Jubiläumsband
Die Herren der Basler Unterwelt - das Tiefbauamt

Seit 150 Jahren kümmert sich das Tiefbauamt Basel-Stadt um Untergrund und Oberfläche von Basel. Nun ist ein Buch erschienen, das diese Arbeit würdigt.

Nicolas Drechsler
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Auch Teermaschinen sehen heute etwas anders aus.

Auch Teermaschinen sehen heute etwas anders aus.

ZVG/niz

Wer über Stadtarchitektur nachdenkt, der meint meist den Hochbau. Die grossen Würfe in der Planung und Ausführung sind Gebäude, Häuser, Türme ganze Quartiere. Jene Dinge, um die sich Stadtplaner und der Kantonsarchitekt kümmern. Die Strassen, die diese Bauten miteinander verbinden und noch mehr das, was unter den Strassen im Verborgenen liegt, erscheint dagegen bei weitem nicht so spannend. Und auch die Menschen, die sich dem Bau und dem Funktionieren dieser Infrastruktur verschrieben haben, gelten nicht gerade als Actionhelden im Staatsdienst.

Grund genug für den Basler Historiker Georg Kreis, dem Tiefbauamt Basel-Stadt zu dessen 150-Jahr-Feier ein Buch zu widmen. Eines, in dem rasch klar wird, wie stark der Kantonsingenieur und seine Mitarbeiter das Aussehen der Stadt prägten und prägen. Und vor allem eben ihr Funktionieren sicherstellen. Und es ist ein Buch, bei dessen Lektüre auch der, in Stadtgeschichte bewanderte Leser feststellen wird, dass er einiges nicht wusste, was Kreis da aus dem Basler Untergrund zutage fördert. Obwohl, oft ist es eben gerade dieser Untergrund, der der Stadt an gewissen Stellen ein ganz neues Gesicht verlieh. Die Anfangsjahre des Tiefbauamtes in den 1860er Jahren, bis hin zur Jahrhundertwende waren geprägt durch den Abriss der Stadtbefestigungen und die Auffüllung der alten Stadtgräben. Diese wurden zu den neuen Ringstrassen. Und aus dem Schutt der Mauern und Werke wurden neue Strassen, wie etwa der St. Johann-Rheinweg oder der St. Alban-Rheinweg.

Die Herkunft ging vergessen

Wer über die Binningerstrasse Richtung Baselland fährt, weiss nach der Lektüre des Bandes, dass er auf den Überbleibseln des Steinentors unterwegs ist. Und wer durch den Weiherweg spaziert, ist sich ohne das Buch wohl auch nicht bewusst, dass der zu einem guten Teil aus den Resten des Fröschenbollwerks besteht, das einst am Brausebad, den Weg zur Stadt beschützte.

Dass unter der Stadt der Birsig fliesst, das ist dagegen eher allgemein bekannt. Doch was für einen Aufwand seine Eindolung mit sich brachte, ist man sich wohl auch heute zu wenig bewusst, wenn man über den Deckel spaziert oder fährt, der Mitte des 20. Jahrhunderts in vier Etappen erstellt wurde. Und wer wusste eigentlich noch, dass erst seit 1980 das Basler Abwasser komplett gereinigt wird, bevor es in den Rhein fliesst? Wasserbau, auch eine Aufgabe des Tiefbauamtes, genauso wie die Abwasserentsorgung.

Dauerbrenner Strassenbelag

Vor allem aber wird bei der Lektüre klar, die Probleme des Tiefbauamtes haben sich zwar mit der Technologie entwickelt, aber im Kern sind sie dieselben geblieben. Angesichts der aktuellen Debatte um Strassenbelag, Alpnacher Quarzsandstein und Rheinwacken bringt es einen doch zum Schmunzeln, wenn man liest, dass die Debatte vor hundert Jahren schon geführt wurde. Mit ähnlichen Argumenten. Auch wenn man sich damals mehr Sorgen machte, wie stark schwere Pferdefuhrwerke dem Strassenbelag zusetzen, als darum, wie viel Abrieb von Lastwagen liegenbleibt. Sollen es nun Rheinwacken sein, Asphalt oder ein Holzbelag?

Und statt um Mobilfunkmasten sorgte man sich Ende des vorletzten Jahrhunderts darum, dass der Telefonmast auf dem Käppelijoch nun wirklich nicht zur Verschönerung des Stadtbilds beitrug. Wie gesagt, keine glamourösen Aufgaben, die das Tiefbauamt seit 1865 wahrnimmt. Aber Wichtige. Das Amt hat auch immer wieder grundlegenden Einfluss auf das Gesicht der Stadt genommen, da es viel stärker als heute auch für die «Correctionen», also die neue Festlegung von Strassenzügen verantwortlich war. Kreis zeigt Pläne für die Neugestaltung des Bereichs um den Fischmarkt oder die Planstudien für das Bruderholz, die deutlich machen, welch tiefgreifende Eingriffe in die alte Stadt hier angedacht wurden.

Gleiches gilt für den Brückenbau, den eigentlichen «Hochbau» innerhalb des Tiefbauamtes. Der Neubau der Mittleren Brücke 1903 und sämtliche seither erfolgten Brückenbauten und Erneuerungen verantwortet das Tiefbauamt. Und mit ihnen hat es auf die klassische Postkartenansicht Basel einen nicht unerheblichen Einfluss genommen.

Kreis’ Buch ist einerseits ein spannender Rundgang durch die Geschichte eines Amtes, das nicht gerade nach Spannung klingt. Auf der anderen Seite verhilft es den Lesern aber auch zu einem neuen Betrachtungswinkel auf die neuere Stadtgeschichte. Jenseits von grossen Taten noch grösserer Männer wirft er den Blick in den Untergrund, zeigt wo der Abfall, das Abwasser und der Schutt Basels hinkamen und hinkommen. Wie Regierungsrat Hans-Peter Wessels es in seinem Vorwort schreibt: Eine Stadt wird von den grundlegenden Bedürfnissen ihrer Bewohner geprägt.

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