Städtebauliche Utopien, die Stadt der Zukunft: das hat immer wieder die Phantasie der Achitekten und Planer herausgefordert. Viele Ideen blieben auf dem Papier, bei vielen muss man sogar sagen: Gott sei Dank. Etwa Le Corbusiers Idee, einen Teil der Pariser Innenstadt zu schleifen und mit Wohntürme zu überziehen. Oder in Basel eine Verkehrsschneise, die sogenannte «Talentlastungsstrasse» von der Schifflände zur Heuwaage zu schlagen.

Doch es gibt auch Ideen, die halten sich ganz gut, beispielsweise die Überdachung von Strassen oder Bahnlinien. Im heute veröffentlichten Ideenkatalog der Juso Basel-Stadt sind gleich zwei Vorschläge aufgeführt, die nicht ganz neu, aber deswegen nicht schlecht sind: Die Überbauung des Einschnitts der Elsässerbahn und der Osttangente im äusseren St. Alban-Quartier. Die Erstere würde 270 Wohnungen bringen, die zweite 240 Wohnungen. Ebenfalls bereits angedacht ist ein Projekt für studentisches Wohnen beim Voltaplatz für 170 Studierende.

«Der Grundgedanke unserer Ideensammlung ist es, dank einer möglichst breiten Auswahl von Vorschlägen eine städtebauliche Diskussion zu lancieren», sagte Lukas Gruntz, Leiter der Arbeitsgruppe Stadtentwicklung, Verkehr und Kultur der Juso an einer Medienkonferenz.

Die Jusos haben auch Mega-Ideen im Köcher, wie etwa die «Superblockrand Bäumlihof», eine mehrere Kilometer lange Randbebauung um das Bäumlihofareal bis zur Hochrheinbahnlinie Richtung Grenzach: 2000 Wohnungen ergäbe das, für 4000 Bewohner. Noch grösser wäre das Areal auf dem Güterbahnhof Wolf, welches die SBB in den kommenden Jahren neuen Nutzungen zuführen will. Würden nur 60 Prozent des Areals für den Wohnungsbau genutzt, könnten dort in 4000 Wohnungen 8000 Menschen wohnen, interessant ist auch das Projekt beim Bahnhof St. Johann mit 300 Wohneinheiten sowie die Idee von Wohnbooten auf dem Rhein.

Utopischen Charakter hat die Aufstockung der Johanniterbrücke und ein kleiner Spass erlaubten sich die Jusos mit einem riesenhaften Baslerstab-Hochhaus - gleich gegenüber des im Bau befindlichen Roche-Hochhauses. Im Rahmen des Hochhausbooms in Basel müsse man sich schon auch fragen, was eigentlich diese Monumente der Gegenwart symbolisierten, die im Stadtbild eine immer dominantere Stellung einnehmen. Geld? Macht? Ein Kontrapunkt würde hier nicht schaden. Rein rechnerisch würden bei der Umsetzung der Vorschläge 7500 Wohnungen für 15'000 Menschen entstehen.

Die Jusos präsentierten auch einen Forderungskatalog für die Wohnraumpolitik. In Kürze:
• Bei allen Überbauungen auf öffentlichem Grund sollen mindestens ein Drittel kommunale und ein Drittel genossenschaftliche Wohnungen entstehen.
• Das Land des Kantons soll nur noch im Baurecht abgegeben werden.
• Mit Grünflächen und öffentlichen Nutzungen soll Mehrwert für die Öffentlichkeit entstehen.
• Umnutzung von leerstehenden Büroflächen, guter Mix Wohnen/Gewerbe.

Grossrätin Sarah Wyss hat eine schriftliche Anfrage an den Regierungsrat abgeschickt: Sie will Auskunft über den Stand der Dinge beim Baufeld West/Volta, Überbauungen Elsässerbahn und Osttangente sowie über das Areal Wolfbahnhof.

Alle Vorschläge auf tinyurl.com/juso-fuer-basel