Auf ein Schwergewicht im Kampf gegen die Sperrung der Mittleren Brücke für den motorisierten Individualverkehr war stets Verlass: auf den ehemaligen Direktor der Manor-Filiale an der Greifengasse. Der 2008 abgetretene Thierry Rueff vertrat vehement die Ansicht, dass das Kleinbasel unter der Sperrung der Mittleren Brücke leiden würde, wenn im Gegenzug im Kleinbasel kein neues Parkhaus gebaut wird.

Mit dem Generationenwechsel im Traditionshaus hat sich die politische Positionierung um 180 Grad gedreht. Gegenüber dem «Sonntag» sagt Manor-Sprecherin Elle Steinbrecher: «Manor ist für eine autofreie Innenstadt mit Mittlerer Brücke. Wir sind überzeugt, dass das Kleinbasel durch eine autofreie Mittlere Brücke aufgewertet und attraktiver wird.» Der vor knapp zwei Jahren angetretene Direktor Thomas Bretscher will selber keine Auskunft geben, lässt aber ausrichten, dass es sich dabei auch um seine persönliche Meinung handle. Dies ist ein Indiz dafür, weshalb die IG Kleinbasel (IGK) so lange mit der Lancierung ihrer angekündeten Initiative gegen die Sperrung der Mittleren Brücke für den Autoverkehr zögert.

Verkehr oder kein Verkehr?

Bretscher hat einen Rat seines Vorgängers Rueff befolgt. Er sieht es ebenfalls als seine Pflicht an, sich als Warenhausdirektor über den eigenen Laden hinaus zu engagieren und etwa in der IGK oder Pro Innerstadt mitzuarbeiten. Im IGK-Vorstand vertritt Bretscher jedoch nicht die Position seines Vorgängers. Es ist davon auszugehen, dass er ein Gegengewicht zum IGK-Präsidenten Peter Winiker darstellt. Winiker sieht eine autofreie Mittlere Brücke als Problem, da dadurch das Kleinbasel abgeschnitten werde: «Brücken sind dazu da, um zu verbinden und nicht zu trennen.» Bretscher hingegen sieht die Sperrung als attraktive Aufwertung.

Das Umdenken, das im IGK-Vorstand zumindest teilweise einsetzt, hat der Detailhändlerverein Pro Innerstadt bereits hinter sich: Früher bekämpfte dieser eine autofreie Innenstadt pointiert, im September warb der neue Geschäftsführer Mathias Böhm gemeinsam mit Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) für die Verkehrsmassnahmen.

Ohne Unterstützung der Detailhändler kämpfen die Gegner einer autofreien Innenstadt auf verlorenem Posten. Geplant ist, dass die Fahrverbotsschilder Mitte 2013 aufgestellt werden.