Art Basel
Die kleine Schwester der Art Unlimited

An den Swiss Art Awards bekommen am Rand der internationalen Messe fünfzig Kunstschaffende eine Plattform.

Merken
Drucken
Teilen
Swiss Art Awards 2017
10 Bilder
Miriam Laura Leonardi vor ihrer Wandintsallation «i»
Übersicht über die Swiss Art Awards
Die Kunstwerke «Moon Doll» und «Candy» des in New York lebenden Baslers Tobias Madison.
«Pavillon» von den Architekten Dries Roedet und Charlotte Truwant
Anne Hildebrand und ihr Kunstwerk «Escape Routes»
Delphine Chapuis Schmitz und ihre Videoinstallation «WAITING2BGHOSTS - AGAIN»
«Door» von Flavio Merlo
«Basic Needs» von Gina Folly
«Legolas» von Yves Scherer

Swiss Art Awards 2017

HO

Sie sind als Fotografen unterwegs oder für historische Recherchen. Sie texten, unterrichten, sind Sounddesignerinnen oder verdienen ihr Brot auf dem Bau: Wenn das Bundesamt für Kultur den Medieninformationen zu den «Swiss Art Awards» eine Liste von Berufen vorausschickt, ist das ein Zeichen der Selbstreflexion: Es gibt keine einheitliche Ökonomie unter den Profis der Kunst, aber man weiss, dass nur ein Bruchteil ihres Lebensunterhalts aus der institutionellen und öffentlichen Förderung stammt.

Für elf Kunstschaffende fällt die Statistik dieses Jahr anders aus. Aus 50 Positionen sind sie mit einem Preisgeld ausgezeichnet worden. Quer durch die Medien hat sich die Jury auf qualitative Massstäbe geeinigt und entschieden, wem sie CHF 25 000 zuerkennt. Gleichgültig, ob wir den Markierungen folgen, die auf einen Preis verweisen oder ob wir selbst Juroren sind: Man muss sich immer wieder auf eine andere Leseweise einstellen.

Plastik, Installation oder Fotografie dominieren anzahlmässig über Video oder filmische Werke. Es gibt die Kojen, in denen das Bild eigenwillige Perspektiven auf die Oberflächen von Architektur und Mobiliar anbietet (Anne Hiltbrand). Man wird verführt von der Frage, wie heutige Technologien das Wunder des Fotografischen wachhalten (Manon Wertenbroek). Präzise Materialaufgebote klopfen das ganz Reale auf seinen Widersinn ab (Jean-Charles de Quillacq) oder simulieren einen Lagerraum für Kunst, die über Arbeitsbedingungen nachdenken lässt (Micha Zweifel).

Und man findet sich in der Beobachtung, dass es fast keine ganz «originalen» Ansichten mehr gibt. Dass wir gewohnt sind, die Realität gefiltert zu lesen. Digitale Vorlagen gehen in den Realismus von 3D-Prints über (Quentin Lannes), kunstgeschichtliche Referenzen, philosophische Erwägungen oder Handy-Displays liefern Partikel und Partituren zu neuen künstlerische Produktionen.

Miriam Laura Leonardi nahm eine Skizze der feministischen Künstlerin Valie Export zur Basis ihres Reliefs: An zwei Händen scheinen die Plaketten einer altmodischen Schreibmaschine hängen geblieben zu sein. Die Schrift hat den Fingerprint vertrieben, Identität ist ein bisschen Stammbaum, mehr noch das krumme Gewächs in imaginärer Landschaft.

Und es gibt auch die Unzugänglichkeit: Wer sich Einlass verschaffen will in den Ausstellungsraum von Florence Jung, stösst auf eine Kraft, die sich physisch diesem Wollen widersetzt. Schon nach dem Medienrundgang trägt die Tür die schwarze Spur von Fussabdrücken, Zeichen der Hartnäckigkeit, Unglauben, Ohnmacht. In der unsichtbaren Performance kommen wir selbst ins Spiel. Und die Kunst beisst die Hand, von der sie sie gefüttert wird.

Swiss Art Awards 2017 Messe Basel, Halle 3 (täglich bis 18. Juni). www.swissartawards.ch