Betrug

Die Kristallkugel hat sie verraten: Schwindlerin verkaufte Zauberwurzel für mehrere Tausend Franken

In Kleinbasel hat eine Frau sogenannte «Wunderrüben» für mehrere tausend Franken verkauft. (Symbolbild)

In Kleinbasel hat eine Frau sogenannte «Wunderrüben» für mehrere tausend Franken verkauft. (Symbolbild)

Eine 59-jährige Frau liess sich in Kleinbasel eine «Wunderwurzel» verkaufen. Dafür bezahlte sie mehrere Tausend Franken. Stutzig wurde sie erst, als ihr die Verkäuferin den Tod vorhersagte und ihr eine Fluch-Befreiung für 1000'000 Franken anbot.

Die 59-jährige Kleinbaslerin dachte sich nichts dabei, als sie sich an jenem Sommertag vor zwei Jahren von einer jungen Frau, einer Roma aus Österreich, ins Gespräch verwickeln liess. Mit der neuen Bekanntschaft setzte sie sich im «Pfauen» in der Freien Strasse an einen Tisch, und die Baslerin war sofort von der jungen Frau fasziniert. Diese verstand es, innert kürzester Zeit das Vertrauen der Kleinbaslerin zu gewinnen. Nachdem die Baslerin mit einer Bekannten zu Mittag gegessen hatte, wurde sie von der jungen Frau in der Innenstadt wieder abgepasst. Die beiden setzten sich in ein Café beim Andreasplatz und die junge Frau versprach, sie könne der 59-Jährigen bei ihren Problemen helfen. Es gebe da so eine Wurzel, die Wunder wirke. Auch der Chef der Basler Kantonalbank habe 50'000 Franken für das Mittel, das sich an den entfernten Ufern des Ganges in Indien finde, ausgegeben.

Die Kleinbaslerin bekam die angebliche Zauberwurzel für vergleichsweise günstige 3000 Franken, die sie gemeinsam mit der neuen Bekannten in der Kantonalbank-Filiale beim Spiegelhof abgehoben hatte.

Bei so viel Leichtgläubigkeit witterte die Roma ein grösseres Geschäft. Sie blieb mit der Kleinbaslerin in Kontakt, suchte sie wieder auf, um nochmals 3000 Franken für die Zauberwurzel zu verlangen – angeblich, weil sie beim ersten Mal zu wenig verlangt habe. Die Baslerin schöpfte zunächst keinen Verdacht. Erst als die junge Roma behauptete, sie habe in der Kristallkugel gesehen, dass sie und ihr Sohn ums Leben kommen würden und sie 100'000 Franken bezahlen müsse, um den Fluch zu besiegen, klingelten die Alarmglocken. Die Kristallkugel war selbst der 59-Jährigen zu viel, obwohl sie sich sogar selbst als «leichtgläubig» und «wunderfitzig» bezeichnet, wie den Gerichtsunterlagen zu entnehmen ist.

Betrügerinnen stellten eine Falle – und wurden selbst festgenommen

Die Kleinbaslerin meldete sich daraufhin bei der Polizei. Der Roma sagte sie davon nichts, machte einen Termin für die Geldübergabe beim Tinguely-Museum ab.
Eine Woche liess die Betrügerin auf sich warten, gaukelte vor, im Ausland zu sein. Diese Zeit nutzte sie, um eine Komplizin einzuschalten, die aufpassen sollte, dass sich bei der Geldübergabe keine Polizei hinter den Büschen versteckt. Am Tag der Geldübergabe erschien die 18-Jährige nicht beim Tinguely-Museum. Stattdessen beschied sie ihrem Betrugsopfer, das Geld doch zu Hause zu übergeben. Hier gingen die beiden jungen Betrügerinnen allerdings selber in die Falle und wurden von der Polizei aufgegriffen.

Heute stehen die beiden Frauen vor dem Appellationsgericht. Neu verhandelt wird das Urteil des Strafgerichts vom vergangenen November. Die Haupttäterin war zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden – dazu musste sie die 6000 Franken zurückbezahlen, die sie erschlichen hatte. Ihre Komplizin bekam eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bedingt. Die Staatsanwaltschaft hatte bedeutend höhere Freiheitsstrafen gefordert; die Verteidiger der beiden Betrügerinnen hingegen verlangten Freispruch.

Meistgesehen

Artboard 1