Winterflucht

Die Kälte bringt Vogelschwärme mitten in die Stadt

Ein Wacholderdrossel-Schwarm in der Jacob Burckhardt-Strasse.

Ein Wacholderdrossel-Schwarm in der Jacob Burckhardt-Strasse.

Derzeit sind Hunderte Wacholderdrosseln in Basel, weil es im Norden noch kälter ist – und es in den Alleen viel zu picken gibt.

Kaum vorstellbar bei den aktuellen Temperaturen in der Region, aber es gibt tatsächlich Kreaturen, die derzeit der angenehmen Temperaturen wegen hierher kommen. Und um damit der wirklichen Kälte noch weiter nördlich zu entkommen. Dazu gehören die Wacholderdrosseln, die derzeit in grossen Gruppen in der Stadt zu beobachten sind, wie die Schweizerische Vogelwarte Sempach auf Anfrage bestätigt. Diese Vögel ziehen nicht wie etwa die Schwalben in jedem Winter südwärts, sondern betreiben, wenn die Bedingungen zu hart werden, sogenannte Winterflucht. Sie sind gut an winterliche Temperaturen angepasst und können bei gutem Nahrungsangebot dank ihres warmen Federkleids problemlos überwintern – sie können sich aber auch entscheiden, einige hundert Kilometer südwärts zu ziehen. Dabei schliessen sich bis zu tausend Wacholderdrosseln in grossen Gruppen zusammen, wie Vogelwarte-Sprecher Michael Schaad erklärt.

In Basel scheinen sich die Tiere vor allem von den Beeren der Zürgelbäume zu ernähren. Die Trottoirs der Strassen mit Zürgelbaum-Alleen sind derzeit voller kleiner Kerne – das Überbleibsel des Vogel-Festschmauses. Dass diese Baum-Art mit ihren Beeren bei Vögeln beliebt ist, bestätigt auch Yvonne Aellen von der Stadtgärtnerei. Sie sagt auch, dass die Ökologie ein wichtiger Faktor bei der Auswahl der Baumsorten sei. «Es gibt jedoch eine Vielzahl von weiteren Auswahlkriterien. Gerade für Strassenalleen steht im Vordergrund, dass die gewählten Baumarten mit dem begrenzten Wurzelraum, dem Einfluss von Streusalz und auch der Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen. Zudem müssen sie gut schnittverträglich sein.» Deshalb sei die Stadt auf fremdländische Bäume und Züchtungen angewiesen. Das Beispiel der Wacholderdrosseln zeige aber, dass auch diese für die Natur nicht wertlos seien. Grundsätzlich halte die Stadtgärtnerei die Artenvielfalt der Bäume möglichst gross. «Aktuell stehen rund 460 Baumarten in den Basler Alleen und Grünanlagen», sagt Aellen.

Alleen mit Zürgelbäumen sind in Basel am Unteren Rheinweg, Riehenring, Schaffhauser Rheinweg, Steinengraben, an der Jacob Burckhardt-Strasse sowie an der Tellstrasse zu finden. Dort lassen sich die grossen Vogelschwärme mit etwas Glück gut beobachten.

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