Frau Ivanovic, das Wimbledon-Turnier, eines der grössten Sport-Highlights des Jahres, ist eben zu Ende gegangen, während ein anderer Grossanlass in die finale Phase geht: die Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Wen unterstützen Sie in der Abwesenheit der Serben, die sich nicht qualifizieren konnten? Und wer wird Weltmeister?

Ana Ivanovic: Es ist eine Schande, dass sich Serbien nicht qualifizieren konnte. Ich hätte die WM viel intensiver verfolgt, hätten sie teilgenommen. Jetzt habe ich mir einfach die eine oder andere Partie angeschaut, und davon haben mir die Spiele von Holland und Brasilien am meisten gefallen. Ich bin keine Expertin, deshalb finde ich es schwierig, den möglichen Weltmeister herauszupicken. Obwohl, auch die Experten haben dieses Jahr so ihre Probleme, einen Favoriten auszumachen.

Sie sind Serbin, leben aber seit Sie 14 Jahre alt sind in der Schweiz, genauer gesagt in Basel. Wieso in Basel?

Mein Manager Dan Holzmann kommt aus Basel – ihn habe ich zum ersten Mal getroffen, als ich 14 war. Er hat mich wahnsinnig unterstützt, hat meine ganze Karriere ins Rollen gebracht, als ich noch Juniorin war. So war es für mich nur logisch, in seiner Nähe zu wohnen. Deshalb habe ich mir eine Wohnung in Basel gesucht. Ausserdem sind die Büros meines Sponsors, die ebenfalls Dan gehören, auch in Basel. Auch sie unterstützen mich, seit ich 15 bin. Alle meine Trainer in meiner Junioren-Zeit waren aus der Schweiz, so war ich nie zu weit weg von ihnen.

Sie reisen das ganze Jahr um die Welt. Wie oft sind Sie noch in Basel?

Es ist ein sehr ungewöhnlicher Lebensstil, das ist so. Wir verbringen viel Zeit in Amerika und Australien – normalerweise schaffe ich es für zusammengerechnet etwa zwei Monate nach Basel. Ich habe also leider nicht sehr viel Zeit, die ich zu Hause verbringen kann – nur ein paar wenige Male im Jahr.

Wenn Sie es denn nach Hause schaffen, wie verbringen Sie Ihre Zeit am liebsten?

Ich klinge jetzt sicher total langweilig, aber am liebsten bleibe ich dann zu Hause. Ich mag es, nicht aus dem Haus zu gehen und für mich oder auch für meine Familie und Freunde zu kochen. Wenn ich an den Turnieren bin, esse ich immer in Restaurants. Wenn ich dann schon zu Hause bin, geniesse ich es, zur Abwechslung selber zu kochen und einfach nur zu entspannen. Auch wenn es langweilig klingt, ich denke für Menschen, die so viel Zeit mit Reisen verbringen, ist das normal.

Welcher Ort in der Stadt ist der speziellste für Sie?

Ich mag es, am Rhein entlang zu spazieren, in der Nähe des Hotels Drei König.

Eine der berühmtesten Personen Basels ist Roger Federer. Sie sagten einmal, dass Sie Roger für seine Professionalität auf und neben dem Platz bewundern. Wenn Sie eine spezielle Fähigkeit von Roger stehlen könnten, was würde das sein?

Vielleicht seine Gelassenheit. Er sieht so ruhig aus, wenn er spielt. Ich habe gehört, dass er früher, als er noch jünger war, sehr viel emotionaler war. Das macht es umso faszinierender, zu sehen, wie er sich verändert hat.

Wenn wir schon über Roger sprechen … Wenn Sie sich zwischen Roger und ihrem Landsmann Novak Djokovic entscheiden müssten, wen würden Sie nehmen?

Ich kenne Novak, seit wir vier Jahre alt waren, also muss ich hier Novak nehmen. Wir haben ab und zu an Turnieren zusammen gespielt. Wir kennen uns wirklich gut, also kann ich mich in diesem Fall nicht für Roger entscheiden.

Neben dem Tennis-Spielen haben Sie an der Universität in Belgrad Finanzwesen studiert und auch gelegentlich versucht, Ihre Spanisch-Kenntnisse aufzubessern. Daneben sprechen Sie Englisch und Serbisch. Wie steht es um Ihr Deutsch, oder gar Ihr Schweizerdeutsch?

Das Deutsch meiner Mutter ist nicht schlecht, aber leider habe ich davon nicht viel mitgenommen. Es ist aber etwas, woran ich in ein paar Jahren unbedingt arbeiten will, sobald ich einmal aufgehört habe zu spielen. Zuerst will ich mein Spanisch verbessern, dann hoffentlich Deutsch lernen, oder ja, vielleicht sogar Schweizerdeutsch.

Als Kind wollten Sie CIA-Agentin werden. Zuletzt haben Sie gesagt, eine Karriere im Mode-Business oder in Hollywood würde Sie reizen. Wo werden wir Sie denn nun nach Ihrer Aktiv-Karriere sehen?

Es ist sehr schwierig, das definitiv zu sagen. Ich bin mir sicher, dass ich auf irgendeine Art und Weise weiterhin im Tennis involviert sein möchte, aber mit Sicherheit nicht als Trainerin. Vielleicht mache in den Schritt ins Geschäftswesen des Tennis. Zuerst werde ich aber wahrscheinlich ein paar Jahre mit Reisen und Relaxen verbringen, und in dieser Zeit werde ich genügend Zeit haben, über meine zweite Karriere nachzudenken.