Jubiläum
Die «Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel» feiern ihr 40-Jahr-Jubiläum

Seit vier Jahrzehnten kämpft die Organisation um Akzeptanz für Homosexuelle in der Bevölkerung. Trotz gesellschaftlicher Veränderungen sehen die «Arbeitsgruppen» noch viele Aufgaben vor sich. Heute Abend stellen sie ein Jubiläums-Magazin vor.

Muriel Mercier
Merken
Drucken
Teilen
Axel Schubert präsentiert die Vereinsgeschichte der Habs.

Axel Schubert präsentiert die Vereinsgeschichte der Habs.

Kenneth Nars

‹Gay-Partys, Lesben- und Schwulentreffs sowie eingetragene Partnerschaften. Veranstaltungen und Lebenssituationen, die heute bei der Bevölkerung zum Alltag gehören. Und toleriert werden – Ausnahmen vorbehalten. Wenn Mann und Frau vor 40 Jahren allerdings bekannt machten, homosexuell zu sein, hatte dies einschneidige Konsequenzen für sie: Kündigungen von Arbeitsverhältnissen, sie wurden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Arbeit in der Freizeit

Die Habs stellten in den vergangenen 40 Jahren eine Unmenge an Angeboten für Homosexuelle auf die Beine. Das Szenelokal «Katakombe» (70er) gehört dazu. 1980 reichten sie eine Petition zur Abschaffung der Homoregister ein, zehn Jahre später organisierten sie Habs-Feste und Kulturevents. 2008 riefen die Habs zudem als kulturelle Veranstaltung den «Luftstreifen – queer cinema Basel» ins Leben.

Die Habs haben rund 120 Vereinsmitglieder. Der Vorstand arbeitet in seiner freien Zeit, es brauche Lust am Engagement, sagt Axel Schubert. Aus diesem Grund wechseln die Leute an der Front alle paar Jahre. «Die Schwulenbewegung lebt von Inputs, die eine Zeit etwas bewegen. Danach löst sich die Gruppe auf und man macht sich auf die Suche nach neuen Inputs.» (mum)

Anfang der 70er-Jahre hatten die Schwulen und Lesben aus Basel genug – und gründeten die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (Habs). Sie wollten an die Öffentlichkeit treten, politisch aktiv werden, Gleichberechtigung erlangen. Dieses Jahr feiert der Verein den 40.Geburtstag – und hat einiges erreicht, erklärt Vereinsmitglied Axel Schubert, der von 2007 bis 2012 zum Vorstand gehörte.

Spasstelefone erduldet

Gegründet wurden die Habs 1972 nach der Publikation von Rosa von Praunheims Film «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt». Neben dem Basler Verein wurden im deutschsprachigen Raum rund 50 Gruppierungen aus dem Boden gestampft. Als ein erster Schritt wurde 1974 das telefonische Beratungsgespräch ins Leben gerufen. «Das Bedürfnis war da und auch heute wird die Telefonnummer noch gewählt», sagt Schubert. «Natürlich gab es eine Welle nicht ernst gemeinter Anrufe von Leuten, die sich einen Spass daraus machten.» Diese gebe es heute noch.

Schubert hebt drei Meilensteine hervor, die die Habs erreicht haben. Erstens: In den 70er-Jahren wurde Homosexualität durch den Verein entstigmatisiert. Die Vereinsmitglieder stellten der Regierung rechtliche Forderungen und verlangten Aufklärung in der Bevölkerung. 1980 bewarben sich die Habs darum, den zweiten «Eidgenössischen Schwulen- und Lesbentag» in Basel zu organisieren. «Gay 80» nannte sich die Demo. Ziel: Abschaffung der Homo-Register, Streichung der Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten, Sexualkundeunterricht an den Schulen ohne Vorurteile. Zudem sei neben der politischen Erfahrung für viele Teilnehmende wichtig gewesen, zusammen auf die Strasse gehen zu können, erinnert sich Schubert.

Mitte der 80er-Jahre kam dann das Thema Aids auf, dessen Herkunft man den Schwulen in die Schuhe schob. «Um diese Meinungsbildung zu verhindern, haben sich die Habs des Themas sogleich angenommen.» Daraus entstand die Aidshilfe Basel.

Heute: Coming-out ist noch Thema

In der Folge wurden Treffpunkte für Homosexuelle gegründet: die ZischBar, die – auch heute noch – jeden Dienstagabend in der K-Bar auf dem Kasernenareal stattfindet. Ende der 90er organisierte sich das Schwulen- und Lesben-Zentrum in Basel .

Spricht man Schubert auf die Notwendigkeit der Habs in der heutigen Zeit an, zählt er mehrere Punkte auf. «Das Coming-out ist immer noch ein Thema.» Zwar sei der Schritte heute einfacher, für die persönliche Biografie aber immer noch ein Problem. «Um ein stabiles Leben führen zu können, muss das Coming-out gelingen. Kränkungen müssen verhindert werden.» Zudem: «Die Lesben und Schwulen sollen Händchen haltend durch Basler Quartiere spazieren dürfen – was noch nicht überall gerne gesehen wird.» Zudem werde auch die Aufklärung über Homosexualität an Schulen immer wieder diskutiert sowie das Thema Adoption. «Nicht mal Stiefkinder dürfen adoptiert werden.» Das müsse sich ändern.

Erreichtes kann verloren gehen

Zum 40-Jahr-Jubiläum der Habs hat Axel Schubert initiiert, «Geschichte, Ereignisse und Neues aus 40 Jahren» in einem Magazin zusammenzufassen. Die Idee ist, die Leute auf das Thema zu sensibilisieren, zu zeigen, dass der jetzige Umgang mit Homosexualität mit Arbeit verbunden war und diese soziale Errungenschaft wieder wegfallen könnte.»

Das Magazin zum 40sten der Habs wird heute Abend öffentlich vorgestellt.

Release-Party Kaserne Basel, ZischBar-Spezial, Rossstall, 20 Uhr.