Verkehrskonzept
Die Idylle trügt – der autofreie Anfang fällt der Basler Innenstadt schwer

Seit gestern ist das Basler Zentrum autofrei. Allerdings ist das nicht allen Lenkern bekannt. Um die Zahl verirrter und verwirrter Fahrzeuglenker zu vermindern, ist die Polizei in den kommenden zwei Wochen mit einem verstärkten Aufgebot vor Ort.

Claire Micallef
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Das neue Verkehrskonzept in der Basler Innenstadt gilt seit gestern. Auch die Webergasse gehört nun zur autofreien Zone.Kenneth Nars

Das neue Verkehrskonzept in der Basler Innenstadt gilt seit gestern. Auch die Webergasse gehört nun zur autofreien Zone.Kenneth Nars

Kenneth Nars

Es ist ruhig in der Freien Strasse. Kein Auto stört den Fussgänger, der im Ausverkaufsfieber von Kleiderladen zu Schuhgeschäft und wieder zurück hastet. So sollte es zumindest sein, wenn es nach dem neuen Verkehrskonzept ginge. Dieses gilt seit gestern in der Basler Innenstadt. Doch nicht alle Auto- und Motorradfahrer wissen über die neue Regelung Bescheid. So zum Beispiel ein Angestellter der Firma Tormax, der seelenruhig sein Auto direkt vor dem «New Yorker» abgestellt hat. «Davon habe ich noch nie gehört», sagt er, die Augen weit aufgerissen, sich sogleich erkundigend, wo er sich denn eine Zufahrtsbewilligung beschaffen könne.

Um die Zahl verirrter und verwirrter Fahrzeuglenker zu vermindern, ist die Polizei in den kommenden zwei Wochen mit einem verstärkten Aufgebot vor Ort. «Wir sind etwa zwölf Beamte, die in der Innenstadt die Leute auf die neue Regelung aufmerksam machen», sagt eine Polizistin, die mit zwei Kolleginnen vor der Freien Strasse steht. Dass aber manch ein Autofahrer diese neue Regelung nicht kennt – oder nicht kennen will – beweist ein grosser schwarzer Volkswagen, der die Freie Strasse entlang Richtung Mittlere Brücke fährt.

Meinungen gehen auseinander

Doch das neue Verkehrskonzept hat durchaus auch Fuss gefasst. So zeigt ein Besitzer eines weissen Hondas sofort eine Bewilligung mit einem grossen schwarzen «Z», als er auf die autofreie Innenstadt angesprochen wird. Auch unter Fussgängern ist das neue Verkehrskonzept Thema. Die Meinungen gehen dabei allerdings weit auseinander. Ein älterer Herr aus Bettingen, der immer mit dem Auto in die Stadt gefahren ist, zeigt sich mit der neuen Regelung gar nicht einverstanden: «Ich muss jetzt immer mit dem Tram nach Basel, was viel länger dauert als mit dem Auto.» Zudem ist seiner Meinung nach diese Änderung wirtschaftlich schlecht für Basel. «Wir können ja auch in Riehen oder über der Grenze einkaufen.»

Während die einen mit dem Verkehrskonzept hadern, finden andere, es könne noch erweitert werden. Ein Mann in schwarzem Mantel, der die Gerbergasse entlangschlendert, sagt: «Ich habe zwar bemerkt, dass weniger Autos in der Stadt sind.» Allerdings müsse er wegen der Velofahrer als Fussgänger trotzdem immer aufpassen, wo er hingehe. «Es sollten auch keine Velos erlaubt sein, aber man kann es bekanntlich nicht allen recht machen.»

Auto- und Motorradfahrer sind aber nicht die einzigen, zu denen das neue Konzept noch nicht ganz durchgedrungen ist. «Ich habe bis jetzt noch nichts von der autofreien Innenstadt gewusst», sagt eine Frau, die mit einem schwarzen Einkaufsrollwagen die Mittlere Brücke überqueren will. Zwar sei ihr aufgefallen, dass Velofahrer von der Schifflände aus in die Eisengasse fahren würden. «Aber ich habe nicht das Gefühl, dass es weniger Autos auf den Strassen hat», sagt sie. Nicht nur die autofreie Innenstadt hat Anlaufschwierigkeiten. Es rattert im Hintergrund. Eine alte rote Vespa sucht ihren Weg entlang der Tramschienen und biegt am Marktplatz hinter dem Laden von Fielmann rechts ab. Manch ein Motorrad- oder Rollerfahrer steigt dort von seinem Gefährt. Bei der Wahl des Parkplatzes folgt dann der zweite Regelbruch: Statt auf den kostenpflichtigen Parkplätzen stehen die Motorräder und Mofas eng zusammengepfercht zwischen den Velos – gratis, versteht sich.