Der Knall bei den Industriellen Werken Basel ist so gross wie unerwartet. Seit einem Monat sind die IWB ohne Verwaltungsratspräsidenten. Wenige Tage vor den Herbstferien hat Michael Shipton den zuständigen Regierungsrat Christoph Brutschin angerufen und nach zwei Jahren seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Kurz darauf trennte sich das Unternehmen von CEO David Thiel.

Bis gestern Mittwoch wussten allerdings selbst Kadermitarbeiter der IWB nichts von den beiden Personalien. Der Knatsch an der IWB-Spitze war für einmal auch unter dem Radar von Politik, Medien und Öffentlichkeit abgelaufen. Entsprechend gross war die Überraschung.

Gleichzeitig mit dem Bekanntwerden der zwei schwergewichtigen Abgänge präsentierte Brutschin auch gleich eine Lösung. Der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel, wie Brutschin Mitglied der SP, übernimmt ab November für zwei Jahre den Posten des Verwaltungsratspräsidenten. Weibel war unter anderem Delegierter des Bundesrates für die Europameisterschaft 2008 und ist auch Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Rheinhäfen.

Unterschiedliche Auffassungen

Über die Hintergründe der Trennungen schweigen sich die Verantwortlichen aus. «Aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen im Verwaltungsrat zu Führungsfragen» sei der Präsident zurückgetreten, teilte die Regierung mit. Etwas tiefer blicken lässt das Communiqué der IWB.

Das Unternehmen steht zurzeit vor grossen energiewirtschaftlichen Herausforderungen, konkret Dezentralisierung, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Statt Infrastrukturunternehmen zu sein, solle die IWB sich zum Energiedienstleister, auch ausserhalb des Kantons, entwickeln. «Seit einigen Monaten hat sich das interne Ringen um den Weg, den das Unternehmen einschlagen soll, spürbar verhärtet», sagte Mirjana Blume, Vizepräsidentin des Verwaltungsrats. Strittige Punkte waren offenbar die Weiterentwicklung des Wärmegeschäfts sowie unterschiedliche Auffassungen in der Führung des Unternehmens.

Nach der Sommerpause sei unter den Beteiligten die Einsicht gewachsen, dass es im Interesse der Industriellen Werke sei, wenn eine klare und baldige Zäsur erfolgt. So seien der Verwaltungsrat und der CEO übereingekommen, sich im gegenseitigen Einvernehmen zu trennen. Auch Shipton nahm den Hut.

Der Verwaltungsratspräsident stand im Gremium in praktisch allen Fragen zunehmend isoliert da. Das zeigen Recherchen der bz. Seit Anfang 2017 spitzte sich der Konflikt weiter zu. Dem Vernehmen nach waren die Auseinandersetzungen im Verwaltungsrat sehr heftig und wurden hart geführt. Letztlich hätten sie ein Niveau erreicht, dass sich Shipton ausserstande sah, das Gremium weiterhin zu leiten. Namentlich der grünliberale Grossrat Aeneas Wanner hat sich offenbar zum Gegenpol und grossen Kritiker von Verwaltungsratspräsidenten Shipton entwickelt.

Doch auch Wanner muss nun über die Klippe springen. Denn diesen Herbst stand sowieso die Neuwahl des Verwaltungsrats an. Bisher wurden drei der sieben Verwaltungsratsmitglieder vom Grossen Rat bestimmt. Neu ist für die Wahl ausschliesslich die Regierung zuständig. Und dabei kippte Brutschin gleich zwei der vom Parlament gewählten Verwaltungsräte: Den Juristen Bernhard Madörin (SVP), derzeit vor allem wegen Rechtsstreitigkeiten in den Negativschlagzeilen, und eben Aeneas Wanner (GLP).

An ihrer Stelle hat die Regierung Regula Dietrich und Stephan Renz neu in das Gremium gewählt. Dietrich hat vielfältige Erfahrungen in der Konsumgüterbranche und arbeitet derzeit bei Feldschlösschen. Der ETH-Ingenieur Renz hat in Basel eine Beratungsfirma im Bereich Energiewirtschaft. Die bisherigen Mitglieder Mirjana Blume, Monika Näf, Beat Jans und Rudolf Rechsteiner wurden für eine weitere Amtszeit bestätigt. Rechsteiner muss deshalb zum 1. Januar 2018 aus dem Grossen Rat zurücktreten.

Bürgerliche haben Vorbehalte

Für Irritationen sorgt bei den bürgerlichen Parteien unisono die Besetzung des Verwaltungsrats mit drei SP-Mitgliedern. «Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass die IWB auf eine andere Schiene gesetzt werden sollen – noch nachhaltiger, noch linker, mit noch mehr grüner Energie», sagte LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein. Ähnlich äussert sich Katja Christ, Präsidentin der Basler GLP: «Es gibt eine Verschiebung in Richtung SP und das finde ich echt bedenklich».

So gut wie alle zeigen sich überrascht von der Entwicklung um die IWB und fordern weitere Erklärungen. Die SVP geht so weit und verlangt eine Untersuchung durch die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats. SP-Präsident Pascal Pfister verweist dagegen darauf, dass mit Beat Jans und Rudolf Rechsteiner ausgewiesene Fachleute für Energie im Verwaltungsrat bleiben. Es könne doch nicht sein, dass das Parteibuch verhindert, dass fachliche Kompetenz dort vertreten sei. Ähnlich argumentierte Grünen-Präsident Harald Friedl.