Wirtschaft
Die MCH Group AG im Strategie-Dschungel: Hohe Defizite, irritierte Aktionäre und die Hallenpläne

Die Basler MCH Group AG muss sich vor ihren Aktionären rechtfertigen. Kurz vor der ausserordentlichen Generalversammlung diese Woche beantwortet sie bereits kritische Fragen der AMG Group. In diesem Zug werden auch Zahlen zu den Defiziten der Grand Basel und in Lausanne publik.

Andreas Schwald
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Die Strategie infrage gestellt: Die MCH Group AG wird sich an einer ausserordentlichen Generalversammlung diese Woche vor kritischen Aktionären rechtfertigen.

Die Strategie infrage gestellt: Die MCH Group AG wird sich an einer ausserordentlichen Generalversammlung diese Woche vor kritischen Aktionären rechtfertigen.

Martin Töngi

Finanziell war die Luxusautomesse Grand Basel ein Desaster. Wie die MCH Group AG in der Beantwortung von 39 kritischen Fragen aus dem Aktionariat am Montag schreibt, resultierte beim Versuch, die Autosammler anzusprechen, ein Defizit von 27,8 Millionen Franken. Hinzu kamen Abschreiber der Standbauten in der Höhe von 6,8 Millionen Franken.

Ebenfalls publik wurden erstmals die Zahlen des Engagements in Lausanne. Dort war die MCH Group AG über eine Tochtergesellschaft am Palais Beaulieu Lausanne beteiligt. Aus dem Engagement hat sich die Gruppe mittlerweile weitgehend zurückgezogen. Nach Angaben des Verwaltungsrats beträgt der kumulierte Verlust der MCH Group AG in Lausanne in den insgesamt zehn Jahren 2010 bis 2019 35,6 Millionen Franken. Dazu kommt die Sanierung der Pensionskasse in der Höhe von weiteren 9 Millionen Franken sowie Rückstellungen von 6,1 Millionen Franken für ausstehende Mietkosten. Das ergibt ein Gesamtdefizit von 50,1 Millionen Franken.

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Die Defizite und die strategische Ausrichtung

Entsprechend räumt die Messeleitung ein, «dass Fehler gemacht wurden». Den Aktionären der AMG Group geht es aber nicht darum, das Unternehmen wegen dieser zwei Fehlschläge an den Pranger zu stellen, sondern die strategische Ausrichtung und die Zukunft des Unternehmens zu ermitteln. Sie beklagen, dass der Verwaltungsrat nur dürftig informiere. Zudem beantragen sie eine Statutenrevision, die unter anderem vorsieht, die Anteile der Kantone am Unternehmen zu reduzieren. Historisch hält die öffentliche Hand 49 Prozent der Anteile und hat damit im Verwaltungsrat das absolute Sagen.

Ebenfalls hinterfragt wurde der Kauf des deutschen Unternehmens Metron, der MC2-Gruppe sowie der Masterpiece London. Hier wollten die Aktionäre wissen, wie viel die Akquisitionen gekostet haben beziehungsweise wie hoch der Verlust war, der durch den Verkauf von Metron entstand. Hierzu gibt die MCH Group AG mit Verweis auf Geschäftsgeheimnisse öffentlich keine Auskunft.

Der Verwaltungsrat betont in seiner Stellungnahme mehrfach, dass im Rahmen der Strategieausrichtung mehrere Optionen geprüft werden. Dazu gehört die Option, das Aktienkapital zu erhöhen und zwar auf Gruppenebene. Was das konkret heisst und welche Auswirkungen das auf die Zusammensetzung des Aktionariats hätte, bleibt allerdings offen.

Das Messe-Geschäft soll zum Plattform-Geschäft werden

Klar wird aus der Beantwortung der 39 Fragen, dass die MCH Group AG das Messegeschäft neu entwickeln will. In den Worten des Verwaltungsrats: Prioritär will sich das Unternehmen auf das Plattformen-Geschäft und dessen Weiterentwicklung fokussieren. Dies gilt auch für das Segment «Live Marketing Solutions». Allerdings prüft die MCH Group AG den Verkauf dieses Segments zwecks Finanzierung der anstehenden Investitionen.

Dabei gehe es vor allem darum, zukunftsorientierte Plattformen zu entwickeln. Im Zentrum stünden dafür Investitionen in Innovation, Digitalisierung und Internationalisierung. Die Neuausrichtung ziele nicht darauf ab, dass am Messegeschäft und Immobilien-Engagement festgehalten werden soll.

Was den in Basel diskutierten Verkauf von Messehallen an den Kanton angeht – vergangene Woche wurde bekannt, dass die Stadt die Halle 3 und das Musical Theater übernommen hat –, hält sich die MCH Group AG bedeckt. Aus den Antworten geht allerdings hervor, dass zumindest der Verkauf der Kern-Messehallen zurzeit nicht forciert wird.

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