Es ist der grosse internationale Treffpunkt von rund 100 Brauereien aus 27 Ländern. Vom 11. bis 14. September werden sie in den Messehallen von Mulhouse im Rahmen des «Mondial de la Bière» 400 verschiedene Biere zur Degustation anbieten, bis zu 250 davon kann man auch kaufen. Neben dem Kennenlernen von Absonderlichkeiten wie Kaffee-, Schokoladen- oder Heidelbeerbier, das eher gewöhnungsbedürftig ist, ergibt sich die Möglichkeit, an einem Ort die grosse weltweite Vielfalt der Braukunst zu erschmecken.

Vertreten sein werden unter anderem Brauereien aus der kanadischen Region Quebec, Brasilien, Belgien, den USA, Neuseeland, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Stark interessiert an Neuerungen zeigen sich laut den Veranstaltern dabei vor allem Brasilien und die USA. Jean-Claude Colin, Vizepräsident des Festivals, gab sich in diesem Zusammenhang auf der Medienkonferenz zum Anlass überzeugt, dass sich das deutsche Reinheitsgebot, das viele Experimente verhindere, mit der Zeit aufweichen werde.

Das Festival wurde vor 21 Jahren in Quebec gegründet und findet seit zwei Jahren auch in Brasilien und seit fünf Jahren im Elsass statt. Letztes Jahr ist es von Strassburg nach Mulhouse gezügelt, ein Wechsel, mit dem die Verantwortlichen aufgrund der Nähe zur Schweiz sehr zufrieden sind – gleichzeitig bleibt man nahe an der deutschen Grenze.

Der Eintritt ist gratis

Der Eintritt zum Festival ist gratis. Um die Biere degustieren zu können, muss man allerdings Bons kaufen, die pro Stück einen Euro kosten. Je nach Preis kann dann das 1,25 Deziliter grosse Degustationsglas bis zu fünf Bons, also fünf Euro kosten. Jeannine Marois, Präsidentin und Gründerin des Festivals, begründet das so: «Es gibt Produkte, die sehr teuer in der Herstellung sind.» Die Besucher würden viel kaufen und wären an seltenen Produkten interessiert. Jean-Claude Colin ergänzt: «Je teurer ein Bier ist, desto besser verkauft es sich.»

Während der Bierkonsum weltweit abnimmt, ist ein Trend zu Spezialitäten und Mikrobrauereien festzustellen. Das zeigt sich auch in der Region Basel (siehe Artikel unten). Im Elsass gibt es derzeit 34 Kleinstbrauereien. Von den elsässischen Grossbrauereien, die 70 Prozent des französischen Biers produzieren, ist heute mit Meteor nur noch eine in Familienbesitz. Meteor nimmt mit seinen Bieren am Festival teil.

Der Marktanteil der Mikrobrauereien ist mit fünf Prozent eher klein. «Es mangelt am Vertrieb. Deshalb sind sie bei den Grossverteilern in Frankreich nicht vertreten», erläutert Colin.

Wie Bier zu Käse passt

Kulinarisch werden auf dem Bier-Festival auch diverse Sauerkrautspezialitäten geboten und vorgestellt. Ausserdem gibt es jeden Tag zwei Ateliers, auf denen es um das Zusammenwirken von Bier und Käse geht. Eine Fotoausstellung widmet sich den Pariser Bistrots. Ferner können die Besucher beim Bierbrauen zusehen und an einem Wettbewerb teilnehmen, indem sie ihr Lieblingsbier wählen.

Aus der Schweiz nimmt die Bier Factory aus Rapperswil-Jona am Festival teil. «Es ist für uns wichtig und interessant, andere Biere und Brauereien kennenzulernen», erläutert Marketingchef Gabriel Hill. Er könnte sich vorstellen, in Kooperation mit einer Brauerei aus den USA einmal ein Bier zu produzieren. Aus dem Südelsass kommt die Brasserie de Saint-Louis nach Mulhouse.

Wenig regionale Brauereien

Ansonsten sind regionale Brauereien nicht vertreten. «Ich würde gerne eine gemeinsame Aktion mit Schwarzwald Tourismus machen. Es könnte einen Stand mit Schinken, Schnaps und Bier geben. Bisher hat das aber nicht geklappt», erläutert Colin. Einer Brauerei wie Rothaus im Südschwarzwald laufe es so gut, dass sie ihr Bier nicht exportiere und deshalb kein Interesse am Festival habe.

Luzius Bosshard, Geschäftsführer von Unser Bier, war angesichts des zu erwartenden Ertrags der Aufwand zu gross, am «Mondial de la Bière» teilzunehmen. Allerdings würden Brauer von Unser Bier nach Mulhouse fahren, um sich dort über die Angebote zu informieren. Auch Brauer von Ueli Bier werden sich in Mulhouse umschauen.

«Mondial de la Bière», Mulhouse, Parc des expositions, 11. bis 14. Sept., Do 17–23 Uhr, Fr/Sa 11–23 Uhr, So 11–18 Uhr. Vom Bahnhof Mulhouse, Tram 1 Richtung Châtaignier, Haltestelle Musée de l'Auto, wenige Minuten Fussweg. www.mondialbiereeurope.com