Es ist einen Moment lang still im Musical Theater Basel während der Premiere von «We Will Rock You»: als die Namen verstorbener Künstler genannt werden. Kurt Cobain, Amy Winehouse, Michael Jackson, Jimi Hendrix – und natürlich Freddie Mercury. Das Publikum, das sie alle aus der eigenen Jugend kennt, schweigt andächtig. Auch die Darsteller auf der Bühne scheinen in Erinnerung an die Verstorbenen zu versinken: Gänsehaut pur.

Sonst geht es am Freitag oft lauter zu. «Wir hatten in der ersten Reihe Fans, die schon von Beginn weg gejubelt haben», sagt Brigitte Oellke – sie spielt die Killer Queen – nach der Aufführung gelöst. Tatsächlich lebt das Stück hauptsächlich von der Musik von der britischen Band Queen. Die Songs werden von einer Liveband gespielt, die keine Wünsche offen lässt: Virtuos, punktgenau und ergreifend spielen die Musiker die Melodien, sodass auch eingedeutschte Texte mitreissend sind. Das kann aber nicht über die flache Geschichte hinwegtäuschen.

Wenig Inhalt

Der junge Galileo Figaro lebt auf dem Planeten iPad. Die Herrscherin ist die Killer Queen, Vorsteherin der Firma Globalsoft, der Kommandant ihrer Geheimpolizei heisst Khashoggi. Galileo hört in seinen Träumen Satzfetzen in Englisch. Die Sprache ist in der Zukunft ausgestorben. Es stellt sich heraus, dass es Songzeilen sind, die aus einer Zeit «vor der dunklen Ära der Globalisierung» stammen. Galileo will aus der gleichgeschalteten Welt auf dem Planeten iPad ausbrechen. Er gehört nicht wie die anderen Jungs zu den «Gaga-Boys». Der Träumer wird von der Geheimpolizei verhaftet – genauso ergeht es einem jungen Mädchen. «Die Gaga-Girls halten mich für eine Lesbe, weil ich keine Pastellfarben mag», gesteht sie Galileo im Gefängnis. Er gibt ihr den Namen Scaramouche. Die beiden brechen zusammen aus, verlieben sich und treffen den Widerstand, die Bohemians. Die Rebellen glauben an eine Legende, nachdem irgendwo ein Instrument versteckt worden sei, das der Auserwählte finden kann: Galileo.

Doch der Oberst der Geheimpolizei, Khashoggi, hat den beiden Turteltauben einen Chip implantiert, um ihnen zu folgen. Er nimmt alle Bohemians gefangen. Scaramouche und Galileo können fliehen und geraten zu einem Pub am Genfersee. Dort befinden sich auch die Bohemians. Sie wurden nach einer Gehirnwäsche durch die Geheimpolizei dorthin gebracht. Das Pub wird von Polo geführt, der zwar auch seine Seele verloren hat. Er kann sich aber an die Legende erinnern. Als Globalsoft das Wasser aus dem See anpumpt, kommt eine Freddie-Mercury-Statue zum Vorschein. Er zeigt nach Norden, nach London, zum Wembleystadion, wo es schliesslich zum Showdown kommt.

Albtraumszenario Digitalisierung

Das Stück glänzt mit visuellen Effekten und die Benennung der Protagonisten nach Queen-Songs lässt die Herzen der Fans höherschlagen. Spass bereiten auch die ironischen Anspielungen auf unsere Welt: Auf dem Planeten iPad gibt es nur computergenerierte Musik. Die Mode entspricht in etwa der Vorstellung, die man in den 1988er-Jahren davon hatte, wie man sich im Jahr 2000 kleiden werde: in viel Plastik und mit digitalen Spielereien. Referenzen an Facebook, Twitter und Apple amüsieren ebenso. Der Verfasser des Stücks, Ben Elton, beweist Humor, wenn es darum geht, die digitale Abhängigkeit zu kritisieren. Diese erreicht ihren Höhepunkt, als die Killer Queen sich mit Khashoggi unterhält, während sie sich die Bikinizone wachsen lässt. Die Aktualität macht die Magie des Stücks aus, auch wenn die an die Schweiz angepassten Witze teilweise bemüht wirken.