«Ich habe etwas gefunden!», ruft ein kleiner Junge in einer roten Regenjacke und winkt aufgeregt. Triumphierend streckt er einen kleinen Gegenstand in die Luft und stolpert zwischen den «Grabungsstätten» der anderen Kinder durch den Sandkasten. Seine Backen sind rot vor Aufregung, die Augen leuchten: «Es ist ein Zahn.» Staunend betrachtet er den bräunlichen Gegenstand, pustet sachte den Sand weg.

Zwei Wochen lang organisiert die Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt eintägige Workshops für Kinder. Dabei graben die Kleinen selber nach Fundstücken, setzen Gefässe zusammen und schauen hinter die Kulissen des Antikenmuseums Basel. «Für die Kinder ist es eine einmalige Möglichkeit, die Archäologie kennenzulernen. Denn Fundplätze sind häufig auch Baustellen und deshalb gefährlich», sagt der Kantonsarchäologe, Guido Lassau.

In zwei grösseren Kästen graben die Kinder eifrig. Sandhügel erheben sich zwischen den Löchern. Mit Pinseln, dem archäologischen Werkzeug, der Kelle, oder von blosser Hand lassen die Kinder kein Sandkorn an seinem ursprünglichen Platz. «Wir bringen ihnen spielerisch unsere Arbeitsweise nah: suchen, freistellen und anschliessend anhand von Vergleichsstücken die Herkunft klären», sagt Lassau. So landen nicht nur ausgebuddelte Gefässstücke, sondern auch Knochen und Ziegelscherben auf dem Tisch von Dagmar Bargetzi. Mit Zeichnungen erklärt die Archäologin den früheren Gebrauch oder den Ursprung der Fundstücke. Gebisse von verschiedenen Tieren und Knochen sind auf einem Schild angebracht. Damit können die Kinder ihre Fundstücke abgleichen.

Fundstücke von den Römern

«Die Hintergründe werden spielerisch vermittelt. Es soll für die Kinder nicht Schule sein, sondern ein Erlebnis», sagt der Kantonsarchäologe Lassau. Die versteckten Gegenstände in Sand und Erde sind echt. Es sind Fundstücke aus früheren Grabungen, die nicht mehr eingeordnet werden können. Sowohl die Knochen, Gefässstücke und Ziegelscherben stammen vorwiegend aus der Zeit der Römer.

Abrupt streckt ein Junge der Archäologin Dagmar Bargetzi einen Knochen entgegen. «Der hat ein Loch», ruft er halb empört, halb verwundert. Die Erklärung, dies sei ein Röhrenknochen, nickt er eifrig ab. Seine Entdeckungsfreude ist gross: «Kommt der Knochen jetzt ins Museum?» Im Workshop kommen die Kinder mit früheren Kulturen in Berührung. Die für sie eingerichtete archäologische Fundstelle liegt gleich beim «Murus Gallicus», der keltischen Wallruine. Zudem besuchen sie die karolingische Aussenkrypta unter der Pfalz. Der unterirdische Andachtsraum sei einer der ältesten Baureste des Münsters, erklärt Guido Lassau. Mit Taschenlampen erkunden die Kinder diesen Ort.

«Es ist uns wichtig, den Kindern unsere Geschichte nahe zu bringen und ihnen einen Bezug zu ihrer Herkunft zu vermitteln», sagt der Kantonsarchäologe.

Erstmals beteiligt sich auch das Antikenmuseum am Workshop. Dort erfahren die Kinder, was mit den Fundstücken von den Ausgrabungen bis zum Museumsobjekt alles geschieht. Sie besuchen die Restauratoren bei ihrer Arbeit und besichtigen mit einem Kurator das Magazin. Zudem fertigen sie einen Gipsabguss einer Skulptur an. «Die Kinder lernen, wie vielfältig die Arbeitsschritte bei uns sind», sagt Annegret Schneider, Leiterin Bildung und Vermittlung im Antikenmuseum und in der Skulpturenhalle. Denn wer weiss, vielleicht graben sie in zwanzig Jahren Schätze aus, die es tatsächlich ins Museum schaffen.