Eklat
Die Muslimkommission provoziert den Basler Erziehungsdirektor

Der Streit um den obligatorischen Schwimmunterricht eskaliert. Die Muslime werfen den Behörden beider Basel Rassismus vor. Die Schwimmbussen führen derweil zu einer Solidarisierungswelle unter den Muslimen der Region.

Joël Hoffmann
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Baden mit dem Burkini ist in beiden Basel erlaubt.

Baden mit dem Burkini ist in beiden Basel erlaubt.

Keystone

Bussenbezahler und Ex-Pfarrer Johannes Czwalina erhält Morddrohungen. Die muslimische Familie Osmanoglu aus Basel zieht vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Am Freitag ging die Eingabe per Post nach Strasbourg. Erst vor ein paar Wochen sind die Schwimmunterrichtsverweigerer vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Verlieren die Muslime auch in Strasbourg, werden sie eine eigene Privatschule gründen (die bz berichtete).

Die Muslime werfen den Behörden beider Basel Rassismus vor. Telebasel spricht in seinem jüngsten Report sogar von einer «Inquisition gegen Muslime». Die Basler Muslimkommission (BMK) installiert nun einen Fond für Rechtsstreitigkeiten.

Basler Regierungsrat ist sauer

Erziehungsdirektor Christoph Eymann ist wütend ob dem Rassismusvorwurf und der Haltung der BMK. Das Schulgesetz richte sich nicht gegen Muslime, sondern verbietet Dispensen vom obligatorischen Unterricht. In der Handreichung des Erziehungsdepartements werde konkret auf die religiösen Bedürfnisse Rücksicht genommen.

«Die BMK hat an der Handreichung mitgewirkt und das Schwimmobligatorium befürwortet», so Eymann. «Hier liegt ein Missverständnis vor», sagt hingegen Serhad Karatekin, Sekretär der BMK. Was das konkret heisst, sagt er nicht. Er wolle zu diesem Thema die Medien nicht als Sprachrohr benutzen. Er betont aber, dass der Fond nicht für Schwimmbussen, sondern für allgemeine Rechtsstreitigkeiten sei.

Dennoch übernimmt die BMK deutlicher Stellung gegen die Behörden als früher. Der Grund: Die Stimmung unter den Muslimen der Region hat sich verändert. «Wir erleben eine immer grösser werdende Solidaritätswelle unter Muslimen», erklärt Karatekin. Die Muslime der Region seien unzufrieden damit, dass die Behörden theologisch legitimierte Gewissensbefindlichkeiten kriminalisieren. Eine Stunde Schwimmen habe nichts mit Integration zu tun, und die Bussen seien kontraproduktiv.

Muslime prangern Rassismus an

Karatekin betont, dass die Muslime keine Konfrontation mit dem Staat suchen. «Das Erziehungsdepartement macht sehr gute Arbeit, nur bei den Schwimmbussen sind wir nicht gleicher Meinung», fügt der BMK-Sekretär an. Eymann denkt nicht daran, das Schulgesetz wegen ein paar streng Religiösen abzuändern: «Es gibt in Basel auch drei Fälle von Evangelikalen, die Dispensen vom Sexualunterricht wollten. Die haben das auch nicht bekommen.»

Karatekin hingegen sieht rassistische Gründe hinter der Sturheit der Behörden. «Es ist nicht zu übersehen, dass das Thema Islam in der Öffentlichkeit sehr negativ aufgenommen wird», sagt er. Das bringe die Behörden in eine heikle Situation. Dazu Karatekin: «Würden sie einen Schritt auf uns zu machen, würde der politische Druck gewaltig werden.»

Die BMK setzt auf direkte Gespräche mit den Behörden. Diese müssten anerkennen, dass die Muslime einen echten Gewissenskonflikt haben. Die beste Lösung ist für die BMK ein privater Schwimmunterricht, den die Muslime selber bezahlen. Eine Privatschule als Reaktion auf den Bussenstreit dürfe nicht sein. Allerdings ist auch die BMK für eine muslimische Privatschule, weil diese einen wichtigen Betrag zur Integration leisten könnte.