirche mehr Gewicht zu verleihen. Nach eingehenden Beratungen wurde die Künstlerin Dorothée Rothbusch beauftragt, drei Frauenfiguren zu schaffen. Werke der Künstlerin stehen bereits in der Elisabethenkirche, weshalb zur Anschaulichkeit solche Figuren in der Heiliggeistkirche für kurze Zeit zu Gast waren. Die gewählten Frauenfiguren waren «Ruah» (Hebräisch für die Heiliggeistkraft), Rut, eine alttestamentliche starke Frau und eine «Frau von heute».

Nicht nur eitel Freude

Die sehr modernen Figuren sorgten im Vorfeld für besorgte Reaktionen. Ruth Meyer, Leiterin der Projektstelle Entwicklung der Pfarrei, ist froh über die Kritik: «Das ist gut so, denn es braucht eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Vorstellungen und Meinungen, um zu einem tragfähigen Entscheid zu gelangen». Sie ist sich bewusst, dass es ein mutiger Entscheid war, denn die drei Frauenfiguren werden auffallen - so wie zur Gründungszeit Pfarrer Robert Mäder.

Immer wieder Schlagzeilen

Der erste Pfarrer der Pfarrei Heiliggeist war eine markante Persönlichkeit. Mit seinen Predigten oder mit Prozessionen im reformierten Basel, an denen bis zu 2000 Gläubige durch die Strassen des Quartiers pilgerten, sorgte er da und dort für Schlagzeilen. Einen unverfälschten, wahren Katholizismus zu predigen, war eines seiner Anliegen. Nun kommt mit den drei Frauenfiguren etwas Wahrheit hinzu, tragen doch die Frauen die Hälfte des Himmels, wie es ein chinesisches Sprichwort besagt. Neues wurde für die Wiedereröffnung auch im musikalischen Bereich geschaffen. Der Komponist Paul Suits hat eigens für diesen Anlass ein Werk mit dem Titel «sieben Wege zu Gott» komponiert. Welches der Weg der Pfarrei Heiliggeist in den nächsten 100 Jahren sein soll, ist Suits' Werk und den Worten von Carsten Gross zu entnehmen: «Die Seligpreisungen des Jesus von Nazareth.»

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