Wahlen Basel-Stadt
Die Mitte-Sitze wackeln am stärksten

Bei den Grossratswahlen können einzelne Stimmen den Unterschied machen. Da reichen je nach Wahlkreis ein paar wenige Wähler für einen Sitzgewinn oder einen -verlust. Die bz zeigt, wo es knapp werden könnte.

Jonas Hoskyn
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Kampf um jede Stimme: Der Wahlkampf erreicht seine heisse Phase.

Kampf um jede Stimme: Der Wahlkampf erreicht seine heisse Phase.

zvg

Im Gegensatz zum Rennen für die sieben Sitze in der Regierung sind die Parlamentswahlen immer auch ein bisschen eine Lotterie. Besonders bei der Vergabe der Restmandate entscheiden oft ein paar Stimmen mehr oder weniger, welcher Liste der Sitz zufällt.

Besonders wacklig ist die Ausgangslage für die Wahlen vom 23. Oktober statistisch gesehen in Grossbasel Ost. Dort liebäugelt die SP mit einem Sitz der FDP. Den Genossen fehlten vor vier Jahren nur ein Dutzend Wähler für den neunten Sitz. Die zwei Restmandate holten damals die FDP und die GLP. Beide Parteien stecken im Vergleich zu damals eher in einer schwierigen Ausgangslage.

Komfortables Polster

Bei den Grünliberalen zeigt die Formkurve seit längerem nur noch abwärts. Allerdings dürfte die Partei den Sitz halten können, sie verfügt über ein komfortables Polster. Kritischer ist die Situation bei der FDP. 2012 kandidierten in Grossbasel Ost die Grossratskandidaten Baschi Dürr und Christophe Haller beide auch für die Regierung und waren so die Zugpferde der Partei. Dieser Bonus fehlt den Freisinnigen dieses Mal. Auch der Drittplatzierte Ernst Mutschler kandidiert diesen Herbst nicht mehr. Bei der SP dagegen treten alle acht Bisherigen wieder an – ausserdem sind auf der Liste noch Parteipräsidentin Brigitte Hollinger und Parteisekretärin Lisa Mathys zu finden, denen beiden ein gutes Resultat zuzutrauen ist.

Das Basler Wahlsystem

Komplizierte Mandatsvergabe

Die Sitze im Grossen Rat werden nach einem komplexen System vergeben. Berechnet wird die Mandatsverteilung nach dem sogenannten Sainte-Laguë-Verfahren.

Der Kanton ist in fünf Wahlkreise unterteilt, in welchen je nach Einwohnerzahl unterschiedlich viele Sitze zu vergeben sind. Entsprechend benötigt man je nach Wahlkreis unterschiedliche hohe Stimmenanteile für einen Sitz.

In Bettingen, wo nur ein Sitz zu verteilen ist, braucht es über 50 Prozent, in Riehen (11 Sitze) etwas mehr als neun Prozent, während im grössten Wahlkreis Grossbasel West (34 Sitze) weniger als drei Prozent der Stimmen reichen.

Mit einem Verteilquotienten werden so zuerst die sogenannten Vollmandate vergeben. Danach werden die Restmandate verteilt.

Dabei sind diejenigen Listen im Vorteil, die knapp an einem Vollmandat vorbeigeschlittert sind.

Auch im bürgerlichen Lager dürfte es zu Verschiebungen kommen. Die EVP war vor vier Jahren mit 3,73 Prozent nur knapp unter dem nötigen Quorum von vier Prozent geblieben. Durch die gemeinsame Liste mit der BDP, welche mit dem früheren SVP-Grossrat Michel Rusterholtz einen amtierenden Grossrat stellt, bestehen dieses Mal gute Chancen auf je einen Sitz in Grossbasel Ost und West. Dies dürfte zulasten des bürgerlichen Lagers gehen.

Die geringsten Stimmpolster haben im Osten die LDP und die CVP. Zumindest die Liberaldemokraten können aber optimistisch sein. Bei einer kürzlichen Umfrage der bz und der «Tageswoche» ging die LDP als grosse Gewinnerin hervor.

Mobilisierung im Kleinbasel

In Grossbasel West ist die Ausgangslage stabiler. Gefährdet ist vor allem das Restmandat des Grünen Bündnisses. In der Pole-Position ist auch hier die SP. Zur Erinnerung: Bereits bei den nationalen Wahlen konnten die Sozialdemokraten auf Kosten von Grünen und Basta im linken Lager zulegen. Dazu kommt, dass drei der vier Bisherigen des Grünen Bündnisses erst in den letzten Monaten ins Parlament nachgerückt sind und vor vier Jahren teilweise ziemlich bescheidene Resultate geholt haben. Das Zugpferd der letzten Wahlen Sibel Arslan ist nach ihrer Wahl in den Nationalrat aus dem Basler Parlament zurückgetreten und fehlt somit auf der Liste. Auch der Sitz der CVP ist am Wackeln. Nutzniesserin könnte neben der EVP/BDP auch die FDP sein, welche sich Chancen auf ein Restmandat ausrechnen kann.

Ungewiss trotz konstanter Kurven

Sehr ungewiss ist die Situation im Kleinbasel. Einerseits verlaufen die Kurven der einzelnen Parteien in diesem Wahlbezirk sehr konstant. Seit den Wahlen 2000 ist es zu keinen grösseren Veränderungen in der Parteienlandschaft gekommen. Gleichzeitig ist im Kleinbasel die Stimmbeteiligung tendenziell immer sehr tief. Entsprechend viel können einzelne Listen durch eine gute Mobilisierung erreichen, was etwa das Beispiel der Volksaktion des Politquerulanten Eric Weber zeigt, welche vor vier Jahren im Kleinbasel zwei Sitze holte, darunter ein Restmandat. Ob diese gehalten werden können, ist allerdings völlig offen. Vor allem die SVP darf sich Chancen auf mindestens einen der Sitze ausrechnen. Knapp ist vor allem das Rennen auch um das Restmandat der SP. Diese holten den Sitz vor vier Jahren mit hauchdünnem Vorsprung – keine vier Wähler vor dem Grünen Bündnis.

Riehen: Fast vernachlässigbar

Am konstantesten ist die Ausgangslage in Riehen. Mit «nur» elf Mandaten müsste es zu grösseren Verschiebungen im Parteiengefüge kommen, damit Sitzwechsel möglich werden. Überspitzt formuliert: In Riehen kann man den Wahlkampf getrost vernachlässigen. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass viele politische Schwergewichte wie etwa Heiner Vischer (LDP) oder Stephan Mumenthaler (FDP) ihr Glück nicht in ihrem Wohnort suchen. Umkämpft ist vor allem das Restmandat der Grünliberalen. Denkbar, dass die Partei unter die Vierprozent-Hürde fällt. Auch das Grüne Bündnis könnte seinen Sitz verlieren. Gute Chancen auf ein weiteres Mandat können sich dagegen FDP, SVP und SP ausrechnen.