Wut auf Polizei
Die Hobbygärtner in Riehen haben Angst

Die Brandanschläge auf Riehener Gartenhäuser verunsichern die Hobbygärtner. Sie sind wütend auf die erfolglose Polizei, die «unfähig» sei, den Feuerteufel zu finden

Joël Hoffmann
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Hermann Buchs, der seinen Garten bei der Habermatten hat, ist froh, dass die nahen Wohnhäuser einen gewissen Schutz bieten. niz

Hermann Buchs, der seinen Garten bei der Habermatten hat, ist froh, dass die nahen Wohnhäuser einen gewissen Schutz bieten. niz

«Wenn ich am Abend nach Hause gehe, weiss ich nie, ob mein Häuschen am anderen Tag noch steht», sagt Elli Hänggi. Die Rentnerin aus Riehen hat ihr Gartenhäuschen am Lettackerweg. Dort wurde Ende März ein Gartenhäuschen angezündet und dabei komplett zerstört.

Aus Angst, ihr Häuschen könnte das nächste sein, will Hänggi nicht fotografiert werden. Ihr Grundstück ist aber «gut zu», wie sie sagt. Eine mannshohe Hecke und ein ebenso hoher Zaun bieten zwar keinen absoluten Schutz, aber «der Brandstifter kann nicht einfach darüberspringen». Nur an einer Stelle ist der Zaun sehr niedrig. «Mein Sohn wird auch hier noch einen höheren Zaun bauen.»

Viel Herzblut und Geld

Hänggi hat den Garten schon seit 50 Jahren. In dieser Zeit wurden offensichtlich auch viel Herzblut und Geld investiert: Das Häuschen ist eigentlich ein Gebäudekomplex mit grosszugigen Wohnräumen, einem extra Geräteschuppen mit überdachten, Freiluft-Wohnzimmer, um auch an trüben Sommertagen gemütlich draussen zu sitzen. Ihr Mann hatte vor seinem Tod immer wieder daran gebaut und renoviert.

Der Garten ist für Hänggi auch eine wertvolle Erinnerung an ihren Mann: «Ich hoffe, dass mir das noch bleibt, bis ich nicht mehr da bin.» Die Unsicherheit ist gross, und sie beklagt, dass die Polizei zu wenig Kontrollen durchführe. «Früher sind die Zöllner noch zu Fuss an der Grenze patrouilliert, und haben hier zum Rechten geschaut.» Heute würden sie und die Polizei nur mal kurz mit dem Auto vorbeifahren, das schrecke niemanden ab.

Mit der Angst im Hinterkopf

Kritik an der Polizei kommt auch von weiteren Hobbygärtnern am Lettackerweg. Die Polizei sei unfähig, und in Zürich habe man einen Feuerteufel schneller gefunden, empören sich die zwei Herren und die Dame im mittleren Alter. Auch sie wollen aus Angst weder Fotos noch ihren Namen angeben. Der Spass am Gärtnern und an der Gemeinschaft sei noch immer vorhanden, doch die Angst bleibe im Hinterkopf. Die Wut sitzt offensichtlich tief im Bauch: «Der lacht uns doch aus», schimpft einer der Männer.

Die Frau macht sich vor allem Sorgen um die vielen Tiere auf dem Gartenareal: Kaninchen, Hühner und sogar Pferde seien auf dem dicht bebauten Areal untergebracht. «Wir sind generell wachsamer», sagen alle drei. Es werde bereits diskutiert, ob man Wachen aufstellen solle. Ebenfalls machen erste Verschwörungstheorien die Runde: Man wolle die Hobbygärtner vergraulen, um hier Wohnungen zu bauen.

Der Verdacht gegen zwei junge Männer, die am Sonntag ein Bienenhaus angezündet haben, hat sich mittlerweile nicht erhärtet.

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