Euro-Airport
Die langen Warteschlangen am Flughafen verärgern Reisende

Jeder ankommende Passagier muss sich am Euro-Airport einer Passkontrolle unterziehen. Das führt oftmals zu langen Warteschlangen. Statt wie in Zürich höchstens fünf Minuten kann es vorkommen, dass Reisende länger als eine halbe Stunde warten.

Peter Schenk
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Ein erster Pilotversuch mit einer automatisierten Kontrolle der Pässe fand auf dem Flughafen Zürich ab Dezember 2010 für sechs Monate statt (Foto). Derzeit läuft ein weiterer mit der voraussichtlichen Umsetzung 2017.

Ein erster Pilotversuch mit einer automatisierten Kontrolle der Pässe fand auf dem Flughafen Zürich ab Dezember 2010 für sechs Monate statt (Foto). Derzeit läuft ein weiterer mit der voraussichtlichen Umsetzung 2017.

REUTERS

Samstag, gegen 13.30 Uhr auf dem Euro-Airport (EAP). Der Flieger von Easyjet landet auf die Minute pünktlich, die Ferien auf Sardinien waren ein Erfolg, die Laune gut und dann ging auf einmal eine gute halbe Stunde überhaupt nichts mehr. Eine lange Schlange staute sich vor den Kontrollkabinen von Basler Grenzwacht und französischer Grenzpolizei noch vor der Gepäckausgabe – drei waren besetzt. Diejenigen mit dem blauen Symbol und gelben Sternen für Bürger aus EU- und Schengenländern blieben geschlossen. Jeder Reisende musste Pass oder ID und sogar die Bordkarte vorweisen. Das dauert.

Ähnlich lange musste eine Redaktionskollegin vorletzten Freitag bei der Heimreise aus Budapest warten. Auch letzten Donnerstag bildete sich vor den Schaltern eine grosse Traube. Der Kollege, der über das FCB-Spiel in London berichtete und Heim kam, ist sich allerdings nicht sicher, ob mehr als drei Schalter offen waren; es ging ein bisschen schneller.

Systematische Kontrollen

Vivienne Gaskell, EAP-Mediensprecherin, ist die Problematik bekannt. Der Grund: «Seit den Attentaten vom November 2015 in Paris gibt es im Rahmen des Ausnahmezustands systematische Ausweiskontrollen für alle Flüge bei der Ankunft.» Schon vor den Sommerferien habe der Flughafen die Kontrollstellen dort quasi verdoppelt, «da wir gemerkt haben, dass es insbesondere zu den Spitzenzeiten zu Engpässen kommt.»

Gab es früher zwei Kabinen à zwei Plätzen mit zwei provisorischen zusätzlich seien es nun vier Kabinen mit einer Gesamtzahl von acht Plätzen. «Bei den Spitzenzeiten setzen wir zusätzliches Personal ein, das die ankommenden Passagiere schnell auf die freien Kabinen orientiert. Seit der Erklärung des Ausnahmezustandes teilen wir den Behörden auch den täglichen Flugplan im Voraus mit, inklusive die Passagierzahlen und erwartete Spitzenzeiten für den kommenden Tag.» Allerdings könne es bei verspäteten Ankünften oder Unvorhergesehenem im Flugbetrieb zu Verschiebungen kommen.

Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Grenzwachtregion Basel, verweist darauf, dass die Grenzwacht die französischen Behörden bei den seit November 2015 beschlossenen zusätzlichen Kontrollen unterstützt. «Das Vorgehen entspricht der Schengenkooperation und dem bilateralen Polizeiabkommen Schweiz-Frankreich. Diese befristeten Massnahmen wurden zwischenzeitlich mehrfach durch Frankreich verlängert.»

Der Basler LDP-Grossrat Heiner Vischer kam am Samstag auch am EAP an und stand in der gleiche Schlange wie der Journalist. Er kommentiert: «Für Flugpassagiere ist das natürlich ärgerlich und lästig. In Zürich wartet man höchstens fünf Minuten. Für den Euro-Airport sind lange Wartezeiten eine Attraktivitätsminderung.» Vischer fragt sich, ob nicht mehr Schalter geöffnet werden könnten. «Offensichtlich haben die französische Grenzpolizei und die Schweizer Grenzwache nicht genügend Leute.»

Gantenbein sagt dazu: «Das Grenzwachtkorps arbeitet mit den Personalressourcen, welche von der Politik zugestanden werden. Diese setzen wir so optimal wie möglich ein, um alle an uns gestellten Aufgaben bewältigen zu können.»

In Zürich ist man schon weiter

Als Alternative verweist Vischer auf London und USA: «Dort ist die Kontrolle automatisiert. Man legt den Pass auf ein Gerät und muss in eine Kamera schauen. Das geht ziemlich schnell. Ein ähnliches System fände ich für den EAP sehr wünschenswert.» In Zürich wird die automatisierte Kontrolle nach Angaben der Kantonspolizei, die für die Kontrollen auf dem Flughafen zuständig ist, voraussichtlich 2017 eingeführt. Derzeit läuft ein Pilotprojekt mit einem modernisierten System. Ein erster sechsmonatiger Versuch ab Dezember 2010 (Foto) war wegen mangelnden Erfolgs abgebrochen worden.

EAP-Mediensprecherin Gaskell sagt dazu: «Das wäre sicher eine Verbesserung und ist mit den französischen Behörden angedacht. Allerdings gibt es zur Zeit keine konkreten Pläne.» Dass die lange Wartezeit für Basel wie den EAP eine schlechte Visitenkarte ist, sieht sie genauso. Gerade deshalb habe der Flughafen die Kontrollstellen erhöht. Eine Anfrage bei der Colmarer Präfektur blieb unbeantwortet.