Detailhandel

Die Innenstadt, dein Einrichtungshaus: Warum Möbelläden die Freie Strasse übernehmen

Mit «Bolia» und «Søstrene Grene» aus Dänemark eröffnen neben «Zara Home», «Depot» und Co. pünktlich zur Herbstsaison weitere Dekor-Läden. Es ist ein Trend.

Wer seine Basler Mietwohnung hübsch aufpeppen will – und in Basel wohnen nun mal die meisten Menschen in einer Mietwohnung –, braucht mittlerweile nur noch in die Innenstadt zu gehen. Erst kündigte die in der Schweiz bereits beliebte Kette «Søstrene Grene» aus Dänemark klandestin über Social Media an, in die Freie Strasse zu ziehen. Dann überklebte der ebenfalls dänische Einrichtungsspezialist «Bolia» an der Schifflände eine ganze Hausfront mit der Ankündigung einer Ladeneröffnung diesen Herbst. Und das in einer Shopping-Meile, die bereits über einen «Zara Home» verfügt sowie über einen «Depot».

Pünktlich also zur Saison des kühleren Wetters weht ein neuer Wind durch die Basler Lädeli-Szene: Mehr Nippes, weniger Klamotten. Die in diesen Läden etwas distinguiertere, nach Boutique anmutende Wühlkistenstimmung zwischen ausgefallenen Töpfen, Design-Vasen, Dekor-Kissen und Besteck-Sets gilt als angesagt.

Von der Erledigungs- zur Basler Wohlfühlzone

Das passt auch zur Einschätzung von Pro Innerstadt Basel, deren Geschäftsführer Mathias F. Böhm bereits mehrfach festgehalten hat, dass sich Innenstädte urbaner Zentren je länger je mehr von Erledigungszonen zu Erlebniszonen entwickeln. Der Wandel lässt sich auch an Neueröffnungen von diversen Beauty-Stores in der Innenstadt beobachten. Dazu kommt die Entstehung eines grossen Fitnesscenters mitten in der Falknerstrasse, wo einst der Basler Buchhändler Jäggi den grössten Buchladen der Schweiz betrieb. Betrieben wird das Center vom Westschweizer Marktführer «Let’s Go Fitness». Die Muckibude nimmt gerne in Anspruch, was Detailhändler nicht mehr als zeitgemäss empfinden: Grosse Ladenflächen.

Die Franchise-Nehmer der Einrichtungsketten profitieren nun von den kleiner werdenden Ladenflächen, wie Böhm sagt, denn das bedeutet in den meisten Fällen auch eine tiefere Ladenmiete. Zudem geht er nicht davon aus, dass es sich dabei lediglich um einen kurzzeitigen Trend handelt: «Diese Läden werden bleiben.» Die Liebe zum schick eingerichteten Raum ist bislang vor allem aus Skandinavien bekannt, mittlerweile ziehen weitere europäische Länder und damit Innenstädte nach. «Der gestaltete und mit Sorge eingerichtete Raum gewinnt an Bedeutung», sagt Böhm. Das zeige sich auch in der Gastronomie und Hotellerie, wo geschmackvolle Lokalitäten zurzeit einen wesentlichen Erfolgsfaktor fürs Geschäft bilden.

Laufkundschaft und öffentlicher Verkehr

Ob nun «Bolia», «Søstrene Grene», «Zara Home», «Depot», «Flying Tiger», «Butlers» und wie sie alle rund um Schifflände, Marktplatz oder Freie Strasse heissen: Sie profitieren vom Stöbern im Ladengeschäft. In der vorwiegend autofreien Basler Innenstadt allerdings müssen sich die Kunden mit dem Transport etwas einfallen lassen – wenn sie für ihre Grosseinkäufe nicht ohnehin schon die Trams und Busse benützen. Da es sich bei den Waren aber meist um kleinere Gegenstände handelt, dürfte das bis auf ein bisschen Sperrigkeit keine grosse Hürde sein. Die schweren Möbel bestellt man ja mittlerweile ohnehin besser online.

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