Wer sich als Gangsterrapper betätigt, muss sich mit Ice-T und seinen Zeitgenossen vergleichen lassen. Und wer über sein Quartier rappt, dieses hochleben lässt und alle anderen disst, der kommt an einem Meisterwerk der Musikgeschichte nicht vorbei: «Straight outta Compton» von N.W.A.

(Quelle: youtube.com/emimusic)

N.W.A. - Straight Outta Compton

Auch wenn das Werk von 4057 mit dem schönen Titel «Mit Guns ind Flucht» eindeutig auch Einflüsse modernerer Rap-Videos zeigt, die Grundzüge der guten alten Zeit sind noch vorhanden.

Grundsätzlich brauchen wir für ein Gangsterrap-Video im klassischen Stil folgende Bestandteile:  

  1. Coole Typen, die aggressiv in breiter Front eine Strasse überqueren
  2. Ein heruntergekommenes Industrieareal
  3. Versprayte Wände
  4. Leicht bekleidete Damen
  5. Waffen
  6. Drogen
  7. Beeindruckende Fahrzeuge
  8. Gewöhnungsbedürftige Outfits
  9. Schmuck
  10. Wildes Gestikulieren bei gleichzeitig immobiler Gesichtsmuskulatur

Wer nun noch Swimmingpools, schicke Villen und Boote erwartet, der ist um einige Jahre verrutscht. Die Original Gangsters konnten sich das damals noch nicht leisten, der «Pimp-Style» ist eher jüngeren Datums.

Gehen wir also die Punkte durch: 1-4 sind erfüllt. Den Baseballschläger lassen wir mal als rechtskonformen Ersatz für den eigentlich obligaten Colt 1911 im Kaliber .45 ACP durchgehen.

Bei den Drogen muss klar ein Punkteabzug gemacht werden. Während offensichtlich bei der Entstehung des Videos psychoaktive Substanzen im Spiel waren, im Video gibt’s nur Bier. Auch bei den beeindruckenden Fahrzeugen  verliert der Traktor gegen die amerikanischen Muscle-Cars. Ausser wir interpretieren ihn äusserst grosszügig als Zitat von Zach Galifianakis Parodie des Kanye West-Machwerks «Can’t tell me nothin‘».

(Quelle: youtube.com/Matt Werner)

Zach Galifianakis' Version von Kanye Wests «Can't Tell Me Nothing»

Ganz vorne mit dabei sind die Homies von 4057 dann wieder bei den Outfits und ansatzweise auch beim Schmuck. Und geradezu überragend ist das wilde Gefuchtel und das dazugehörige «Hardface». 

So kommen wir also auf gut gemeinte 8 Punkte auf der Dr. Dre-Skala. (dre)