Wäre nicht der Auktionator vorne am Pult und die leise vor sich hin zischende Lüftung, man würde die Personen im Saal atmen hören. Stille, Konzentration. Die Mini-Aula des UBS-Ausbildungszentrums in Basel ist spärlich gefüllt. Von den rund 70 Sitzgelegenheiten werden 13 genutzt. Andere Bieter sind per Internet zugeschaltet. Ein Beamer projiziert die Objekte der Begierde an die Wand hinter dem Auktionator. Briefmarken und Briefumschläge aus vergangenen Jahrhunderten. Gleichzeitig wird der gebotene Preis in Euro, Pfund, Dollar und Franken ersichtlich. Alles in Sekundenschnelle aktualisiert.

Es kann um Millionen gehen

Bis Freitag werden hier philatelistische Schätze im Wert von über 40 Millionen Franken versteigert. Ein Riesenevent für jeden Jünger der Briefmarken. Zum Mitbieten lädt die Galerie Dreyfus. Am heissesten – am teuersten also – wird es am Donnerstag zugehen, wenn gegen 16 Uhr die «World Rarities» einen neuen Besitzer suchen. Da kann es schon mal um Millionen gehen. Pro Angebot versteht sich. Heute beginnen die Preise noch in den Hunderten, enden gelegentlich in den Tausendern. Dennoch: Schon jetzt ist die Konzentration hoch.

Einer aber spricht ohne Ende. Auktionator Jean-Paul Bach. Durch ihn, den Präsidenten des Schweizer Briefmarken Händlerverbands, wird jedes Gebot zum Wort. Und deren sind es viele. Eine Zahl jagt die andere. Mit seiner Rechten und dem von ihr umklammerten Kugelschreiber weist er in Richtung des Bietenden. Der Ärmel seines dunklen Anzugs rutscht dann etwas nach hinten und gibt den Blick auf ein breites goldenes Armband frei.

Das passt ins Bild. Die Anwesenden sind fast durchwegs adrett gekleidet. Anzüge, gestreifte Hemden, Krawatten. Versteht sich, dass sich auch die beiden anwesenden Damen nicht lumpen lassen. Die eine mit den hochhakigen Schuhen im Leoparden-Look scheint durchaus etwas von der angebotenen Materie zu verstehen, die andere blättert in einer Illustrierten. Nur ein junger Mann in den Zwanzigern hebt sich mit einem grünen T-Shirt ab. Er verfolgt die Auktion aber ebenso intensiv wie das Business-Class-Model mit den Merkzetteln im Auktions-Katalog.

Familie von Jägern und Sammlern

Es macht den Anschein, dass hier die ganz grosse Welt der Briefmarke auf eine kleine Welt von Sachverständigen trifft. Auktionator Bach ist sich nicht ganz sicher, ob der ältere Mann vor ihm das letzte Gebot wirklich vernommen hat. «Letzte Gelegenheit, Jochen», ermahnt er ihn. Doch Jochen, den er offenbar kennt, winkt ab.

In der kurzen Pause setzt sich Alain Dreyfus, Inhaber der Galerie Dreyfus, zu einem der Bieter im Saal. Auch sie scheinen sich zu kennen. Während der Auktion sind alle hoch konzentriert, daneben eher eine Familie von Jägern und Sammlern.