Die Regierung weiss, was sie will: Einen Abriss des alten Felix Platter-Spitals zugunsten eines Neubaus. Auch der Heimatschutz weiss, was er will: Den Abriss verhindern und den Bau umnutzen. Doch was will die Quartierbevölkerung?

Eine Umfrage des Stadtteilsekretariats Basel-West liefert erste Anhaltspunkte zu den Wünschen der Anwohner an die frei werdende Fläche des Felix-Platter-Spitals. Denn 2018 zieht das Felix Platter-Spital in den Neubau an der Ecke Luzernerring und Burgfelderstrasse. Auf 36’000 Quadratmetern entsteht neue Wohnfläche. Die Regierung entschied, dass Genossenschaften das Baurecht für das Areal bekommen.

Das kommt bei der befragten Bevölkerung gut an: Über 80 Prozent begrüssen das Vorhaben, genossenschaftliche Wohnungen zu bauen. «Dieses Ergebnis ist erfreulich. Es zeugt von einer Veränderungsbereitschaft, die wir so nicht voraussetzen konnten», sagt Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement.

Das sehen auch die Verfasser der Umfrage so: «Überrascht hat uns, dass sich eine Mehrheit der Befragten für experimentelle Wohnformen aussprachen. So werden Gemeinschafts-, Familien- und betreute Wohnformen gewünscht», sagt Angelina Koch vom Stadtteilsekretariat Basel-West. Dieses fühlte die Befindlichkeiten unter den Anwohner mit einer online- und einer Strassenumfrage. Insgesamt nahmen 138 Personen teil.

Die Generationen sind sich einig

«Die Ergebnisse haben zwar keinen repräsentativen Charakter, aber einen breiten Anspruch», sagt Angelina Koch mit Verweis auf die vertretenen Generationen. Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, älter als 50 Jahre zu sein; unter 20-Jährige beteiligten sich nicht an der Umfrage. Allerdings führte die Jugendarbeit Basel-West eine eigene Erhebung bei 215 Jugendlichen durch. «Erstaunlicherweise decken sich ihre Ergebnisse mit unseren Resultaten», sagt Koch.

Bei beiden Umfragen sprachen sich die befragten Personen für Begegnungsorte aus. So stimmten – gemäss der Erhebung des Stadtteilsekretariats West – 90 Prozent einem Café und 80 Prozent einem Quartierzentrum zu. Die Jugendlichen wünschen sich ein modernes Jugendzentrum.

Umstrittener Spitalbau

In der Gestaltung sind sich die Befragten weitgehend einig. Weniger deutlich bewerten sie hingegen die Zukunftsszenarien für den alten Spitalbau: Könnten sie selbst entscheiden, würden 60 Prozent das Gebäude umnutzen – und sprechen sich gegen den regierungsrätlichen Entscheid aus. «Unabhängig davon, ob das alte Felix Platter-Spital erhalten bleibt, bietet das Areal ein vielfältiges Gestaltungspotential. Trotzdem bildet das Gebäude derzeit die eigentliche Knacknuss. Das Resultat unserer Umfrage zeigt ein Stimmungsbild, das sich die Regierung nochmals durch den Kopf gehen lassen sollte», sagt Peter Jossi, Präsident des Stadtteilsekretariats Basel-West.

Das sieht Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement anders: «Die Tendenz im Quartier geht offenbar in die Richtung, dass der Spitalbau bleiben soll. Dieses Resultat muss aber relativiert werden, da die Differenz zwischen den zwei Meinungsgruppen zu gering ist, um eine tatsächliche Aussage zu treffen.»

Noch ist die Zukunft des Spitalbaus offen. Die Einsprache des Heimatschutzes liegt beim Appellationsgericht. Gemäss Keller wird das Urteil wohl im Sommer 2016 gefällt.

Bis dahin bleibt Zeit für weitere Diskussionen oder wie das Stadtteilsekretariat der Regierung in seinem Fazit rät: Es wäre «sinnvoll, einen ‹echten Diskurs› zu eröffnen… und einen Dialog mit der Bevölkerung aufzunehmen». Hierbei sieht das Stadtteilsekretariat Basel-West alle Departemente in der Pflicht: «Deren Kooperation muss sich nun in der Umsetzungsphase bewähren. Beispielsweise indem sich das Gesundheitsdepartement für den Bedarf von betreutem Wohnen einbringt oder das Amt für Umwelt und Energie sich den Befürchtungen der Anwohner annimmt, dass mit den neuen Wohnungen starke Emissionen entstehen», sagt Peter Jossi.