Die vergangenen fünf Jahre waren für die Industriellen Werke Basel (IWB) fast traumhaft: 230 Millionen Franken Reingewinn haben sie seit 2010 erwirtschaftet. Obendrein erhielt der Kanton Basel-Stadt Gewinnausschüttungen in der Höhe von 135 Millionen – ein «Netto» von 365 Millionen Franken.

Doch ob die Gewinne weiter so sprudeln, ist fraglich. Denn seit 2011 hat sich die «Grosswetterlage» für Energieproduzenten und –Versorger dramatisch verändert. Im Geschäftsjahr 2014 haben die IWB sicherheitshalber schon mal 51 Millionen zurückgestellt.

Auch für die heimische Wasserkraft, über deren günstige Produktionskosten man hierzulande froh (und vielleicht auch ein bisschen stolz) war, wird es zusehends enger. An der diesjährigen Medienkonferenz der IWB nannte David Thiel die Gründe: Sinkende Preise für Öl, Gas und Kohle, hohe Subventionen in anderen europäischen Ländern. Selbst der plötzlich erstarkte Franken macht dem Energieversorger Sorgen: Die Konkurrenz im Ausland liefert den Strom seit der Aufgabe der Euro-Frankenbindung mit einem Schlag 10 bis 15 Prozent günstiger.

Die Faktoren

Wo liegt das Problem? Die Konsumenten hätten doch eigentlich Grund zur Freude, wenn der Strompreis sinkt …

So einfach ist die Sachlage nicht:

  • Die IWB hat diverse Beteiligungen an Kraftwerken. Die haben in der Vergangenheit deutlich unter den Marktpreisen produziert und schöne Gewinne eingefahren. Ein gutes Geschäft waren die Pumpspeicherkraftwerke, die teuren Spitzenstrom verkaufen konnten. Doch nach 2010 ist Marktpreis an der Strombörse unter die Produktionskosten gefallen. Selbst das Kraftwerk Birsfelden mit Gestehungskosten von unter vier Rappen pro Kliowattstunde ist heute nahe am Marktpreis. Auf lange Sicht geht das nicht gut, denn irgendwann müssen Kraftwerke saniert oder ersetzt werden.
  • Grosskunden, konkret: Firmen mit einem Bezug von über 100 000 Kilowattstunden pro Jahr, haben heute die Möglichkeit, den Lieferanten zu wechseln. Für sie gilt der freie Markt. Beziehen sie Strom im Ausland, profitieren sie vom tieferen Euro und möglicherweise von Kohlestrom-Subventionen. Über die Hälfte der IWB-Stromlieferung geht an solche Firmen, die im Prinzip «abspringen» könnten.
  • Und die andere Hälfte, also wir Kleinkunden? Wir sind auf den Goodwill der IWB angewiesen, dass wir Preisnachlässe bekommen. Doch nur bis 2018. Dann sollen auch Kleinkunden den Anbieter wählen können. Des einen Glück, des anderen Pech ...

Energiestrategie kritisiert

Problematisch findet Thiel die «Energiestrategie 2050» des Bundes, weil der Wasserkraft zu wenig Bedeutung beigemessen werde. Ohne Wasserkraft sei keine Energiewende möglich. Zum Vorschlag eines «Wasserrappens» des Verbandes der Schweizer Elektrizitätsunternehmen wollte er sich nicht konkret äussern. Eine «Giesskannensubvention» lehnt er ab: «Wir sind keine Subventionsjäger.» Ein klare Ausweg-Strategie liegt aber offenbar noch nicht vor. Die Möglichkeiten sind limitiert. Denn die IWB, bzw. die Kraftwerke an denen sie beteiligt sind, können ihre Kosten nicht einfach senken.

Es habe immer wieder schwierige Phasen gegeben, sagt Thiel. Aber dieses Mal sei er nicht so sicher, ob sich die Preise rasch wieder erholen würden. Die aktuelle Situation sei wohl eher die Folge eines Strukturwandels.

Die weitere Strommarktöffnung wird die Energieversorger vor weitere Herausforderungen stellen. Dank neuer Speichertechnologie werden künftig auch Private in grösserem Stil Strom speichern können. Das Stromnetz wird deshalb möglicherweise etwas an Bedeutung verlieren. Vor zwei, drei Jahren habe man nicht geahnt, welche Folgen dieser Preiszerfall haben könnte. Die IWB sehen sich künftig nicht mehr nur als Infrastruktur-Unternehmen sondern als Anbieter von «smarten Energielösungen», mit Schwergewicht auf Effizienz, Ökologie und intelligenter Steuerung. Die Digitalisierung werde dabei eine wichtige Rolle spielen.

Die IWB muss sich derweil auch um durchaus Handfestes und Bodenständiges kümmern. Für den Ersatz und Ausbau des Leitungssystems werden die IWB in den kommenden vier Jahren 522 Millionen ausgeben. Ein Teil davon ist Ausbau: Die Stadt wächst.

Der Ausbau des Glasfasernetzes geht voran, das Projekt wird umfangreicher als erwartet. Einerseits fallen auch hier die Neubauten ins Gewicht, andererseits die Durchdringung, die von 95 auf 97 Prozent gestiegen ist. Das heisst: Nur drei Prozent der Stadt wird dereinst ohne Glasfaseranschluss sein.