Elektrobusse

Die Linke macht den BVB ein Angebot, das diese nicht ausschlagen können

Ab Herbst soll der VDL Citea SLFA-180 Electric in Basel unterwegs sein – dann natürlich im BVB-grün.

Ab Herbst soll der VDL Citea SLFA-180 Electric in Basel unterwegs sein – dann natürlich im BVB-grün.

Die BVB wollen dieses Jahr einen vollständig elektrisch betriebenen Bus testen. Obwohl der Elektrobus teurer als ein Dieselbus ist, muss das Parlament den Entscheid der BVB absegnen.

VDL Citea SLFA-180 Electric heisst der neuste Bus im Fuhrpark der Basler Verkehrsbetriebe (BVB). Das 18 Meter lange Fahrzeug, mit dem unter anderem die Stadt Köln schon gute Erfahrungen sammelte, könnte der sehnlichst erhoffte «Bus der Zukunft» werden. Ab Herbst wollen die BVB mit dem Testbetrieb den ersten Schritt in eine emissionsfreie Zukunft unternehmen.

Wobei: Die künftige Technik hat noch ihre Mängel. Rund drei Tonnen wiegen die Akkus, welche der Elektrobus aus Holland auf seinem Dach mit sich schleppt. Die maximale Reichweite liegt bei 130 Kilometern. In der Realität dürften die Einsatzstrecken deutlich kürzer ausfallen, nicht zuletzt um die Batterien durch regelmässiges Entladen nicht zu strapazieren. «Der Bus wird jeweils fünf bis maximal sechs Stunden unterwegs sein», sagt Projektingenieur Marc Oggier.

Anschliessend fährt er für eine 30-minütige Schnellladung in die Garage Rank. Entsprechend soll der Elektrobus täglich in zwei Schichten zu den Spitzenzeiten am Morgen und Abend als Einsatzkurs unterwegs sein. Um einen umfassenden Eindruck zu kriegen, werden nacheinander alle Linien der BVB abgefahren.

Elektro ab 2020 oder erst 2027?

Das Erstaunliche: Die meisten Verkehrsunternehmen setzen auf Busse, die unterwegs an Haltestellen via Schnellladesystem mit Energie versorgt werden, während die Passagiere ein- und aussteigen. Davon hält Oggier nicht viel: «Wir sind überzeugt, dass Nachladen im Depot zielführender ist.» Das andere System sei nur eine Übergangslösung. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Batterien den ganzen Tag halten», ist auch Technikleiter Marcel Kuttler überzeugt.

Doch genau diese Frage ist politisch hochbrisant. Denn die BVB müssen in näherer Zukunft in zwei Etappen ihre gesamte Busflotte ersetzen. Die erste Tranche – über 50 Busse – wird zwischen 2020 und 2022 besorgt. Die zweite Hälfte fünf Jahre später. Spätestens dann müssen die Fahrzeuge laut dem öV-Gesetz zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien fahren, fossile Brennstoffe fallen also weg. «Die Chance, dass die technologische Entwicklung bis zur Beschaffung 2027 für uns reicht, ist sehr gross», sagt Kuttler.

Doch bei der nächsten grossen Busbeschaffung seien noch alle Varianten möglich, sagt der Leiter Technik. Eine Studie soll Klarheit verschaffen. «Letztlich wird es eine Frage sein zwischen Ökologie und Ökonomie. Die Finanzierung wird ein Thema sein.» Denn der Elektrobus ist mit rund 800'000 Franken teuer als ein Dieselbus (670'000 Franken). Dazu kommt noch das Ladesystem von 300'000 Franken. Die BVB versucht deshalb, beim Bund verschiedene Fördertöpfe anzuzapfen.

Finanzielle Unterstützung

Letztlich muss das Parlament den Entscheid der BVB absegnen. Dass die BVB nochmals 50 Dieselbusse anschaffen könnten, ist vor allem für linke öV-Politiker ein Albtraum. Im Hintergrund laufen deshalb Bemühungen, bereits jetzt die Richtung vorzuspuren. Die Idee: Der BVB sollen zusätzliche Mittel in Aussicht gestellt werden, damit diese sich bereits 2020 für die elektrische Variante entscheiden. Im Fokus haben die Verkehrspolitiker die kantonale Förderabgabe. Rund 30 Millionen Franken kann die Regierung jährlich aus diesem Topf in weitgehend eigener Kompetenz vergeben.

Auch der Leistungsauftrag für die BVB und die damit verbundenen Gelder sollen entsprechend angepasst werden. Recherchen der bz zeigen: Eine provisorische Motion für die Umstellung auf elektrische BVB-Busse ist bereits verfasst. Falls diese im Grossen Rat keine Mehrheit finden sollte, ist sogar eine entsprechende Volksinitiative für Elektrobusse eine Möglichkeit.

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