Ihre Grossräte sind überdurchschnittlich alt, die Partei selber ist die letzte ihrer Art im Land. Ist die Basler LDP vom Aussterben bedroht? Man könnte es so sehen.

Politisch gibt es keine Argumente, als Einzelmaske weiter zu bestehen. Alle anderen Kantonalparteien haben längst mit der anderen liberalen Partei fusioniert. Denn die FDP und die LDP unterscheiden sich kaum. Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung, wirtschaftsfreundlich. Die Fusionen waren ein logischer Schritt.

Dennoch: Die LDP Basel lebt! Und sie wird weiterleben. Sie ist Ausdruck für eine baslerische Eigenart, anders zu sein als die Schweiz. Aber es ist nicht nur das, es ist vor allem die Geschichte der hiesigen LDP, die ihre Existenz auch heute noch legitimiert – wenn auch nicht aus politischer Sicht. Es ist eine gesellschaftliche Frage, ob es die LDP noch braucht. Die Antwort ist: ja.


Die wichtigsten Köpfe der Partei



Offen für Glamour und Gewerbe

Lange war die LDP die Partei des Daigs und des privaten Sozialengagements. Die Bindung zur Christoph Merian-Stiftung, die für das soziale Basel unverzichtbar ist, ist heute noch stark. Und auch heute noch ist man, wenn man Vischer oder Faesch heisst und politisieren will, meistens bei der LDP.

Doch die Partei öffnet sich immer mehr; nicht nur für Bürger mit gewöhnlichen Nachnamen, auch für Leute mit Berufen, die ohne «lic. iur.» auskommen. 



Viele Neumitglieder, die für das Parlament kandidieren, wären auch in der FDP bestens aufgehoben: Ein Gärtner ist dabei, ein Elektroinstallateur, eine Wirtin. Gewerbler, die aber offenbar das Image der FDP scheuen und sich nicht in der Liga der Hemdsärmeligen sehen. Auch Lokalpromis tauchen auf der Liste auf, Menschen, die bis jetzt politisch nicht einzuordnen waren. Das langjährige Telebasel-Gesicht Diana Bevilacqua etwa, Illustrator Urs «Däge» Degen, Künstler Felix Stern. 

Das Spektrum der Mitglieder ist breiter als in anderen Parteien. So ist es in der LDP erlaubt, auch mal auszuscheren und sich nicht an die Parteilinie zu halten. Intern dürften solche politischen Exkurse zu Diskussionen führen, gegen aussen gibt man sich: liberal. Die Vielfalt der Themen, welche die LDP umtreiben, spiegelt sich in der Wortwolke: Von Toleranzzonen für Prostituierte über Museen bis zu Menschen ganz allgemein ist von allem etwas dabei. Es ist nicht Willkür, die zu diesem Potpourri führt, sondern eine Offenheit, sich der Aktualität zu widmen. Wobei sich die Liberalen dabei auf ihre Werte besinnen und staatskritisch und wirtschaftsliberal stimmen.

 
Darüber redet die LDP:

Die Daten stammen aus den Vorstössen der LDP-Grossräte.



Taub für konkrete Wahlthemen

Von daher weiss der Bürger, was er bekommt, wenn er LDP wählt. Will er es genau wissen, wird er enttäuscht: Bisher hat sich die LDP nicht dazu durchgerungen, mit konkreten Themen in den Wahlkampf zu steigen. Und bleibt sich die Partei treu, sind auch in den nächsten Wochen keine konkreten sachpolitischen Aussagen zu erwarten.

Ende der 90er-Jahre ging die damals noch existente Mutterpartei LPS so weit, sich zu weigern, ein Wahlkampfthema zu definieren. Solche Koketterien gibt es hier nicht. Trotzdem mutet es arrogant an, sich nicht klar zu positionieren und sich mit der Devise zu begnügen: Uns wählt man aus Tradition. Obwohl es der Wahrheit entspricht.

or vier Jahren konnte die Fraktion einen Sitz dazugewinnen. Im Herbst 2015 hat Christoph Eymann der FDP den Nationalratssitz weggeschnappt. Niemand zweifelt daran, dass Musterknabe Conradin Cramer in den Regierungsrat gewählt wird. Mit Patricia von Falkenstein hätten die Liberalen eine weitere Kandidatin mit guten Chancen aufstellen können. Basel muss sich bei der Zusammensetzung der Regierung ja an keine Zauberformel halten.

Trotzdem traut man sich offenbar nicht, einen zweiten Sitz anzustreben wie noch vor wenigen Jahren mit Ueli Vischer und Christoph Eymann. Gescheiter wäre es aber, denn der erstmalige Schulterschluss mit der SVP könnte sich als Fehler erweisen – gerade für die Liberalen, deren Stammwähler sich zwar als klassische Bürgerliche verstehen, bestimmt aber nicht als Rechte.

Doch die Angst vor einer weiteren rot-grün dominierten Legislatur trieb auch die LDP ins Bett der SVP. Es mangelt nicht nur ihr an Selbstvertrauen, sondern allen bürgerlichen Parteien. Diese haben im Gegensatz zur LDP aber den Basler Bonus nicht, sie gibt es auch in der Schweiz. 

Dort wiederum hat es die LDP als reine Basler Partei schwer, Fuss zu fassen. Es ist ihr jetzt mit Eymann im Nationalrat zwar gelungen; ein Bundesratssitz aber wäre undenkbar. Wohl deshalb wechselte der ambitionierte Regierungsrat Baschi Dürr als junger Grossrat zur FDP. Er ist eine Ausnahme: Wer einmal bei den Liberalen ist, bleibt meist dort. Oftmals aus gesellschaftlichen Gründen.

Die LDP wird ihre zehn Grossratssitze voraussichtlich verteidigen können.