Die Kritik der Basler SVP an den IWB ist an Deutlichkeit nicht mehr zu überbieten. Innert Stunden, nachdem in der «Basler Zeitung» ein Artikel über einen Abschreiber von 14 Millionen Franken der IWB bei einem Solarprojekt in Spanien erschienen war, ging eine Medienmitteilung der Partei auf der Redaktion ein, begleitet von einer Interpellation des SVP-Grossrats Joël Thüring zum gleichen Thema. Geschrieben hatte den BaZ-Artikel übrigens Aaron Agnolazza, der in seiner Freizeit für die SVP im Riehener Einwohnerrat sitzt.

Die «Schweiz am Sonntag», die wie die bz zu den AZ Medien gehört, schrieb gestern sogar, die SVP wisse offenbar jeweils am Vorabend, was am Folgetag in der «Basler Zeitung» stehen werde. Ein Vorgang, den der Basler SP-Nationalrat und IWB-Verwaltungsrat Beat Jans als «unglaubliche Kampagne der Basler Zeitung gegen einen der am besten positionierten Energiedienstleister der Schweiz» charakterisiert.

Keine Auslandsinvestitionen mehr

Die Forderung der SVP ist klar: Abbruch der Investitionen in ausländische Alternativenergien und stattdessen Ausbau der Produktion in der Schweiz. Im Notfall auch auf Kosten der Alternativenergie-Strategie. Die Risiken im Ausland seien viel zu hoch. Dem halten Kenner der Energiebranche entgegen, dass Investitionen in alternative Energien im Ausland deutlich einfacher seien als im Inland: Zum einen macht es mehr Sinn, Windenergie und Sonnenenergie dort zu nutzen, wo es auch tatsächlich Wind respektive Sonne hat.

Zum anderen sind in der Schweiz die Hürden für neue Kraftwerke enorm hoch. Dies zeigt zum Beispiel das geplante Windkraftwerk auf der Chall-Höhe. Dort wollen die IWB Windenergie gewinnen, scheitern aber bisher am Widerstand der Landschaftsschützer.

IWB bleiben auf Kurs

Bei den IWB hält man an der eingeschlagenen Richtung fest: Unternehmenssprecher Lars Knuchel sagt gegenüber der bz: «Im Rahmen des Leistungsauftrags 2011-2014 sind für die Zeitdauer von 5 Jahren Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Produktion in der Schweiz und im Ausland von insgesamt 300 Millionen Franken eingeplant.»

Die Kritik der SVP an der Strategie der IWB wird im linksgrünen Lager nicht verstanden, denn im Gegensatz zu den anderen grossen Schweizer Energiewerken haben die IWB keinen nuklearen Ballast in der Bilanz. Die AXPO dagegen macht Abschreiber in der Höhe von Hunderten von Millionen Franken, weil sie sich die Sanierungs- respektive Rückbaukosten für das Kernkraftwerk Beznau zusammensparen muss.

Auslandrisiken gut kalkulieren

Dass es im Ausland Risiken gibt, bestreitet aber auch Knuchel nicht: «In Frankreich und Deutschland, wo wir unsere Auslandsinvestitionen fokussieren, ist die Rechtssicherheit gross und das Investitionsrisiko nur geringfügig höher als in der Schweiz. Wir berücksichtigen das in unserem Risiko-Renditeprofil.» Allerdings mussten Schweizer Energieunternehmen in diesem Jahr Abschreibungen machen, weil ein Windpark in der deutschen Nordsee Pleite ging.

Doch Knuchel betont, die Strategie im Ausland sei «sehr konservativ». Die IWB würden nur in baureife oder fertig gebaute Anlagen investieren und die möglichst breit gestreut in verschiedene Technologien und in verschiedenen Regionen: «Sämtliche Investitionen werden durch unseren Verwaltungsrat geprüft und müssen von ihm genehmigt werden. Und - last, but not least - wir verfügen über eine eigene, spezialisierte Fachabteilung, die geeignete Investitionsobjekte aufgrund einer langjährigen Erfahrung und mit höchster Sorgfalt zu evaluieren vermag.»

Auch Inland risikoreich

Dass Investitionen in der Schweiz risikolos sind, davon kann eigentlich auch keine Rede sein. Die SVP fordert auf nationaler Ebene nämlich eine massive Reduktion der Einspeisevergütung (KEV) für Alternativenergie ins hiesige Stromnetz. Knuchel sieht hier aber geringere Probleme: «Das ist nicht mit der Situation in Spanien vergleichbar. Die aktuelle Diskussion in der Schweiz betrifft unter anderem die künftige Ausgestaltung der KEV - bestehende Anlagen sind davon nicht betroffen.»

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass die IWB 14 Millionen Franken abschreiben mussten, ihr aber wohl kaum eine andere Wahl bleibt, als nach wie vor kalkulierte Risiken einzugehen. Denn Experten gehen davon aus, dass in der Strombranche im derzeitigen Markt- und Politikumfeld eigentlich jede Investition mit gewissen Risiken behaftet ist. Nicht einmal der einst «sichere Hafen», die Pumpspeicherkraftwerke sind mehr unumstritten. In Deutschland scheiterte vor zwei Monaten ein 700-Millionen-Euro-Projekt in der Eiffel am Widerstand der Bevölkerung, vor allem aber am «finanziellen Risiko», wie es der Sprecher der Bauherrin Trianel formulierte.