Landhof
Die Landhof-Projekte wurden ohne Zensur der Öffentlichkeit präsentiert

An der öffentlichen Jurierung der 5 verbleibenden Projekte zur Neugestaltung des Landhofs war der Umgangston zum Teil ruppig. Die ursprünglich von der Jury vorgesehene Zensur von Medienberichten wurde nicht durchgesetzt. Das gefiel nicht allen Jury-Mitgliedern.

Pascale Hofmeier
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An den Stellwänden waren alle 49 Wettbewerbsbeiträge ausgestellt, diskutiert wurden nur noch fünf.

An den Stellwänden waren alle 49 Wettbewerbsbeiträge ausgestellt, diskutiert wurden nur noch fünf.

Heinz Dürrenberger

Fussballfeld, Garten, Spielplatz: Der Grün- und Freiraum Landhof und seine Zukunft bewegen Basel. Weil das Interesse an der Grünfläche im Wettsteinquartier gross ist, lud das Bau- und Verkehrsdepartement am Montag zur öffentlichen Jurierung des Projektwettbewerbs Landhof.

Rund 30 Leute scharten sich in der BLG-Lagerhalle auf der Erlenmatt um die erste Stellwand. Es sind neben der Jury Verwaltungsmitarbeiter, Nutzervertreterinnen und -vertreter sowie einige Privatpersonen. Von 39 anonym eingereichten Projekten stehen noch fünf zur Diskussion. Zuerst würdigt und kritisiert jeweils ein Referent das Projekt. Eines will den Landhof in eine verwunschene Waldlichtung umgestalten. Ein Jurymitglied kritisiert die künstlichen Wege, das nächste vermisst die Fussballvergangenheit und der Dritte bemängelt die Lage des Pavillons. Derweil finden die Nutzer, der Vorschlag entspreche ihren Bedürfnissen.

Zeitweise Polarisierung

Eine Stellwand weiter wird die Diskussion heftiger. Während ein Jurymitglied die Idee, den Gemeinschaftsgarten zu betonen und den Pavillon, der als Quartiertreffpunkt und Kaffee dienen soll, zu verkleinern, als «poetischen Ansatz», «mutig» und «zukunftsorientiert» bezeichnet, empfinden es Nutzervertreter als arrogant, dass der Vorschlag nicht den Vorgaben entspricht.

In der weiteren Diskussion zeigt sich deutlich: Während die Fachpersonen den gestalterischen Gesamteindruck sowie die Qualität der Idee und deren Umsetzung im Vordergrund sehen, betonen die Nutzervertreter eher praktische Aspekte. Das unterschiedliche Verständnis führt zu einer kurzzeitigen Polarisierung. Den Laien fehle das Verständnis, lautet der O-Ton. Prompt nimmt dies eine Frau persönlich: «Ich fühle mich als Laie nicht respektvoll behandelt.» Baudirektor Hans-Peter Wessels greift schlichtend ein: «Alle fünf verbleibenden Projekte haben eine hohe Qualität, ich habe noch keine Lieblinge.»

Entscheid wird am Dienstag kommuniziert

Bei einem nächsten Projekt, das den Landhof teilweise der Natur überlassen möchte, wird definitiv klar: Die Jury entscheidet weniger über Details, als über eine Grundhaltung: Soll der Landhof ein Stadtpark werden oder eher den Charakter eines Quartier-Hinterhofs haben?
Auf welches Projekt sich die Jury geeinigt hat, wird heute Dienstag kommuniziert. Gefällt wurde die Entscheidung unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Versuch: wirrer Umgang mit der Öffentlichkeit

Strenge Regeln wurden für die erste öffentliche Jurierung in Basel angekündigt: telefonieren, fotografieren, den Jurymitgliedern Fragen stellen und Details über die Projekte kommunizieren sei strikte verboten, jede Berichterstattung den Verantwortlichen vorzulegen (bz vom Montag).
Zur Mittagspause platzte einem Jury-Mitglied der Kragen: Unsäglich sei es, dass überhaupt Medien anwesend seien. Bei öffentlichen Jurierungen in Zürich seien Medien nicht zugelassen, es gelte eine Sperrfrist für Berichte. Die Befürchtung dahinter: Durch die Berichterstattung würde die Jury in ihrer Meinung beeinflusst und die Regeln für Architekturwettbewerbe würden verletzt. Während dieses Exkurses gab ein Mitglied der Begleitgruppe vor der Kamera Auskunft über das Gesehene und Gehörte.
Vollends verwirrend gestaltete sich die Situation am Nachmittag, als einzelne Fotografen in der Lagerhalle auftauchten und die Projektskizzen ablichteten. Angesprochen auf die geänderten Regeln zeigte Baudirektor Hans-Peter Wessels Verständnis für die Vorbehalte der Jurymitglieder. Aber: «Das Hauptanliegen ist, dass die Jury nicht beeinflusst wird. Einige befürchten, die Jury getraue sich nicht mehr, frei ihre Meinung zu sagen.» Diesen Eindruck habe er nicht gehabt, das öffentliche Interesse sei gerade bei diesem Projekt sehr gross. Und die Frage, welche Regeln denn nun zum Schluss gelten, beantwortete Wessels mit: «Schreiben Sie, was Sie wollen.» Das sei hiermit getan. (hpa)

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