Die aktuellen Temperaturen kombiniert mit der seit Wochen andauernden Trockenheit setzen der regionalen Tier- und Pflanzenwelt ziemlich zu. Erinnerungen an den Hitzesommer 2003 werden wach. Tatsächlich dürfte der Juli sogar heisser und vor allem deutlich trockener ausfallen als vor 15 Jahren. Und der Trend hält an: Bis nächste Woche sind Temperaturen zwischen 32 und 35 Grad prognostiziert. Regen ist bis auf weiteres abgesehen von kurzen Wolkenbrüchen nicht in Sicht.

«Die Lage ist angespannt», sagt Emanuel Trueb von der Stadtgärtnerei. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nahezu nur noch mit Bewässerungsarbeit beschäftigt und es müssen Prioritäten gesetzt werden. «Wir konzentrieren uns auf Jungbäume, Blumenrabatten, die Gräber auf den Friedhöfen und die Rasenflächen, die am meisten von der Bevölkerung genutzt werden, vor allem in den grossen Parkanlagen», sagt Trueb. Angesichts der Trockenheit arbeiten die Stadtgärtner mit der Stadtreinigung zusammen. Statt die Strassen zu abzuspülen, werden mit deren Schwemmwagen nun die Hecken gegossen.

Warnung vor fallenden Ästen

Der Hitzesommer 2003 forderte über Jahre hinaus seinen Tribut. Viele Bäume erholten sich nicht mehr und mussten ersetzt werden. Teilweise mussten ganze Strassenzüge von Birken gefällt werden. Auch jetzt sagt Trueb: «Die eigentlichen Auswirkung des aktuellen Wetters werden wir erst in den kommenden Jahren sehen.» Bäume würden nicht direkt sterben, allerdings würden sie bei Wassermangel ihr Geäst nur noch ungenügend versorgen können. Aufgrund der aktuellen Lage warnt er vor dem Aufenthalt unter grossen Bäumen mit ausladenden Ästen. «Das Risiko von plötzlichen Astabbrüchen ist auch bei gesunden Bäumen gross.»

Gleichzeitig ist die Stadtgärtnerei schon seit längerem daran, ihr Baumsortiment an den Klimawandel und die miteinhergehenden Extremtemperaturen anzupassen. «Ein solcher Sommer macht ziemlich schnell deutlich, welche Baumarbeiten keine gute Zukunft mehr haben», sagt Trueb. So werden mittlerweile auch verstärkt trockenheit- und hitzetolerante Baumsorten aus dem Mittelmeerraum oder Asien und Amerika angepflanzt, die dann wiederum sehr sensibel auf kalte Winter und grosse Schneemengen reagieren können. «Seit 2003 arbeiten wir bei grossen Baumneupflanzungen ausserdem vermehrt mit einem unterirdischen Bewässerungssystem oder Wassersäcken», sagt Trueb.

Zurückhaltung beim Füttern

Auch der Tierwelt machen die Temperaturen zu schaffen. In den sozialen Medien kursiert seit Tagen ein Aufruf, man solle im Garten Wasserschalen für Vögel, Nager und Igel aufstellen. «Für die Igel kann es wirklich sehr kritisch werden», sagt Michael Wüst vom Tierschutz beider Basel. Vor allem weil die Trockenheit die Regenwürmer in tiefere Bodenschichten treibt. Allerdings rät er zur Vorsicht. Allenfalls könne man Nahrung in einem speziellen Futterhäuschen bereit stellen, «sonst zieht man streunende Katzen an».

Auch Urs Tester von Pro Natura schätzt die Lage als nicht dramatisch ein. «Igel finden in Siedlungsgebieten immer noch genügend Feuchtigkeit, etwa in Blumentöpfen oder Gartenteichen.» Bei der Fütterung von Wildtieren sei er generell zurückhaltend, denn dies würde zu Abhängigkeit führen. «Diese Idee ist oft die Übertragung unserer Bedürfnisse auf die Tierwelt.» Stattdessen solle man grundsätzlich seinen Umgang mit Energie und die Art und Weise überdenken, wie man lebt: «Das hilft zwar nicht direkt dem Igel im Garten, würde aber längerfristig mehr bringen», sagt Tester.