Eher gehören die Kunstgegenstände hinter dicke Glasscheiben in die Vitrine – so wie im Spielzeug Welten Museum am Barfüsserplatz. Dort können sie derzeit von Erwachsenen- und Kinderaugen bestaunt werden.

Wobei: Dem Sohn des französischen Touristenpaars ist es nicht zu verübeln, dass er sich schon nach wenigen Minuten in der Ausstellung langweilt. Unzähligen Details der Puppen scheinen ihm nicht aufzufallen, oder interessieren ihn einfach nicht. Vermutlich fehlt ihm das Vorstellungsvermögen, wie schwierig es ist, so etwas herzustellen, wie viele Stunden die Künstler über einem Objekt sitzen müssen, damit ihnen diese Detailgetreue gelingt.

Darum setzt er sich trotzig auf einen Stuhl und drängt die Eltern zum Weitergehen. Diese haben sich an den fast magisch anmutenden Puppen aus dem fernen Land aber noch nicht sattgesehen.

Wie genau japanische Puppenhersteller arbeiten, demonstriert ein Film. Die Kamera zoomt auf die Hände des Künstlers, in der ein spitzer Gegenstand liegt. Damit bearbeitet er das Auge einer Puppe. Da sich das Auge äusserlich kaum von einem menschlichen unterscheidet, zieht es dem Betrachter des Films beim Anblick des spitzen Gegenstandes im Auge im ersten Moment den Magen zusammen.

Japan hat grösste Vielfalt

Neben den sehr realistischen Puppen gibt es auch abstraktere. Eine hat die Gestalt eines Kleinkindes mit einem überdimensionierten Kopf, dicken Wangen und schneeweisser Haut. Der Körper steckt in einem farbigen Kimono, die schwarzen Haare sind glatt und reichen bis zu den Schultern. Es ist eine sogenannte Gosho-ningyô-Puppe.

Jede Art von Puppe hat einen eigenen Namen und eine eigene Geschichte. Und nirgends auf der Welt ist die Dichte an verschiedenen Puppen so hoch, wie in Japan. Da wären zum Beispiel die Kokeshi – das sind bemalte Holzpuppen, die nur aus Kopf und Rumpf bestehen. Oder die Hina-ningyô, die Puppen für das Mädchenfest, das jedes Jahr am 3. März stattfindet. An diesem Tag werden die Häuser mit Puppen geschmückt, um jungen Mädchen Glück zu wünschen.

Zwar gibt es in Japan auch Puppen für Kinder, vielmehr haben sich Puppen aber zu einem Gegenstand der Verehrung oder zu einem Kunstgegenstand entwickelt. Die Geschichte der Puppen reicht in Japan rund 24'000 Jahre zurück. Mit der Zeit beginnen sie eine immer wichtigere Rolle zu spielen und die Arten vervielfachen sich. Man begann Puppen nicht nur zur Abwehrung von Unheil, sondern auch zum Schmücken für Feste einzusetzen.

Die Sonderausstellung der japanischen Puppen, «Konnichiwa und Grüezi», gastiert noch bis zum 5. Oktober im Spielzeug Welten Museum. Ausgestellt sind allesamt zeitgenössische Puppen, die vom Japanischen Kulturinstitut Köln zur Verfügung gestellt wurden.

Anlass für die Ausstellung ist die 150-jährige japanisch-schweizerische Freundschaft. Denn 1864 schloss die Schweiz den ersten bilateralen Handels- und Freundschaftsvertrag mit Japan. Das Jubiläum wird in beiden Ländern über das ganze Jahr mit diversen Veranstaltungen gefeiert.

Noch wenig japanische Touristen

Für Christoph Bosshardt von Basel Tourismus sind Veranstaltungen oder Ausstellungen wie jene der japanischen Puppen wichtig. Denn der japanische Markt sei bisher in Basel noch klein. Im Jahr 2013 haben 10'900 japanische Gäste in Basler Hotels logiert. Das macht rund ein Prozent aller Touristen in Basel aus.

Vor allem rund um Weihnachten sei Basel bei den Japanern beliebt. «Viele kommen an den Basler Weihnachtsmarkt.» Es werde laufend versucht, die Attraktivität von Basel für Japaner zu vergrössern, sagt Bosshardt. Damit sie in Basel, so wie momentan im Spielzeug Welten Museum, ein Stück Heimat wiederfinden.