Am Messeplatz könnte bald das nächste Hochhaus in den Himmel ragen. Für den Ersatz ihres sanierungsbedürftigen Parkhauses hat die Messe gestern zwei Projekte vorgestellt. Beide bringen sie die von der Messe schon länger geforderte Kombinutzung aus Parkhaus, Wohnungen, Hotel und Büros.

Die Vorgaben der Messe waren klar: Erhalt der Anzahl von 1450 Parkplätzen auf der gleichen Fläche, mit Zusatznutzungen, die das Projekt finanzieren, dessen Kosten auf rund 250 Millionen Franken geschätzt werden.

Drei Architekturteams hatten diese vertiefte Testplanung in Angriff genommen, zwei Projekte verfolgte die Jury aus Messe-Kadern, Behördenvertretern und Fachleuten weiter. Eines von Herzog & de Meuron, die am Messeplatz bereits die neue Halle 1 und die Citylounge gebaut haben. Und das andere von Morger und Dettli, den Architekten, die bereits den vom Volk knapp gutgeheissenen Claraturm entworfen haben.

Autos kommen in den Keller

Beide Teams haben vor, die 1450 Parkplätze unter den Boden zu verlegen und die Grundfläche vom Boden aufwärts anders zu nutzen. Die Projekte sehen zwischen 12'000 und 18'000 Quadratmeter für Wohnungen, 16'000 bis 18'000 Quadratmeter für Büros sowie 10'000 Quadratmeter für ein Hotel geplant. Dazu soll eine Nutzung kommen, die das Quartier begünstigt, beispielsweise ein Café.

Bei Morger und Dettli sind das neben Kongresssälen, dazu Quartiernutzungen wie etwa eine Mediathek oder ein Museum. Herzog und de Meuron dagegen schwebt ein öffentlicher Innenraum vor, von dem aus man Quartierläden und eine Kindertagesstätte erreichen könnte, die im Sockelgeschoss eingebaut werden.

Danach gehen die Ideen radikal auseinander: Morger und Dettli schwebt ein einzelner, die ganze Grundfläche einnehmender zurückgestaffelter Turm mit 31 Stockwerken vor. Ein grosser gläserner Keil sozusagen, dessen terrassierte Wand zur Rosentalanlage hin zeigen würde. Herzog und de Meuron dagegen setzen auf einen Sockel mit mehreren Stockwerken vier unterschiedlich hohe, schmälere Türme.

Kleiner als der Messeturm

Die Maximalhöhe bei beiden Projekten soll 100 Meter nicht überschreiten, also leicht unterhalb der Höhe des benachbarten Messeturms liegen. «Gebaut wird 1:1 keines dieser Projekte», sagt der Projektverantwortliche der Messe Schweiz, Edgar Jenny.

Und der Mediensprecher der Messe, Christian Jecker, ergänzt: «Wir wollen möglichst konkrete, theoretisch baubare Projekte zeigen, damit in der Phase der Entscheidfindung auch klar ist, über was wir ungefähr reden.» Diese nächste Phase ist die Erstellung und vor allem die Bewilligung des neuen Bebauungsplans im Grossen Rat. «Wir brauchen die Rechtssicherheit, dass wir das, was uns vorschwebt, bauen können, bevor wir einen Architekturwettbewerb für das definitive Projekt ausrichten», erklärt Jenny.

Dennoch solle klar sein, in welche Richtung die Pläne gehen. Das Hochbauamt, das auch in der Jury für die Testplanung vertreten war, werde nun diesen Bebauungsplan ausarbeiten. Er sollte im Laufe des nächsten Jahres in den Grossen Rat kommen. Wird er bewilligt und eine Volksabstimmung vermieden oder gewonnen, könnte 2017 mit der Bauplanung begonnen werden.

Der Baubeginn sei nicht vor 2019 zu erwarten. Bis dann sollte auch klar sein, ob, wie und wann anstelle der zerfallenden Zürichhäuser ein Neubau erstellt wird und ob und wann der Claraturm gebaut wird.

Letzteren hat das Stimmvolk zwar abgesegnet, aber das Appellationsgericht lässt sich Zeit mit der Beurteilung einer Beschwerde gegen den Volksentscheid. Wann das Urteil gefällt werde, sei noch nicht klar, heisst es beim höchsten Basler Gericht auf Anfrage.

Selber zahlen ist Pflicht

Ungemach scheint dem Messeparking aus politischer Richtung nicht wirklich zu drohen. Basta-Grossrat Urs Müller erklärt: «Solange die Anzahl Parkplätze nicht erhöht wird und die Messe das Projekt ohne staatliche Mittel finanziert, habe ich kein Problem damit.» Müller stand dem Neubauprojekt ursprünglich kritisch gegenüber. Ihm war sauer aufgestossen, dass die Messe hinsichtlich eines Neubaus immer wieder andere Aussagen gemacht hatte.

Nun dagegen ist die Devise klar: «Wir bauen, wenn der Grosse Rat den Bebauungsplan so abändert, dass wir sinnvoll bauen können,» erklärt Jenny. Andernfalls greife «Plan B, eine Sanierung des heutigen Parkhauses für etwa neun Millionen Franken», fügt Jecker an.