Euro-Airport
Die Kabinen-Künstlerin designt teure Flugzeuge für Jet Aviation

Elisabeth Harvey leitet die Designabteilung bei Jet Aviation auf dem Euro-Airport. Beim Innenausbau der Flugzeuge legt Harvey grössten Wert auf höchste Qualität, sowohl bei den Materialien, als auch bei der Verarbeitung und dem Design.

Stefan Schuppli
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Elisabeth Harvey, Chefdesignerin. Frauen in leitender Position sind in dieser Branche eher selten.

Elisabeth Harvey, Chefdesignerin. Frauen in leitender Position sind in dieser Branche eher selten.

Kenneth Nars

In diesem Geschäft ist Diskretion das A und O. Und das hat seine Gründe. Denn die Kundschaft ist schwerreich. Oder sagen wir so: Sie ist derart begütert, dass sie sich manchmal auch einen privaten Jumbojet leisten kann.

So wird uns Elisabeth Harvey beim Rundgang durch den Hangar von Jet Aviation auch nicht sagen, wem der vierstrahlige Airbus 340 gehört, der hier zurzeit ausgebaut wird. Oder der schneeweisse Jumbo auf dem Vorfeld. Oder der noch unlackierte Boeing-Businessjet mit der eigenartigen, grünen Grundierfarbe. Unser Fotograf darf nichts fotografieren, was die Identität des Besitzers verraten könnte.

Qualität ohne Kompromisse

Ohne Umschweife sagt Frau Harvey jedoch eines: Beim Innenausbau dieser Flugzeuge werde auf höchste Qualität gesetzt, bei den Materialien, bei der Verarbeitung und beim Design.

Ihr kleines zwölfköpfiges Team, das sie seit 2009 leitet, hat bei Jet Aviation eine zentrale Stellung: Es setzt die Wünsche und Vorstellungen der Kunden um, entwickelt mit ihnen diese Ideen weiter – bis der eigentliche Ausbau beginnen kann. Dann übernehmen die Schreiner, Sattler, Polymechaniker und Elektroniker das Zepter.

«Die Arbeit ist ungemein spannend und natürlich auch anspruchsvoll. Die Planung eines solchen Ausbaus ist sehr komplex», sagt sie. Es gibt physikalische, technische und gesetzliche Einschränkungen, die man bei einem Flugzeug befolgen muss.

Ob sie einem Kunden auch schon mal ein Wunsch ausschlagen musste? Etwa ein zu schweres Marmorbad, eine Feuerstelle, Geranien an den Fenstern ... «Wir versuchen die Wünsche unserer Kunden so weit wie möglich zu erfüllen. Falls diese nicht durchführbar sind, wollen wir ihnen so nahe wie möglich kommen. Wir haben zum Beispiel Waschtische installiert, die nur eine millimeterdicke Marmorbeschichtung haben, aber strukturell aus Aluminium Leichtbau-Paneelen bestehen. Und wir denken, dass sich so etwas punktuell auch mit Bodenfliesen machen liesse.» Es gibt also auch Raum für Experimente. Anspruchsvoll und spannend war etwa der Einbau einer grösseren Treppe in einen Jumbo, berichtet Harvey.

Land der Träume in der Luft: Computerbild eines Schlafzimmers in einem Grossflugzeug.

Land der Träume in der Luft: Computerbild eines Schlafzimmers in einem Grossflugzeug.

Zur Verfügung gestellt

Styropormodell fürs Raumgefühl

Ein Innenausbau dauert je nach Komplexität mindestens zwei Jahre, wovon Design- und Planungsarbeiten vier bis neun Monate in Anspruch nehmen. Oftmals meldeten sich Kunden, bevor sie überhaupt das Flugzeug beim Hersteller bestellt hätten.

Visualisierungen werden heute mit 3-D-Computeranimationen gemacht. Es sind Rundgänge und Kameraschwenks nach Belieben in den virtuellen Kabinen möglich. Es können Farb- und Materialwechsel, Leder, Stoffe und die Möblierung gezeigt werden. «Unsere Kunden können sich dank dieser Visualisierung sehr gut ein Bild ihres Produktes zu machen. Und für uns ist es ein sehr gutes Planungsinstrument.»

Die Computertechnik ist heute so ausgereift, dass man praktisch keinen Unterschied mehr sieht zwischen einem Rendering, einem Computerbild, und dem Foto des Endprodukts. Full-Scale Mock-Ups, also Eins-zu-eins-Modelle, werden aber bisweilen auch gewünscht. «Wir bauen dann die komplette Kabine aus Styropor und ermöglichen unseren Kunden so ein Vorab-Raumgefühl.»

Sie baute schon Schlösser aus

Ihr Rüstzeug hat sie sich bei der Londoner High-End-Innenarchitekturfirma Spencer-Churchill geholt, die ebenfalls grössere luxuriöse Projekte spezialisiert ist – aber für Häuser und Schlösser. Teamwork ist sehr wichtig. «Alle im Team haben ihre bestimmten Fähigkeiten. Die einen sind gut in der Computeranimation, die anderen eher im Materialbereich.» Deshalb sind Teambesprechungen an der Tagesordnung. In drei verschiedenen Design- und Planungsphasen sind auch die Ingenieure und die Fachleute dabei, die den Ausbau schliesslich durchführen.

Es sei kein Moment langweilig, sagt Harvey. In leitenden Positionen sind Frauen in dieser Branche eher selten. Sie erfahre aber sehr viel Wertschätzung, sowohl von Kunden wie von den Kollegen im Betrieb. Die Kunden würden auf die Kompetenz der Firma und ihrem Design Studio vertrauen. Da spiele es keine Rolle, dass sie eine Frau sei.

Begonnen hat Elisabeth Harvey in Basel 2006 – ganz simpel aufgrund eines Inserats. Sie wohnt in der Stadt und schätzt ihr grosses kulturelles Angebot, allen voran die Museen. Trotz der Luxuswelt, für die sie arbeitet, ist sie auf dem Boden geblieben. Wenn das Wetter einigermassen mitmacht, fährt sie mit dem Velo zur Arbeit. Zu den Fliegern ihrer schwerreichen Kunden, für die auch ein Jumbo nicht gross ins Gewicht fällt.