«Die Menschen fahren immer weniger und schlechter Velo», erklärt Fredy Zaugg. Der 63-Jährige ist Initiant und eine der wichtigsten Triebfedern der Interessengemeinschaft (IG) Velodrom beider Basel. Und er kennt eine Möglichkeit, dieser Entwicklung entgegen zu wirken: «Ein Kompetenzzentrum für Fahr- und Kunstrad würde Abhilfe schaffen.» Der Velodrom, den die Interessengruppe seit 2003 anstrebt, dürfte aber nicht wie bisher angestrebt in Aesch zustande kommen.

Zaugg hat die Hoffnung diesbezüglich zwar nicht vollends aufgegeben. Er erwähnt, dass die Gemeinde Aesch das entsprechende Land auf dem Löhrenacker bisher nicht anders genutzt hat. Zudem sei die kürzlich wiedergewählte Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger der IG und ihrem Anliegen wohlgesinnt. Allerdings ist das Projekt in Aesch mit dem Sportanlagenkonzept des Kantons Baselland (Kasak), verknüpft – einem Geldtopf, um bauliche Sportprojekte von Gemeinden und Privaten zu unterstützen. «Für Kasak II waren wir leider fünf Jahre zu spät dran», sagt Zaugg. Ob es ein Kasak III geben wird, entscheidet der Landrat 2013. Selbst in einem positiven Fall und wenn die IG Velodrom davon profitieren würde, würde die Radrennhalle frühestens 2015 stehen.

Bahn in Dreifachturnhalle

Deshalb liegt der derzeitige Fokus der IG in Basel-Stadt, wo der Kanton am Standort Sandgrube nebst einem Schulhaus eine neue Dreifachturnhalle baut. Fredy Zaugg betrachtet dies nicht als Umschwenken, sondern hält fest, «dass wir vom Neubau in der Sandgrube erst im letzten Jahr erfahren haben». Der Vorteil des Sandgrube-Modells liegt auf der Hand. «Der Kanton baut ohnehin eine Halle, also ist Geld vorhanden», hält Zaugg fest und will sich in den nächsten Wochen zu einem losen Gespräch mit der Behörde Basel-Stadt treffen.

Obwohl die Planungen abgeschlossen sind, soll die Möglichkeit erörtert werden, ob die Mehrzweckhalle mit einer Radrennbahn gebaut werden könnte. Einen Teil der anfallenden Mehrkosten würde die IG Velodrom tragen. «Ich würde für rund eine Million Franken gerade stehen», hält Fredy Zaugg fest. Dazu kämen weitere Gelder in nicht definierter Höhe aus dem Umfeld der IG. Denn Zaugg ist nicht erst seit einer 2011 durchgeführten repräsentativen Bedarfsanalyse der Fachhochschule Nordwestschweiz sicher, dass die Region eine Radrennhalle braucht.

Wichtige Mitglieder verstorben

Allerdings war es für die IG Velodrom auch schon einfacher, ihr Anliegen zu verfolgen. Denn mit Giuseppe Brenta und Robert A. Jeker verstarben in den vergangenen Wochen gleich zwei wichtige Mitglieder, die nicht nur menschlich eine grosse Lücke hinterlassen. «Peppino Brenta hat die Website betrieben, Businesspläne erstellt und vieles aufgegleist, während Robert Jeker über ein unglaubliches Netzwerk verfügte. Wir segeln derzeit gegen den Wind», sagt Zaugg.

Auch die ideelle Unterstützung im Internet ist derzeit ein wenig geschwächt: Der IG gingen aufgrund eines Gruppenwechsels bei Facebook vor kurzem über 700 Follower verloren. Die neue Facebook-Gruppe hat seither knapp 200 Anhänger gesammelt. Weitere Befürworter wollen Zaugg und seine Mitstreiter vor allem am letzten Augustwochenende am Bikefestival Basel sammeln, wo sie einen Stand betreiben und kostenlos Velos für den Minidrome vermieten. So kriegen Neugierige schon mal einen Vorgeschmack auf eine echte Velohalle.

Allerdings findet der Anlass nach dem Gespräch mit der Basler Behörde statt. «Sollte diese eine Radrennbahn von vornherein ausschliessen, kann es sein, dass wir am Bikefestival «Adieu» sagen», nennt Fredy Zaugg das Wort-Case-Szenario.