Marcel Tanner lässt keinen Zweifel gelten: Der Neubau für 214 Millionen Franken sei sowohl für das Staatsarchiv, das Naturhistorische Museum wie auch die Stadt Basel die beste Lösung. Es ist ein flammendes Plädoyer des Präsidenten der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz für ein Ja am 19. Mai.

Mit dem Neubau könnten Synergien genutzt werden. Zudem seien sich die Institutionen sehr ähnlich. Beide Häuser seien entscheidend, um die Stadt und die Natur zu verstehen, meint Tanner. «Der gemeinsame Neubau ist deshalb die richtige Entscheidung. Würden beide Institutionen selber bauen, wären die Investitionen und auch die Betriebskosten noch höher.»
Genau diese kritisieren SVP und Teile der FDP, die das Referendum gegen den klaren Grossratsentscheid ergriffen haben. Die hohen Kosten seien unter anderem durch das grosse Volumen und die vier unterirdischen Stockwerke begründet, durch die das Staatsarchiv und das Museum «dringend nötigen» Platz erhielten, erklärt SP-Grossrat Sebastian Kölliker.

Das neu gegründete Komitee «Ja zum Museum und Archiv» hat bereits gegen 100 Mitglieder. Präsident Marcel Tanner ist sich bewusst, dass vieles, was zu diesen hohen Kosten führt, für die Öffentlichkeit nur schwer sichtbar und deshalb schwer verständlich ist. «Ein Archiv und ein Museum haben hohe Anforderungen an Technik, Lüftung und Kühlung. Das wird oft unterschätzt.»

Genau diese Rahmenbedingungen seien an den bestehenden Standorten nicht mehr gegeben, warnt Komitee-Co-Präsidentin Esther Keller. Es sei nicht übertrieben, wenn gesagt werde, dass Kulturgüter in Gefahr seien, stellt die Historikerin und Autorin klar. Der jetzige, 120 Jahre alte Bau des Staatsarchivs sei nicht mehr zeitgemäss und biete für die jährlich 300 Laufmeter zusätzlicher Akten zu wenig Platz.

Für Sebastian Kölliker, der nach eigenen Angaben in der Bau- und Raumplanungskommission des Grossen Rats der Verwaltung genau auf die Finger schaut, sind die 214 Millionen Franken «für den Mehrwert, den wir über Generationen hinaus bekommen», vertretbar. «Das Staatsarchiv und das Museum erhalten über 40 Prozent mehr Fläche. Der Betrieb wird effizienter, und das Museum erhält neue Ausstellungsmöglichkeiten.»

Sonderausstellungen unmöglich

Tanner erinnerte daran, dass diverse Sonderausstellungen im jetzigen Berri-Bau nicht möglich seien und unzählige Objekte aus Platzgründen nur ungenügend aufbewahrt werden könnten. Bei einer Sanierung des Berri-Baus würde das Naturhistorische Museum zwischen 30 und 40 Prozent seiner Fläche verlieren, weil das Gebäude an heutige Standards angepasst werden müsste, erklärt Kölliker.

Zudem wäre das Museum während rund fünf Jahren geschlossen. Eine etappenweise Sanierung wäre noch teurer, versichert Marcel Tanner. Und auch das Argument der Gegner, der Vogesenplatz im St. Johann sei zu wenig zentral, lässt das Komitee nicht gelten. «Das Gebiet hier ist sehr gut erschlossen, und der Neubau würde städtebauliche Akzente setzen.»