Heiss war es gestern Vormittag nur meteorologisch, als die bürgerlichen Parteien Basels ihre Kandidatin für die Regierungsrats-Ersatzwahlen im Oktober präsentierten. Emotionen oder gar Wärme suchte man vergeblich hinter den wohlfeilen Worten der Referenten. Allzu nüchtern, um nicht zu sagen ernüchtert, wirkten die Parteipräsidenten von SVP, LDP, FDP und CVP.

Das hat einerseits damit zu tun, dass die Rechtsaussenpartei SVP im Stadtkanton in bürgerlichen Kreisen lediglich zu einer «On/Off»-Beziehung taugt. Dass ihr Präsident Eduard Rutschmann die FDP-Kandidatin Nadine Gautschi mit dem falschen Vornamen betitelte, spricht Bände. Eine dauer- und herzhafte Liaison liegt offensichtlich nicht drin, das zeigt auch der Alleingang der SVP bei den Ständeratswahlen wieder einmal deutlich.

Anderseits lässt die Ausgangslage bei der Suche nach einer Nachfolgerin für Finanzdirektorin Eva Herzog (SP) unter den Bürgerlichen keine wirkliche Euphorie aufkommen. Allzu klar scheinen die Perspektiven im Hinblick auf den 20. Oktober: Begeht Tanja Soland, die von «ihren» Sozialdemokraten heute Abend aller Voraussicht nach per Akklamation zur Kandidatin gekürt werden wird, keinen gravierenden Fehler, ist ihr die Wahl in die Regierung praktisch nicht zu nehmen.

Soland steht eher für ein solides «Weiter so» denn für einen Aufbruch. Seit Jahren wird sie als Kandidatin gehandelt, quasi im letzten Moment kommt nun ihre Chance. Im Parlament politisiert sie zwar prononciert links. Einmal eingebunden in die Regierung, wird aber auch Soland sich dem Kollegialitätsprinzip unterordnen und so bis zu einem gewissen Grad Ecken und Kanten verlieren.

Die historische Wahl der ersten bürgerlichen Regierungsrätin Basels verschiebt sich also noch um mindestens vier Jahre. Dies ist umso wahrscheinlicher, als Katja Christ für die Grünliberalen ins Rennen steigt. Ihr Bekanntheitsgrad und ihr politisches Profil könnten ihr sogar helfen, noch vor Gautschi auf Platz zwei zu landen. Auf jeden Fall wird sie zahlreiche bürgerliche Stimmen abzwacken und damit das Anti-Soland-Lager spalten.

Ihre Einzelkandidatur ist politisch gesehen kohärent: Einerseits spielen die Grünliberalen als Zünglein an der Waage zwischen rechts und links im Grossen Rat eine sehr eigenständige und prominente Rolle. Andererseits gehen «grün» und «liberal» inhaltlich ganz und gar nicht mit der SVP zusammen.

Die Kandidatin der Bürgerlichen jedenfalls legte an der gestrigen Medienkonferenz einen überzeugenden ersten Auftritt hin: Nadine Gautschi (47) wirkt klar, rhetorisch sattelfest und selbstsicher, verbunden mit einer Prise Unnahbarkeit, die vielleicht aber auch der Nervosität geschuldet gewesen sein könnte. Die Mitarbeiterin des Justiz- und Sicherheitsdepartements und ehemalige Verwaltungsrätin der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) verspricht als Wahlslogan «bessere Antworten» für Basel und hat entsprechende bevorzugte Politikfelder definiert: Wohnen, Steuern, Wirtschaft.

Gautschi kritisiert beispielsweise das «ungebremste Ausgabenwachstum» des Kantons und ist der Meinung, dass Basel-Stadt in letzter Zeit die Bedingungen für Investoren verschlechtert statt verbessert habe. Kurzum: Wirklich «Bessere Antworten» gab es irgendwie noch keine.

Gautschi muss sich in ihrem Programm erst noch erfolgreich der Versuchung erwehren, pauschale, alternativfreie Kritik an der aktuellen Basler Politik anzubringen und liberal angehauchte Allgemeinplätze zu streuen. Aber dafür ist ja noch etwas Zeit.

Ihr Kampf wird so oder so sehr schwer. Grundsätzlich bietet die rot-grün dominierte Regierung seit Jahren geringe Angriffsfläche für bürgerliche Bewerber. Ist das Investorenklima wirklich so schlecht? Ist das Ausgabenwachstum wirklich ungebremst? Eine mutige Frage wäre zum Beispiel jene nach dem stetigen Wachstum der Verwaltung. Aber ist eine Kandidatin, die Teil dieses Apparats ist, auch wirklich willens und in der Lage, diese Frage mit der nötigen Vehemenz zu stellen?

Ein heisser Wahlkampf ist also aus vielerlei Hinsicht nicht zu erwarten. Immerhin scheinen die voraussichtlichen drei Bewerberinnen für die Nachfolge von Eva Herzog – Tanja Soland, Nadine Gautschi und Katja Christ – jede für sich als valable Kandidatinnen. Wenn sie schon bezüglich des wahrscheinlichen Ausgangs nicht heiss werden dürfte, so könnte uns diese Ausmarchung doch immerhin kompetente und stark an der Sache orientierte politische Diskussionen bescheren. Das wäre schon viel.