Wie ein Pfadilager mitten in der Stadt: Seit Donnerstagabend campieren auf dem Basler Kasernenareal Schüler und Schülerinnen, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Die besonders Hartgesottenen blieben für zwei Nächte, obwohl ihnen der starke Wind bereits in der Nacht auf Freitag die Transparente und ein Zelt verwehte.

«Die Nacht war schrecklich, der Horror», gibt eine der Teilnehmerinnen zu. «Das Schlimmste war die Kälte.» Nebenan erzählt eine Kollegin, sie habe die Nacht nur dank zwei Thermohosen, einer Leggings und einem weiteren Paar Hosen überlebt.

Doch das Klima ist den Anwesenden das Frieren wert. Am Freitagmorgen um zehn Uhr sind es noch nicht viele, vielleicht zwanzig bis dreissig. Im Verlauf des Tages werden es rund zweitausend sein. Und zwar nicht nur Jugendliche, sondern auch zahlreiche Erwachsene und Senioren.

Vom Münsterplatz aus, wo die offizielle Klimademo stattfindet, marschieren sie zum Kasernenareal. Das Organisationskomitee hat innerhalb von drei Wochen ein eigenes Festival geplant, Liedermacher Linard Bardill und kleinere regionale Bands treten vor und in der Kaserne auf.

Dass das Komitee mit der Kaserne kooperieren konnte, ist alles andere als selbstverständlich. «Wir haben bei der Kaserne erst zwei Tage vorher angefragt», sagt Laurin Hoppler, der zu den Organisatoren gehört. Doch das Anliegen der Jugendlichen fand bei den Verantwortlichen der Kaserne Anklang.

«Die Kaserne Basel unterstützt die Proteste aus Solidarität mit den Streikenden und deren Anliegen mit Infrastruktur», erklärt die Kommunikationsverantwortliche gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Das Veranstaltungszentrum stellt den jungen Protestierenden Räumlichkeiten und Strom zur Verfügung. Selbst die Polizei lässt die Wildcampierer in Ruhe: «Die Kantonspolizei Basel-Stadt hat Kenntnis vom derzeitig stattfindenden Klimacamp und der Aktion auf dem Kasernenareal sowie Kontakt zu Personen aus dem Umfeld der Teilnehmenden», erklärt Polizeisprecher Toprak Yerguz auf Anfrage. «Die Aktionen verliefen bis dato ruhig und friedlich.»

Keine Fortschritte beim Kehricht

Nicht nur die umfassende Solidarität in der Öffentlichkeit, auch der vor rund einem Monat gefällte Entscheid des Grossen Rats, den Klimanotstand auszurufen, zeigt: Die Klimadebatte ist mittlerweile endgültig in der Region angekommen.

Das Anliegen, den CO2-Ausstoss zu regulieren, ist allerdings nicht neu. Bereits im Oktober 2017 trat in Basel das neue Energiegesetz in Kraft. Dieses sieht vor, den CO2-Ausstoss pro Person auf jährlich maximal eine Tonne zu reduzieren.

Wie weit die Basler und Baslerinnen heute noch von diesem Ziel entfernt sind, zeigt ein Blick in die Statistik. Zwar hat sich der jährliche CO2-Ausstoss pro Person in den letzten acht Jahren kontinuierlich verringert. Aber gerade bei den Treibhausgasemissionen durch Kehricht und Benzinverbrauch stagniert die Stadt.

Gar nicht erst in der Statistik aufgeführt sind die Treibhausgasemissionen, welche die Basler Bevölkerung mit ihren Flügen generiert. Das Treibhausgasinventar der Kantone geht nämlich nach dem Territorialprinzip vor: Die Treibhausgasemissionen werden dem Land und dessen Einwohnern zugeordnet, wo sie entstehen.

«Das ist für den Flugverkehr etwas schwierig. Das in die Schweiz meist importierte Kerosin und Flugbenzin wird über die Einwohnerzahlen den Kantonen zugeordnet», erklärt Beat Calonder, der im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) regelmässig die CO2-Emissionen erhebt. Die nationale Statistik zeigt allerdings, dass der Flugverkehr pro Kopf im Schnitt weitere 0,8 Tonnen CO2 jährlich generiert, Tendenz steigend.

Grosses Wissen, viele Vorsätze

Der Besuch des Klimacamps zeigt: Das Bewusstsein für diese Zahlen ist bei den Organisatoren gross. Das Wissen der noch nicht einmal volljährigen Teilnehmenden erstaunt. Mit Eloquenz sprechen die Schüler über das Pariser Klimaabkommen oder über Verbesserungsvorschläge für den kantonalen Lehrplan. Den weitverbreiteten Vorwurf, Verzicht zu predigen, aber nicht zu leben, möchten die Teilnehmenden nicht gelten lassen.

Da wären zum Beispiel die beiden Gymnasiastinnen Salma und Pauline, die sich beide vegetarisch ernähren und ihre Kleider secondhand einkaufen. «Ich habe beschlossen, dass ich fortan nicht mehr fliegen werde», sagt Pauline. Sie steht in einem Zelt aus Militärblachen, zu ihren Füssen stapelt sich das Gemüse, das am Abend gekocht werden soll. Alles Abfall aus Läden der Umgebung, wie die Schülerinnen betonen.

Doch auch die vorbildlichsten Aktivistinnen können noch dazulernen. Das zeigt der Blick in die Harasse im Essenszelt, wo ein Stapel Wegwerfbecher liegt. Der Kampf gegen den Klimawandel, er strapaziert das Verantwortungsbewusstsein dieser Gesellschaft. Verbesserungspotential ist indes genug vorhanden – an allen Orten.