Die Bierbrauer aus der Region bekommen Konkurrenz. Das Bier «Volta Bräu» wird im Gegensatz zu vielen kleinen regionalen Biersorten aber nicht nur im halbprivaten Rahmen oder an einzelnen Anlässen ausgeschenkt, sondern täglich und an einem Ort, der eigens für das neue Bier geschaffen wird: in der Bar «Volta Bräu» im «Nordstern»-Gebäude beim Voltaplatz. Ausserdem werden die Gäste einen Grossteil der Entstehung des Biers mitverfolgen können, da sich ein Teil der Brauerei in der Bar befinden wird – oder umgekehrt.

Noch gibt es allerdings weder das Bier noch die Bar. Noch steht der Raum im Parterre des ehemaligen IWB-Unterwerks leer. Aber nicht mehr lange: Der Vertrag mit den IWB ist unter Dach und Fach, die Baubewilligung liegt vor, bald wird es staubig und der Umbau beginnt. Die Eröffnung ist für Ende Oktober geplant.

Volta Bräu allenfalls auch im Krafft

Es begann mit einem Kochtopf am heimischen Herd. Andi Steiner braute mit Freunden eigenes Bier. Zunächst für den Eigenbedarf zu Hause, dann für ein breiteres Publikum im Keller des kreativwirtschaftlichen Gründerzentrums «Stellwerk» am Bahnhof St. Johann. Passend zum Ort erhielt das Bier den Namen «Gleis 1».

Inzwischen sind zwei Jahre vergangen – und Andi Steiner kennt die Geheimnisse des Brauens. Die Zeit ist gekommen, Beruf und Hobby zu vereinen. Als gelernter Koch ist Steiner prädestiniert dafür. Und als Mitglied der Unternehmensleitung der Krafft-Gruppe rannte er bei seinen Kollegen mit seiner Bier-Idee offene Türen ein: Was der Krafft-Gruppe mit ihren bald drei Hotels und der «Consum»-Bar noch fehlt, ist eine eigene Brauerei. «Ein eigenes Bier – das ist unsere Chance», sagt Franz-Xaver Leonhard, Direktor des Hotels Krafft.

Ziel sei es, das «Volta Bräu» eines Tages auch im Hotel und im «Consum» gegenüber ausschenken zu können, sagt er. Das hiesse: Im Offenausschank gäbe es nur noch das «Volta Bräu», die «Ueli Bier»-Gläser würden verschwinden.

Diese Änderung täte Anita Treml von der Brauerei Fischerstube, wo das «Ueli Bier» gebraut wird, ein bisschen weh, sagt sie: «Ich würde es bedauern, das Hotel Krafft als Kunden zu verlieren.» Es handle sich um eine «gute Adresse» und es sei schön, benachbarte Betriebe beliefern zu können: Im Gegensatz zu anderen «Ueli-Bier»-Abnehmern wie etwa den Hotels «Trois Rois» oder «Teufelhof» befindet sich das «Krafft» als einziger Betrieb dieser Grösse wie die «Fischerstube» selber an der Rheingasse.

Grundsätzlich begrüsst Treml, dass immer mehr lokale Mikro-Brauereien entstehen. Ihre Brauerei gehört nach 40 Jahren nicht mehr zu den kleinen. Ausgebildete Fachkräfte sind angestellt und Lehrlinge werden ausgebildet. Die Nachfrage nach «Ueli Bier» ist mittlerweile so gross, dass ein Teil in Südbaden gebraut wird.

Anders sieht es beim «Volta Bräu» aus, das nur für die eigenen Betriebe und in der eigenen Brauerei gebraut werden soll. Braumeister Steiner wird dieser Funktion entsprechend die Herstellung des «Volta Bräu» begleiten, die Rolle des Beizers wird ein anderer übernehmen. Wer das sein wird, ist noch nicht klar. «Es laufen Gespräche», sagt Steiner.

Klar ist nur: Das «Nordstern»-Team wird nichts damit zu tun haben. Der Club im ersten Stock bleibt zwar, eine Bewerbung für das Parterre aber beantworteten die Verantwortlichen zugunsten der Krafft-Gruppe. Das «Nordstern»-Team wich darauf an die Gasstrasse gegenüber aus, wo es das Bistro «Conto» betreibt. Gregory Brunold vom Team freut sich auf «neue Nachbarn» mit dem «Volta Bräu» und ist froh, dass der Raum «nicht mehr leer steht».