«Es fühlt sich an, als hätte ich mein Leben schon zwei Mal gelebt», sagt Marcquelle Ward. Der 32-Jährige sagt dies nicht, weil er sich körperlich oder mental so müde fühlt. Im Gegenteil. «Ich meine das positiv.» Wenn er zurückschaue auf all das, was er bislang erreicht und gemacht habe, dann sei er einfach glücklich.

Marcquelle Ward spielt im Musical «Cats», das seit April im Musical-Theater Basel gastiert, die Rolle des Rum Tum Tugger. Jene also des draufgängerischen Katers, des Tunichtguts und Entertainers. Vor allem Letzteres verbindet Ward mit seiner Rolle. Denn das Unterhalten der Menschen, das liegt in seinem Blut. Sei es heute als Musical-Darsteller oder in seinen unzähligen anderen Beschäftigungen. Der im nordenglischen Manchester geborene Ward ist neben seinen Engagements auf Musical-Bühnen noch Rapper, nahm zahlreiche Pop-Songs auf und spielte in der Musical-Drama-Show «Britannia High» und in Englands grösster Soap Opera, «Coronation Street». «Man kann schon sagen, dass ich damals berühmt war», sagt Ward in seiner aufgedrehten, aber doch bescheidenen Art. «Aber das ist Jahre her.»

Der Ex-Profi-Basketballer

Eigentlich war das alles aber gar nicht so geplant. Ward, absoluter Sportfan, entschied sich in der Jugend gegen eine Musik- und für eine Sportkarriere. Als 19-Jähriger schaffte er den Durchbruch und wurde zu einem anerkannten Basketball-Star auf der Insel. «Ich spielte für die Manchester Giants und die englische Nationalmannschaft, bis das mit meiner Schulter passierte.» Ward verletzte sich die Schulter so schwer, dass er sechs Monate lang nicht aufs Feld konnte. «In dieser Zeit habe ich dann so viele neue Dinge angefangen, dass ich, als ich wieder fit war, sagen musste ‹sorry Jungs, ich habe keine Zeit mehr für Basketball›.» Ward liess die Sportkarriere hinter sich und fokussierte sich auf das Schauspielern. 2006 konnte er sein Sport- und sein Schauspiel-Talent kombinieren, sich gegen 335 000 andere Bewerber durchsetzen und gewann einen eigenen Nike-TV-Werbespot. «Ich wurde überall hingeflogen, nach Frankreich, Spanien, und überall kreischten mir junge Mädchen zu.» Dass er dereinst aber die Rolle des Rum Tum Tugger spielen würde, damit habe er nie gerechnet. «Sie haben mich angefragt, und ich konnte es erst gar nicht glauben.» In einem achtstündigen Casting setzte er sich dann gegen
31 Mitbewerber durch.

Der neue Rum Tum Tugger

Und es hat sich gelohnt. Denn Ward hatte bei der Erneuerung der Rolle des Rum Tum Tugger hin zum Rap- und Hip-Hop-Kater Mitspracherecht. Der für die weltberühmte Musik von «Cats» zuständige Andrew Lloyd Webber hörte auf Ward und passte den Song nach seinen Wünschen an. «So frei war ich noch nie in einer Rolle. Das ist fantastisch.»

Während Ward den Pinsel in die Hand nimmt, um sich sein Make-up für die Show zu machen, sagt er, dass er dies alles «dem da oben» zu verdanken habe und zeigt mit dem Finger gen Himmel. «Es ist ein Segen, so viele Talente zu haben.» Alles erreicht hat er aber noch nicht, zwei Leben hin oder her. «Ich will meiner Mutter ein Haus kaufen in Manchester. Wenn sie mich denn lässt.»

«Cats» läuft noch bis 22. Mai im Musical-Theater Basel. www.musical.ch/cats