Wittlingerstrasse
Die Luxussanierung an der Wittlingerstrasse ist kein Einzelfall

An der Basler Wittlingerstrasse 130 sollen der Pensionskasse gehörende Wohnungen luxussaniert werden. Den Mietern wurde gekündigt. Sie wehren sich nun mit einer Petition. Dass eine Pensionskasse ihre Liegenschaften teuer saniert und dann komplett neu vermietet, ist kein Einzelfall. Im Kleinbasel kommt es zu einer weiteren Massenkündigung.

Hans-Martin Jehrmann
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Das Wohnhaus an der Wittlingerstrasse 130 in Basel.

Das Wohnhaus an der Wittlingerstrasse 130 in Basel.

Kenneth Nars

1600 Baslerinnen und Basler wehren sich mit einer am Montag eingereichten Petition gegen die Totalsanierung eines Wohnblocks an der Wittlingerstrasse im Rankhof-Gebiet. Die Eigentümerin, die Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS), will den 1970 erstellten Wohnblock für 6,7 Millionen Franken erneuern und hat deshalb vor Jahresfrist sämtlichen 28 Mietparteien gekündigt. Dagegen wehren sich sieben auf dem Rechtsweg. Das Basler Zivilgericht wird am 7. Februar, also Ende nächste Woche, urteilen.

Mietpreiserhöhung offenlegen

Oft werden bei einem Mieterwechsel die Mietzinsen massiv erhöht. Diesen Mechanismus will in Basel der Mieterverband (MV) aushebeln. Er fasst eine Initiative ins Auge, welche die Offenlegung von Mietzinserhöhungen verlangt. «Ein obligatorisches Formular schafft Transparenz und beugt Spekulationen vor», sagt MV-Geschäftsführer Beat Leuthardt. Die Forderung ist nicht neu: Erst vor zehn Tagen hat der Grosse Rat einen gleichlautenden Vorstoss von SP-Chef Martin Lüchinger abgelehnt. Die Regierung wäre bereit gewesen, das Anliegen zu erfüllen. Rot-Grün bringt das Anliegen also auf anderem Wege nochmals aufs Tapet - und hat beste Chancen auf Erfolg: Im Kanton Zürich haben die Stimmberechtigten im November eine Initiative zur Einführung eines Mietzinsformulars mit einem Ja-Anteil von 52 % gutgeheissen. (haj)

Der Fall ist tragisch: Viele der Mieter haben als Buschauffeure, Polizisten und Reinigungskräfte ihr halbes Leben für den Kanton gearbeitet - und werden nun just von jener Institution auf die Strasse gestellt, der sie jahrelang Vorsorgebeiträge einbezahlt haben: der staatlichen Pensionskasse. Er könne verstehen, dass das Haus saniert werden müsse, sagt Manfred Gurtner, einer der sieben ausharrenden Mieter. Auch wäre er bereit gewesen, nach der Sanierung «300 oder auch 400 Franken» mehr hinzublättern. In seiner 85 Quadratmeter grosse Vierzimmerwohnung lebt Gurtner heute für preisgünstige 1200 Franken pro Monat.

Mieten in Zukunft doppelt so hoch

«Leider sind die Behörden in keinster Weise auf uns eingegangen», bedauert der pensionierte Kriminalpolizist. Laut den Baubewilligungs-Unterlagen wird der durchschnittliche Mietpreis an der Wittlingerstrasse 130 künftig doppelt so hoch sein wie heute. Beat Leuthardt, Geschäftsführer des Basler Mieterverbands, hält die massive Verteuerung der Mieten für willkürlich. «Die Pensionskasse sollte sich verhalten wie eine Genossenschaft, nicht wie ein Gross-Investor.» Leuthardt verweist auf ein Beispiel, wie man es «auch machen könnte». An der Hirzbrunnenstrasse 130 hat die Wohngenossenschaft Chrischona vor kurzem ein Haus mit ähnlichem Grundriss und Alter saniert. 200 Franken pro Monat haben die sanierten Wohnungen aufgeschlagen.

Allerdings: Dass eine staatliche Pensionskasse eine Liegenschaft teuer saniert und sie dann komplett neu vermietet, ist kein Einzelfall. Just zur gestrigen Petitionsübergabe ist an einem anderen Ort im Kleinbasel ebenfalls eine Massenkündigung bekannt geworden: Am Burgweg in Nachbarschaft zum Sudhaus haben 45 Parteien in Zwei- und Dreizimmerwohnungen sowie etliche Mieter von Mansarden, Ateliers und Werkstätten die Kündigung per Ende September 2013 erhalten. Die Eigentümerin, die Basellandschaftliche Pensionskasse (BLPK), will die dortigen Bürgerhäuser von 1897 für 10 Millionen Franken erneuern. Roland Weiss, Mitglied der BLPK-Geschäftsleitung, bestätigt Informationen der bz.

«Keine Luxuswohnungen»

Wie in der Wittlingerstrasse sei es am Burgweg nicht möglich, den Umbau in bewohntem Zustand durchzuführen. «Das werden keine Luxuswohnungen», beteuert Weiss. Zeitgemässe Grundrisse und Wohnstandards seien nötig; die letzte Gesamtsanierung sei 34 Jahre her. Es tue ihm leid für die Mieter, sagt Weiss, fügt dann aber an: «Für uns gibt es keine Alternative. Eine marktkonforme Rendite gehört dazu, um die Anlageziele zugunsten der Versicherten zu erreichen.»