Innenstadt

Die «Mitte» räumt auf – neue Lounge, mehr Essen, nur «Fumare»-Zukunft offen

Im Obergeschoss des «Non Fumare» entsteht ein Rückzugsort in der Basler Innenstadt. Bild: Kenneth Nars (Basel, 11.10.2019)

Im Obergeschoss des «Non Fumare» entsteht ein Rückzugsort in der Basler Innenstadt. Bild: Kenneth Nars (Basel, 11.10.2019)

Das Unternehmen Mitte feiert dieses Jahr das 20-jährige Bestehen. Und das vor allem mit einem grossen Aufräumen: Im «Non Fumare» entsteht eine Lounge, die vielen Untermarken werden zusammengeführt, nur über die Zukunft des Raucherraums wird zurzeit beraten.

Das Unternehmen Mitte ist ein Basler Phänomen. Seit 20 Jahren befindet sich in den Räumen der ehemaligen Schweizerischen Volksbank das grösste Kaffeehaus der Schweiz. Dank massgeblicher Unterstützung der anthroposophisch orientierten Stiftung Edith Maryon entstand 1998 mitten in der Grossbasler Innenstadt ein Treffpunkt, der ungewohntes Ausmass annahm.

Hier entstand die viel diskutierte Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, hier liessen sich teils streitbare Basler Medien wie die eingestellte «Tageswoche» nieder, während Künstler, Politiker, Studierende, aber auch FCB-Trainer und Architekten wie Jacques Herzog ein- und ausgehen.

Lounge soll die Basler Innenstadt aufwerten

Das Jubiläumsjahr war allerdings weniger geprägt von Festivitäten als eher vom Aufräumen. Zurzeit baut das Kaffeehaus den Bereich des «Non Fumare» im Eingangsbereich um. Genauer: die Galerie im oberen Bereich der Bar. Hier entsteht zurzeit eine neue Lounge, eine Art öffentlicher Rückzugsort in der Innenstadt, wie Caroline Faust von der Geschäftsleitung der «Mitte» sagt. Eröffnung ist am kommenden Freitag, 18. Oktober. Konzipiert und entwickelt wurde der Bereich von Nadine Möckli, einer Mitarbeiterin, die eben eine Ausbildung im Bereich Mode und Design abgeschlossen hat. Dazu gehören neben einer stimmungsvollen Ausstattung auch Noise-Cancelling-Kopfhörer sowie eine «Anzahl ausgelesener Magazine».

Dass Mitarbeitende massgeblich bei der Gestaltung mitwirken, hat Tradition. So wurden auch diverse gastronomische Entwicklungen im Kaffeehaus-Team angestossen, wie etwa die einst unter dem Namen «Kombüse» bekannte Mittagsküche.

Daher ist die Mitte mittlerweile deutlich mehr als nur ein Kaffeehaus mit Verpflegung. Sie verfügt mit «Mitte Politics» über eine gut besuchte Veranstaltungsreihe zum öffentlichen Diskurs, beheimatet einen Blumenladen, einen Hotellerie-Betrieb mit Fokus auf Kulturschaffende und bietet mit dem alten Safe der Volksbank einen zurzeit auch beliebten Spielort für Klein- und Kleinsttheater. Inskünftig sollen dort laut Faust aber auch wieder mehr Partys stattfinden.

Derzeit werden auch die Sanierungsarbeiten im Bereich der Halle abgeschlossen. Nach 20 Jahren musste die Bar rundumsaniert werden, in diesem Zug wurde auch die Halle selbst aufgefrischt. «Wir wollten weg vom Farbspektakel der 1990er-Jahre, hin zu einem schlichteren Design, bei dem die Gäste die Farbtupfer darstellen», sagt Faust. Dazu gehört auch, dass das Unternehmen die Vielfalt an Labels aufräumt. Ruhe kehrt dennoch nicht ein: Noch diesen Herbst soll das Verpflegungsangebot weiter ausgebaut werden. Bereits erweitert wurde die Aussenbewirtung, seit diesem Sommer stehen dort Tische und Klappstühle, wo zuvor Velos an der Gerbergasse abgestellt wurden. Noch hängig ist allerdings ein Gesuch für eine durchgehende Bestuhlung in der Grünpfahlgasse.

«Fumare»-Zukunft offen, «Offline-Zone» beendet

Was allerdings mit dem grössten Raucherraum der Basler Innenstadt, dem «Fumare», geschieht, ist zurzeit noch Thema von Gesprächen. Aktuell befindet sich dort ein weiterer Gastronomiebereich mit Strassenblick. Ob und in welcher Form das Fumoir zurückkommt, werde auf den Winter hin entschieden. Das Angebot war als eines der wenigen für Raucher populär, aber nicht ohne Schwierigkeiten: Immer wieder wurden untersagte Fremdgetränke konsumiert, regelmässig mussten Jugendliche zurechtgewiesen werden.

Was es aber nicht mehr gibt, ist die «Offline-Zone» in der Mitte der Kaffeehaus-Halle. Diese wurde mangels Beachtung und Interesse aufgehoben, so Faust, obwohl die mediale Berichterstattung über deren Einführung vergangenes Jahr wohlwollend und erstaunlich breit ausfiel.

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